#Lesertipp

So pfuschen wir Mark Knopfler ins Handwerk

Die künstliche Intelligenz macht sich auch im Musikgeschäft breit. Es ist eine betrübliche Tatsache, dass ein beträchtlicher Teil der heute in den Streamingdiensten veröffentlichten Songs von Suno und Konsorten hergestellt wurde. Doch die KI ist nicht nur böse: Künstlerinnen und Künstler, die weiterhin ihre eigenen kreativen Ideen verwirklichen wollen, haben dank KI heute grossartige Werkzeuge an der Hand.

Zu denen gehört die Moises-App mit diversen Funktionen. Zu den wichtigen zählt die Spurentrennung. Bei der wird eine fixfertig abgemischte Aufnahme nach Gesang, Schlagzeug, Gitarre, Bass, Keyboard und den weiteren Instrumenten separiert. Die können separat angehört, in der Lautstärke verändert oder auch ersetzt werden. Das ermöglicht Remixe aller Art. Vor allem erlaubt es Musikerinnen und Musikern, ihren Idolen viel genauer zuzuhören, als es in der abgemischten Version jemals möglich wäre.

Moises im Vergleich mit Lalal.ai

Eine solche Zerlegung ist auch mit Lalal.ai möglich. So bin ich überhaupt auf Moises aufmerksam geworden, denn als Reaktion auf meine Besprechung verwies mich Roland auf diese App, bei der das schon lange möglich sei. Und in der Tat: Moises lässt sich nicht lumpen und zerlegt meinen Testkandidaten «Sultans of Swing» von Dire Straits in vier Spuren. Da ich Lalal den gleichen Song vorgesetzt habe, kann ich die Resultate direkt vergleichen.

Moises zerlegt standardmässig in die vier Spuren Vocals, Schlagzeug, Bass und Sonstige.

Es fallen folgende Dinge auf:

  • Moises erledigt die Arbeit in einem Rutsch, während in Lalal jede Spur separat extrahiert werden muss. Ersteres ist viel komfortabler.
  • Bei Lalal ist am Anfang des Songs zweimal für einen Sekundenbruchteil ein bisschen Gitarre an der Bassspur hängen geblieben.
  • Im Gegensatz dazu hört sich die Gesangsspur von Moises für meinen Geschmack weniger sauber an; sie enthält störende Artefakte der Instrumente.
  • Moises kann wie Lalal im Browser benutzt werden. Es gibt indes auch Versionen fürs iPad, Android, Mac und Windows. In diesen Apps arbeiten wir direkt mit den getrennten Spuren, ohne dass wir einen Umweg über Audacity machen müssten. Ein Download der Einzelspuren ist ebenfalls möglich.
  • Moises extrahiert die Spuren nicht in der ganzen Länge des Songs (5:45), sondern nur die ersten fünf Minuten.
  • Und Moises stellt die Gitarre nicht als eigene Spur bereit, sondern summarisch als Sonstige – falls ich das richtig höre, mit Rhythmus- und Leadgitarre in einem Track.

Fazit: Es gibt keinen klaren Sieger. Mir gefällt das Resultat von Lalal.ai besser, gemessen an der Gitarren- und der Vocalspur.

Das klingt seltsam bis furchtbar

Für Moises wiederum spricht, dass diese Software mit der Spurentrennung ihr Trickarsenal längst nicht ausgeschöpft hat. Sie beherrscht insbesondere das Kabinettstückchen, die Tonlage des Songs zu ändern. Sultans of Swing (d-Moll) lässt sich um eine Oktave höher oder tiefer stimmen und über Tempomodifizierung auch beschleunigen oder abbremsen. Und ja, für meine ausgiebigen Experimente mit diesen beiden Einstellungen sollte ich von Mark Knopfler persönlich eins hinter die Löffel bekommen.

Moises versucht bei Bedarf auch, per KI die Songtexte zu extrahieren. Der Nutzen dieses Features scheint mir beschränkt, da Websites wie genius.com die von einer riesigen Menge an Songs parat haben. Aber gut, ich bin kein Profi – und vielleicht haben Musikproduzentinnen mitunter das Problem, dass bei Demotapes die Lyrics nicht greifbar sind und die Rechtsabteilung prüfen muss, wie gross das Shitstormpotenzial ist. Trotzdem: Nützlicher scheinen mir die beiden Features, die den Song in die Akkorde und in die Abschnitte (Intro, Strophe etc.) aufteilen.

Moises ändert auch Tempo und Tonart, extrahiert Songtexte und Akkorde und zerlegt das Stück in Intro, Strophen und andere Bestandteile.

Moises leider nur mit Abo

Für ein abschliessendes Urteil bin ich der falsche Mann, weil ich erstens selbst kein Musiker bin und zweitens die Überzeugung habe, dass der Anwendungszweck und die persönlichen Vorlieben entscheidend sind, ob jemand mit Moises oder Lalal warm wird. Fürs Herumspielen mit den Lieblingssongs sind beide geeignet.

Bei Lalal gibt es die Möglichkeit, die Nutzung nach Minuten zu bezahlen. Apropos Geld: Die Moises-App dürfte gern an Transparenz zulegen, was das Abo angeht. Um diese Angaben in Erfahrung zu bringen, müssen wir in der App auf unser Profil klicken und Schalte alle Funktionen frei betätigen. Dann erfahren wir, dass als Gratisnutzer fünf Spuren pro Monat getrennt werden dürfen. Premium kostet 4,58 Dollar pro Monat und liefert unbegrenzte Spurentrennungen und unterstützt weitere Instrumente (vielleicht hätte ich mit dieser Variante beide Gitarren trennen können), und es werden Aufnahmen bis zu zwanzig Minuten bearbeitet. Die Pro-Version für 22,91 Dollar hält u. a. «Hi-Fi-KI-Trennmodelle» bereit.

Beitragsbild: Er liefert die neue Saiteninsturmenten-Spur für unseren «Sultans of Swing»-Remix (Yan Krukau, Pexels-Lizenz).

#KI #Lesertipp #Musik

Ein Kind mit roten Locken spielt Ukulele und blinzelt, während es in einem grünen Stuhl sitzt. Hintergrund mit weisser Wand und Schrank.Screenshot einer Musik-Editing-App mit mehreren Audiospuren, darunter Vocals, Schlagzeug, Bass. Die Spuren zeigen Wellenformen und Schaltflächen zum Trennen und Exportieren der Tonspuren.Screenshot einer Musikbearbeitungs-App. Links sind Tonspuren für Gesang, Schlagzeug, Bass und mehr. Oben kann die Tonspur getrennt werden, und die Tonart ist Dm. Liedabschnitte rechts.

Ein Internet-Kollektiv will das freie Internet vor den KI-Konzernen retten

Andreas Von Gunten ist umtriebiger Verleger und Digitalunternehmer, dem ich anfangs Jahr am Vin­tage Com­pu­ter Festival begegnete und der auch schon bei uns im Nerdfunk war. Neulich fragte er auf Linkedin:

Wie können Medien- und Kreativschaffende steuern, ob und wie Werke im Zusammenhang mit generativer KI genutzt werden und sie allenfalls sogar noch Geld dafür bekommen?

Eine berechtigte Frage: Denn die KI wird dazu führen, dass die Medien und unabhängige Webpublizisten massiv an Reichweite verlieren, während die Konzerne Geld mit den Sprachmodellen verdienen, die sie mit den Online-Inhalten von uns allen trainiert haben.

Konzepte, wie sich der Zusammenbruch des «Geschäftsmodells World Wide Web» verhindern liesse, gibt es: Pro Rata erprobt ein Verteilsystem, bei dem die Urheber der Inhalte am Umsatz partizipieren. Der KI-Bot Gist.ai führt vor, wie bei einer Antwort die Beiträge der einzelnen Informationslieferanten gewichtet werden und welche fundamentalen Probleme sich stellen, wenn diese Attribution fair erfolgen soll.

Doch selbst wenn die Methode funktionieren sollte, stellt sich ein nächstes Problem: Woher wissen die KI-Konzerne, welche Informationen sie wie verwerten können? Pro Rata arbeitet mit ein paar handverlesenen Partnern zusammen. Ich habe mich mit diesem Blog hier vor Monaten angemeldet, aber nie eine Rückmeldung bekommen.

Die ganze Welt muss partizipieren können

Dass dieser selektive Ansatz für eine nachhaltige Lösung nichts taugt, liegt auf der Hand: Denn wenn die globalen Informationsbestände via KI so breit erschlossen werden sollen wie heute via Google, dann muss der Zugang für die Inhaltsanbieter genauso niederschwellig sein wie bei einer Suchmaschine. Das heisst: Papierkram, Lizenzdeals oder andere Bürokratiehindernisse kommen nicht infrage. Die Crawler der Suchmaschinen finden unsere Websites von allein. Alles, was wir tun müssen, ist via robots.txt festzulegen, welche Inhalte sie sich einverleiben dürfen und welche nicht. Genauso simpel muss die Beteiligung bei der künstlichen Intelligenz möglich sein.

Von Gunten verweist für diesen Zweck auf RSL; das Really Simple Licensing:

RSL ist ein offener Standard, mit dem Verlage maschinenlesbare Lizenzbedingungen für ihre Inhalte definieren können, darunter Namensnennung, Bezahlung pro Crawl und Bezahlung pro Inferenz.

Der Standard ist brandneu: Er wurde am 10. September 2025 begründet, verrät Wikipedia. Er wird von RSL Collective getragen, einer gemeinnützigen Organisation, hinter der u. a. Eckart Walther steht. Dieser Mann arbeitete Ende der 1990er-Jahre für Netscape und wirkte an RSS mit: den Webfeeds, mit denen wir noch heute unsere Informationsquellen organisieren und Podcasts abonnieren.

Ohne RSS wäre das Internet ärmer dran.

Das gibt dieser Idee Gewicht: Denn diese Technologie hat viel zum offenen Informationsfluss im Web beigetragen und ist auch heute noch eine Bastion gegen die «Plattformisierung». Dank RSS können unabhängige Podcast-Produzentinnen und -Produzenten ihre Produktionen distribuieren, ohne sich komplett von Spotify oder anderen Streaminganbietern abhängig machen zu müssen.

Zum RSL Collective zählt Doug Leeds als weiteres Internet-Urgestein, der Chef von Ask.com war. Und Reddit, Yahoo und Medium stehen hinter der Initiative.

Lizenzdeals werden vollautomatisch geschlossen

Technisch funktioniert RSL simpel: Die Lizenzbestimmungen werden in der Robots.txt-Datei hinterlegt und geben an, wie ein Unternehmen eine Lizenz erwirbt und unter welchen Bedingungen es sie nutzen darf – wie oben angedeutet, indem es die ursprüngliche Quelle angeben muss (Creative Commons), ein Abonnement nötig ist, pro Crawler-Zugriff eine Entschädigung fällig wird oder wie bei Pro Rata die Verwertung einer Information in einer KI-generierten Antwort kostenpflichtig wird.

Bleibt die Frage: Was halten wir davon?

Ich finde den Ansatz einleuchtend – und zwar nicht nur in Bezug auf die KI. Stellen wir uns vor, es hätte ihn vor zwanzig Jahren gegeben, als viele von uns mit dem Bloggen anfingen. Es ist nicht undenkbar, dass sich neue Formen der Monetarisierung ergeben hätten: durch Lese-Apps, Aggregatoren, Syndizierung, Republishing oder Repackaging (oder einem sonst noch für Schlagwörter auf der Zunge liegen). Und die, die sich noch an Flattr erinnern, malen sich womöglich eine Mikropayment-Lösung aus, bei der zahlungswillige Internetnutzerinnen und -Nutzer den Anbietern vollautomatisch eine Lizenz lösen: sprich, einen Obolus für den Informationskonsum entrichten.

Damit sind wir beim Problem: Solche offenen Lösungen funktionieren prächtig, wenn alle Teilnehmer nach den Spielregeln spielen. Wenn wir aber eines aus den letzten zwanzig Jahren gelernt haben, dann ist es die bittere Lektion, dass das nicht der Fall ist: Die Tech-Giganten können gar nicht anders, als die Regeln während der laufenden Partie zu ihren Gunsten zu ändern.

Fairplay ohne Schiedsrichter?

Werden sich OpenAI, Google, Microsoft, Apple, Meta, Anthropic, Mistral und Konsorten an diese Abmachungen halten? Für die Antwort sollten wir uns daran erinnern, dass sie sich bis jetzt nicht die Mühe gemacht haben, um überhaupt nach einer Erlaubnis zum Training ihrer KIs mit unseren Daten zu fragen. Warum sollten sie es jetzt tun, nachdem ihre Produkte für viele von uns bereits unverzichtbar sind? Und selbst wenn sie sich des lieben Friedens willen darauf einlassen: Wie können wir jemals sicher sein, dass sie zahlen, was sie müssten?

Gist versucht, den Anteil der einzelnen Quellen an der Antwort der KI auszuweisen.

Stellen wir uns vor, dass ich (via Word­press-Plug-in) meine Inhalte für die KI zur Verfügung stelle, aber für die Verwendung pro KI-generierter Antwort bezahlt werden will: Angesichts der oben erwähnten Probleme bei der Attribution ist es ein Klacks, meinen Anteil kleinzurechnen oder zum Verschwinden zu bringen. Denn es glaubt wohl niemand daran, dass es effektive Kontrollmechanismen geben wird. Um bei der Sportmetapher zu bleiben: Wer glaubt, dass ohne Schiedsrichter fair gespielt wird? Doch sollte der Internet-Schiri plötzlich kommen?

Das Tal der Tränen bleibt uns nicht erspart

Fazit: Ich begrüsse RSL und werde es bei Gelegenheit hier im Blog implementieren. Allzu viel erhoffe ich mir nicht. Ich rechne damit, dass ein langes, tiefes Tal der Tränen vor uns liegt und sich eine Lösung erst ergeben wird, wenn die KI-Konzerne das Web so leergesaugt haben, dass ihnen der Nachschub an Trainingsmaterial für ihre Modelle ausgeht. Und falls jemand den Einwand machen sollte, dass kein Unternehmen so verrückt sein kann, sich seine eigene Lebensgrundlage zu entziehen, dann – tja, dann wäre es wohl an der Zeit, auf die fossile Energiewirtschaft, die Fischereiindustrie, die Holzwirtschaft, die Intensivlandwirtschaft oder die Grossbanken zu verweisen …

Beitragsbild: Ein Content Creator wird vom wirtschaftlichen Untergang gerettet – Symbolbild (Inge Wallumrød, Pexels-Lizenz).

#Bloggen #KI #Lesertipp

Ein rot-weisser Militärhelikopter fliegt am Himmel. Eine Person hängt an einem Seil, das zur Rettungsoperation genutzt wird. Wolken im Hintergrund.In der Ansicht mit der «Top-Stories» erscheinen die Themen, zu denen mindestens fünf Beiträge veröffentlicht worden sind.

Wie wir eine KI mit unseren eigenen Informationen füttern

Juhuu, endlich habe ich es geschafft, eine KI mit den Inhalten meines Blogs und meines Artikelarchivs vertraut zu machen. Sie beantwortet Fragen anhand meiner gesammelten Texte:

  • Sie hilft mir auf die Sprünge, wenn ich nicht mehr genau weiss, was ich zu einem bestimmten Thema geschrieben habe.
  • Ich erhalte eine höchst komfortable semantische Suchmethode, bei der ich nicht auf exakte Suchbegriffe angewiesen bin.
  • Und natürlich ist das auch einfach sehr cool!

Ich erkläre gleich, wie mir das gelungen ist – übrigens dank des Tipps von Manuel. Erst aber kurz der Hinweis auf meine beiden Anläufe, die nicht zum Ziel geführt haben:

Das Zauberwort heisst RAG (Retrieval-Augmented Generation)

Die Lösung für diese beiden Probleme ist ein RAG: Die Informationen werden mittels Chunking, Embedding und Indexierung so präpariert, dass das Sprachmodell optimal auf sie zugreifen kann. Manuels Empfehlung für diesen Zweck ist Msty: Eine Software für Windows, Mac und Linux für Sprachmodelle. Die können entweder lokal installiert werden (wie mit LM Studio und GPT4All) oder via API auch aus der Cloud genutzt werden.

Für meinen Versuch verwende ich Mistral Nemo. Das ist mit sieben Gigabyte einigermassen schlank und trotzdem anständig leistungsfähig. Zur Verfügung stehen auch Qwen3, Cogito, Deepseek R1, Llama 3.3, Phi 4 und einige weitere der üblichen Verdächtigen. Für die eigenen Daten klicken wir auf den Knopf Knowledge Stacks (erkennbar am Ordnersymbol) in der Leiste am linken Rand und auf Add new Knowledge Stack. Wir benötigen ein Embedding Model, wobei standardmässig Mixedbread Embed Large vorgeschlagen wird.

Daten exportieren und vektorisieren

Im nächsten Schritt fügen wir die Daten hinzu, die hinterher zur Verfügung stehen sollen. Es stellt sich die Frage, welches Format für meine Zwecke geeignet ist¹ und welche Aufbereitung zum Ziel führt. Meine Blogposts und Artikel stecken jeweils in einer Word­press-Datenbank, was diverse Möglichkeiten eröffnet:

Das Plug-in All Export stellt die gesammelten Artikel und Blogposts für Msty zur Verfügung.

Der Einfachheit halber verwende ich das Word­press-Plug-in All Export. Es liefert mit CSV ein passendes Format, und es erlaubt, alle nötigen Datenfelder auszuwählen. Im Fall meiner Artikel sind das ID, Datum, Permalink, Titel, Excerpt und Content. Man könnte auch Kategorien und eigene Felder übernehmen, aber für einen ersten Test beschränke ich mich aufs Nötigste. Ein nicht unwichtiges Detail besteht darin, dass sich mit All Export solche Vorgänge auch automatisieren lassen. Das ist entscheidend, wenn wir unser RAG regelmässig aktualisieren wollen.

Nach dem Export werden die beiden CSV-Dateien als Knowledge Stack hinzugefügt. Die Aufbereitung dauert ihre Zeit. Ich habe es versäumt, auf die Uhr zu schauen, aber am Macbook Pro M3 dauerte der Vorgang über den Daumen gepeilt eine gute Stunde.

Unsere eigenen Informationen fliessen in einen Knowledge Stack ein.

Es klappt – mit Abstrichen

Nachdem die Vektorisierung erledigt ist, kommt der spannende Moment: Gibt Mistral die richtigen, d.h. auf meinen Texten basierenden Auskünfte? Wichtig ist, in der Leiste am unteren Rand, wo wir das LLM auswählen, via Knowledge Stack-Symbol unseren Datenbestand auszuwählen.

Und siehe da, es klappt: Meine Frage nach Lightroom-Alternativen beantwortet Mistral mit vier Programmen zur Bildverwaltung, die ich bei früheren Gelegenheiten vorgestellt habe. Die Antwort erfolgt zügig, womit wir festhalten können: Ein erstes Etappenziel ist erreicht.

Die Antwort, die Mistral anhand meiner Blogposts erteilt.

Kommen wir zur Detailkritik:

Zitate: Gut gefällt mir, dass unter Citations unterhalb der Antwort die Textstellen aufgeführt sind, auf die sich die Antwort bezieht. Das erlaubt es, auf die Originalquelle zuzugreifen.

Quellenverweise: Die Zitate werden rudimentär aufbereitet. Es wird der Original-HTML-Code angezeigt; manchmal mit, meistens aber ohne Permalink. Für eine Suchmaschine im eigentlichen Sinn wünschen wir uns eine benutzerfreundlichere Ansicht, in der wir nur einen Link anklicken müssen, um den fraglichen Beitrag aufzurufen.

Der Verweis auf eine der verwendeten Quellen.

Antwortqualität: Die Auskunft ist okay, aber nicht überragend: Ich habe alle vier aufgeführten Programme im Kontext von Lightroom erwähnt², würde trotzdem nicht alle als direkte Alternativen empfehlen. Demgegenüber unterschlägt die KI auch mindestens neun RAW-Konverter, die ich im Blog explizit auf ihre Tauglichkeit als Lightroom-Ersatz abgeklopft habe³.

Vor allem dieser zweite Aspekt schmälert den Nutzen: Wir müssen davon ausgehen, dass uns die KI eine unvollständige Antwort liefert, die andere Schwerpunkte setzt, als wir es tun würden.

Das ist (vermutlich) erst der Anfang

Allerdings: Wenn uns das an dieser Stelle überrascht, dann unterliegen wir einem Grundlagenirrtum, was die künstliche Intelligenz angeht: Die hilft uns weiter, wenn wir Zeit sparen und uns einen groben Überblick zu einem Thema verschaffen wollen. Wenn eine Arbeit sorgfältig und in unserem Sinn erledigt werden soll, dann gibt es nur einen richtigen Weg: Wir machen sie selbst.

Fazit: Trotz der Einwände und Bedenken eine nützliche Sache! Ich werde sehen, welches Verbesserungspotenzial in Msty und meinem Knowledge Stack steckt. Gut möglich, dass ein anderes Sprachmodell bessere Resultate liefert und sich die Aufbereitung der Informationen mittels spezieller Instruktionen verbessern lässt. Falls ich spannende Erkenntnisse sammle, lest ihr die demnächst hier auf diesem Kanal!

Fussnoten

1) Msty akzeptiert die Formate PDF, CSV, MD, JSON, JSONL, Epub, Docx, RTF und TXT. ↩

2) Apple Aperture z.B. hier und hier, Picasa hier, Capture One Pro hier und Darktable hier. ↩

3) Luminar 4, Pixelmator, Exposure X4 von Alien Skin, Digi­kam, DxO PhotoLab, ACDSee, Raw Therapee, After Shot von Corel und ON1 Photo RAW, um nur einige zu nennen. ↩

Beitragsbild: Das Huhn heisst natürlich Mistral (Alex P, Pexels-Lizenz).

#CiaoZurCloud #KI #Lesertipp #Linux #LLMs #Wordpress

Die KI ist eine Niete im Webdesign? Von wegen!

Ist es eine gute Idee, sich seine Webseiten von der künstlichen Intelligenz gestalten zu lassen? Nach meinem Test von AI Website Builder von Word­­press letzte Woche war meine Antwort ein klares Nein. Das Resultat ist so generisch und uninspiriert, dass einem nach drei Sekunden Draufschauen das Gesicht einschläft.

Das heisst aber nicht, dass keine KI dieser Aufgabe gewachsen wäre. Auf Linkedin bekam ich von Jens den Tipp, mir lovable.dev anzusehen: Das ist die Web-Anwendung eines Start-ups aus Stockholm, die ebenfalls Prototypen von Websites und Apps erstellt. Aber – und damit nehme ich das Fazit vorweg – dabei tatsächlich auf die Vorgaben eingeht.

Für meinen Test kam die gleiche Beschreibung wie bei Word­press zum Zug: Es handelt sich um eine Beschreibung des Ist-Zustands meines Blogs hier. Im Vergleich mit dem Entwurf der KI lässt sich sofort sagen, wie nahe er dem in Handarbeit entstandenen realen Anschauungsobjekt kommt.

Schon während der Erstellung meines Projekts stiegen meine Hoffnungen: Die Statusmeldung umfasste eine Zusammenfassung, die exakt die wesentlichen Punkte enthielt. Und das Resultat ist ein gebrauchsfertiger Prototyp, der die erste Hauptanforderung erfüllt: Er ist nämlich genauso gegliedert und organisiert wie derzeit mein Blog.

Ein Geniestreich oder doch nur Mittelmass?

Ist auch die zweite Anforderung erfüllt? Die besagt, dass «das Design eine attraktive Mischung aus Seriosität, Verspieltheit, technischem Anspruch und Menschlichkeit» sein und eine hohe Wiedererkennbarkeit aufweisen soll. Zugegeben: Da liegt die Latte hoch, und es spielt viel persönliches Geschmacksempfinden mit hinein. Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass ich selbst keine konkrete Vorstellung einer solchen Gestaltung habe. Doch ich bilde mir ein, dass ich sie erkennen würde, wenn ich sie sehe.

So sieht die Startseite des von der Lovable-KI entworfenen Designs aus.

Mit anderen Worten: Lovable beschert mir keinen Aha-Moment: Das neue Design sieht aus, wie Blogs heute aussehen – zweckmässig, weder besonders frech noch zukunftsweisend oder gestalterisch herausragend. Doch bekanntlich dürfen von der künstlichen Intelligenz keine Geniestreiche erwarten. Sie beherrscht die Reproduktion bekannter Muster. Für das Aussergewöhnliche, das Neue und Überragende bleiben wir Menschen zuständig.

Mit diesem Gedanken im Hinterkopf dürfen wir dieses Experiment als gelungen betrachten: Wenn wir eine klare Vorstellung von unserem Projekt haben, erstellt uns diese Software einen Prototyp, den wir für Verfeinerungen und Anpassungen nutzen.

Das ist die Artikelseite des Blog-Designs: Alle gewünschten Widgets am rechten Rand sind vorhanden.

Meinen Testlauf durfte ich gratis abhalten. Als Gratisnutzer bekommen wir fünf Credits für Experimente und müssen damit leben, dass unsere Projekte öffentlich sind. Die Pro-Variante für 25 US-Dollar pro Monat gibt uns 100 Credits pro Monat und die Möglichkeit, unsere Projekte auf Privat zu stellen. Die Teamvariante von Lovable ist für 30 US-Dollar pro Monat zu haben.

Und wie kommt der Entwurf ins Netz?

Die Techies unter uns werden sich fragen, in welcher Form Lovable unseren Prototyp generiert und uns zur Verfügung stellt – konkret, ob wir ihn nur ansehen oder auch herunterladen können. Diesbezüglich gibt es eine schlechte und eine gute Nachricht.

Erst die schlechte: Mein Wunsch nach einem Word­press-Theme wurde nicht erhört. Die KI liefert den Prototyp auf Basis ihrer eigenen Technologie und nicht in der Form, die für uns ideal wäre. Was das heisst, erkläre ich gleich.

Erst aber die gute Nachricht: Wir kommen an alle Daten heran: Direkt in Lovable lassen wir uns den Code anzeigen. Für die Arbeit damit ist eine Synchronisation mit Github sinnvoll. Mit ihr wird das Projekt (in beiden Richtungen) abgeglichen und lässt sich mittels KI verfeinern und ebenso auf die herkömmliche Art und Weise bearbeiten. Via Github lässt sich das Repository herunterladen. Ich habe es spasseshalber auf meinen Webserver verfrachtet, wo es jedoch nicht zum Leben erwachte. Wie die Readme-Datei erklärt, werden Vite, TypeScript, React, shadcn-ui und Tailwind CSS benötigt. Und um produktiv loszulegen, wäre auch ein Backend sinnvoll.

Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?

Damit gelangen wir zurück bei der Frage, was gewesen wäre, wenn mir dieses Design so gut gefallen hätte, dass ich es unbedingt hätte verwenden wollen? Hätte ich es mühselig von Hand für WordPress nachbauen müssen?

Ich bin, offen gesagt, froh, dass ich nicht das Bedürfnis habe, diesen Weg zu beschreiten. Er existiert zwar, ist aber lang und steinig:

Kurz zusammengefasst: Wir können unser Lovable-Projekt mit einer bestehenden Website verheiraten. Die Methode dazu heisst Headless Word­press: Das ist eine Betriebsart, bei der das angestammte CMS nur zur Pflege der Inhalte zuständig ist. Die Darstellung der Inhalte wird entkoppelt und erfolgt über die von Lovable genutzten Technologien wie React und Co. Die Übermittlung der Inhalte vom Backend zum Frontend passiert über eine Schnittstelle wie REST oder GraphQL.

Toll, dass das möglich ist! Meine Empfehlung wäre gleichwohl, die KI für einen Entwurf zu nutzen und einen Webentwickler zu beauftragen, ihn in der gewünschten Umgebung umzusetzen. Und was mich angeht: Für mein Hobbyprojekt hier ist mir Headless Word­­press definitiv zu überambitioniert.

Beitragsbild: Ein Loser ist Lovable jedenfalls nicht (Vika_Glitter, Pixabay-Lizenz).

#KI #Lesertipp #Publisher

Wie weit kämen wir mit Software nur aus der Schweiz?

Seit die USA sich selbstsüchtig und aggressiv gegenüber der restlichen Welt gebärden, müssen wir uns hierzulande ein paar Gedanken mehr machen, bevor wir Produkte aus Übersee benutzen. Ein genereller Bann ist nicht angebracht, und er wäre nicht praktikabel. Aber es ist sinnvoll, die Alternativen zu kennen und ihnen bei der Evaluation einen Startvorteil einzuräumen. Die Zeiten, in denen Microsoft, Google, Apple und OpenAI gesetzt waren, sind vorbei.

Aber wie finden wir die Alternativen? Eine Möglichkeit eröffnet die Datenbank auf goeuropean.org. Als ich die neulich in der «Sonntagszeitung» vorgestellte, erhielt ich von einem Leser den Tipp, mir swissmadesoftware.org anzusehen: «Digitale Souveränität ist bei Swiss Made Software mehr als nur eine politische Forderung, sie ist gelebte Realität», heisst es dort. 1300 Unternehmen sind mit ihren Produkten vertreten.

Das App-Angebot ist überaus dünn

So gut die Idee, so wenig überzeugt mich die Umsetzung – zumindest, wenn ich im direkten Vergleich mit der «Go European»-Initiative und aus Sicht eines Privatanwenders urteile. Das liegt natürlich daran, dass die allermeisten der hier vorgestellten Produkte Geschäftslösungen sind. In der Kategorie Apps gibt es gerade einmal zwölf Einträge. Die meisten stammen von Unternehmen, die Apps entwickeln; es gibt auch eine App zum Tiermonitoring, für die Aufwandserfassung und, immerhin, fürs Übersetzen von Schweizer Dialekten ins Hochdeutsch. Der einzige Vertreter mit Breitenwirkung ist Threema.

Natürlich ist der Fokus auf die Geschäftsanwender legitim. Allerdings lässt sich so die Behauptung auf der Startseite, digitale Souveränität sei «gelebte Realität», nicht aufrechterhalten:  Niemand von uns verwendet Tech-Produkte rein beruflich. Für echte Unabhängigkeit muss auch der private Bereich abgedeckt werden.

Und klar, wir sind ein kleines Land. Es wäre vermessen zu erwarten, dass innerhalb unserer Grenzen Ausweichlösungen zu den Mainstream-Produkten der globalen Tech-Konzerne hergestellt werden. Fairerweise ist zu ergänzen, dass auf der Website das niemand behauptet – die hohe Latte habe ich angesetzt. (Aber man wird sowas in seinem Blog wohl noch tun dürfen!)

Alle Einträge bei «Apps».

Ein paar Produkte gäbe es allerdings schon. Doch die tauchen im Katalog nicht auf. Deren Hersteller haben sich vermutlich nicht um das «Swiss Made Software»-Label bemüht.

Dieser Ansatz greift zu kurz

Für mich greift diese Label-Idee zu kurz. Wenn ich bei den Bedingungen nachsehe, dann lese ich, dass der «Schweizer Wertanteil an den Herstellungskosten mindestens 60 Prozent» betragen muss. Das Unternehmen muss seinen Sitz in der Schweiz haben, plus weitere Bedingungen. Und es kostet auch eine Kleinigkeit. Das heisst für uns Nutzerinnen und Nutzer, dass wir hier keine Produkte von Start-ups auffinden werden, die zwar grandiose Ideen, aber nicht das Kleingeld für ein fancy Label haben. Oder die keinen Sinn darin sehen, sich damit zu schmücken. Proton, mit seinen Mail-, Office- und VPN-Angeboten nicht gerade unwichtig, ist z.B. nicht vertreten.

Wir kommen leider zum Schluss, dass swissmadesoftware.org vom falschen Ende her gedacht ist: Die Initiative ist ein Schaufenster für Unternehmen, die ihre Verbundenheit mit der Schweiz demonstrieren möchten. Aber sie ist nur von kleiner Nützlichkeit für Leute, die sich bei ihrem Softwaregebrauch unabhängiger aufstellen wollen oder müssen. Die kommen kaum darum herum, sich nicht nur in der Schweiz, sondern in ganz Europa umzusehen. Somit sind sie mit goeuropean.org besser bedient.

Damit dieser Blogpost nicht völlig antiklimaktisch endet, hier der Verweis auf die Rubrik Schweizer Alternativen zu ausländischen Marktführern: Hier bekommen wir einen Eindruck davon, wo die Schweiz überhaupt solche Alternativen anzubieten hat.

Und noch ein Hinweis: Im OSS Directory gibt es eine Übersicht von freier Software (Open-Source) und deren Anbieter. Auch Nachrichten, Kunden, Hintergrundberichte, Events und Jobangebote sind hier vorzufinden.

Beitragsbild: Diese Auswahl ist grösser. (Die Viefalt nicht unbedingt.) (Paul Felberbauer, Unsplash-Lizenz).

#Lesertipp

Das Gegenteil von True Crime

Diesen Podcast wollte ich euch schon vor zwei Jahren vorstellen. Damals lief die erste Staffel und vor allem von der Folge Norman und sein Mobber war ich beeindruckt. Doch irgendwie hat er es nicht von meiner Themenliste ins Blog geschafft. Ich neige dazu, meiner Notiz-App die Schuld zu geben. Manchmal scheint Simplenote nicht richtig zu synchronisieren. Eine Person mit laienpsychologischen Ambitionen dürfte eine andere Vermutung haben: Selbstsabotage. Denn es geht um Leute, die vor einer potenziell lebensverändernden Konfrontation zurückschrecken. Ein Thema, bei dem ich mich zu den persönlich Betroffenen zähle.

Nun, ich muss nicht überlegen, ob ich mich als Kandidat bei Lea Utz melden soll. Ich bekam meine Konfrontation ohne ihre Hilfe auf die Reihe. Dieses Ereignis liegt mehr als zwanzig Jahre zurück. Bei ihm war kein Telefonanruf im Spiel, und es hatte ein Happy End. Trotzdem ist es nicht zu leugnen, dass die präsentierten Schicksale nicht einfach Unterhaltung sind, sondern mich tiefer berühren als die meisten der Produktionen, die hier sonst besprochen werden.

Es menschelt – auf die gute Art

Ursprünglich vom Bayerischen Rundfunk, heute in der ARD-Mediathek zu hören.

Also, um die Laienpsychologen Lüge zu strafen, folgt hier eine mehr als verdiente Würdigung. Telephobia (RSS, iTunes, Spotify) ist ein Podcast, in dem es kaum mehr menscheln könnte. Doch das tut es auf eine maximal nahbare Weise – und auf diametral andere Weise als die Zeitschriften, die bei meiner Grossmutter adoptivväterlicherseits herumlagen, wo schon in Vor-Clickbaiting-Zeiten persönliche Schicksale für mediale Aufmerksamkeit ausgebeutet wurden.

Besagte Lea Utz bietet an, Menschen bei dieser Konfrontation zu begleiten: Sie hilft, diesen Anruf zu tätigen, vor dem sie sich so lange gedrückt haben. Sie tut das mit einer unschlagbaren Mischung aus Einfühlsamkeit, Nachdruck und Ermutigung, dass der Zeitungsmensch in mir nicht um die Feststellung herumkommt, dass diese Rolle als Wingwoman der bekannten Standesregel von Hanns Joachim Friedrichs widerspricht, dass ein guter Journalist sich mit keiner Sache gemein macht, auch nicht mit einer guten.

Allerdings stehen Podcasts seit jeher im Verdacht, nicht nach rein journalistischen Prinzipien zu funktionieren. Die Stimme vermittelt nie nur Fakten aus professioneller Distanz, sondern ist auch Erzählerin einer Geschichte, in der sie selbst eine Rolle spielt – und wenn es nur die der Rechercheurin ist. Wir haben es mit einer Form des New Journalism zu tun, und der ist oft so gut, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass sich Hanns Joachim Friedrichs ihm vollständig hätte entziehen können.

Ohne Kitsch und Gefühlsduselei

In der ersten Folge der ersten Staffel steht Lea Utz Norman zur Seite. Er wurde in der Grundschule von seinen Mitschülern geplagt und schafft es, dank der Rückendeckung den Rädelsführer zur Rede zu stellen. In einer anderen Folge möchte Erika ihre alte Freundin Dori wiederfinden. Sarah hat Angst vor einer Diagnose und Susi möchte ihre Notenblätter zurück – was zeigt, wie unterschiedlich diese Dinge sein können, die uns nicht loslassen. In der zweiten Staffel hat mich die Folge Judith und der rätselhafte Pirat am meisten beeindruckt: In der ruft Judith den Freund ihres früh verstorbenen Vaters an, um mehr über ihn zu erfahren. In der entfaltet sich Lea Utz’ Talent zur vollen Grösse, auf die Herzen der Hörerschaft abzuzielen, ohne in Kitsch und Gefühlsduselei abzugleiten.

Der dritten Staffel merken wir die Wirkung an, die die ersten beiden entfalten konnten: Ich wette darauf, dass sich viele Leute gemeldet haben und Lea und ihr Team inzwischen mehr Fälle zu Auswahl haben. Das eraubt es ihnen, die Bandbreite zu erweitern – von Annett, die aus der DDR flieht über Mario, der Kontakt zu seinem Vater aufnehmen möchte bis hin zu Joschka, der den Geistern aus seiner Primarschulzeit auf die Spur kommen will. Es bleibt aber dabei, dass jeder Fall ein Wagnis bleibt, bei dem am Anfang der Recherche nicht sicher ist, wie er enden wird – eindrücklich zu spüren auch bei Wolfram, der seiner ehemaligen Freundin nachspürt, mit der er in der Jugend die Revolution geprobt hat. Nebenbei für mich als KI-Mensch auch ein interessantes Beispiel zum Einsatz von KI zur Verfremdung von Stimmen. Es könnte sein, dass ich demnächst mal über die ethischen Aspekte bloggen muss.

Es kommt gut

Fazit: Merci, dass Eva mich an diesen Podcast erinnert hat. «Telephobia» ist die Antithese zum True Crime. Es geht zwar auch hier oft um halbwegs oder fast vollständig Verschüttetes. Die Ausgrabungen finden aber nicht für Gesellschaft und Justitia statt, sondern dem privaten Seelenfrieden zuliebe. Der entscheidende Unterschied ist aber folgender: Hier können die Dinge fast immer eingerenkt werden.

Beitragsbild: Der Feind in meinem Wohnzimmer (Pixabay, Pexels-Lizenz).

#Lesertipp

Das Halbtax Plus-Ticket der SBB richtet sich an die Gelegenheits-Pendlerinnen und -Pendler. Konkret ist es sinnvoll für Leute, die nur in Teilzeit beschäftigt sind oder mindestens ein, zwei Homeoffice-Tage pro Woche einschieben – die Details beschreibe ich hier.

Es sei «vorab schwer abzuschätzen, ob es sich wirklich lohnt», erkläre ich in diesem Beitrag. Denn lohnen tut es sich, wenn wir weniger fahren, als es für ein Strecken- bzw. Jahresabo nötig wäre, aber mindestens so viel unterwegs sind, dass wir das einbezahlte Guthaben auch wirklich aufbrauchen und in den Bonusbereich vorstossen.

Auf Twitter hat mir Dorothea Baur zum Abo und zu meiner Behauptung eine aufschlussreiche Rückmeldung zukommen lassen:

Ich bin happy mit dem Halbtax Plus 1000 (naja, seit es in der SBB als default Zahlungsmittel erfasst ist). Ob es sich lohnt, habe ich anhand meiner Fahrtkosten der letzten Jahre berechnet – bei der SBB kann man sich ja sehr einfach eine Übersicht darüber besorgen.

— Dorothea Baur (Dr.) (also on bsky) (@DorotheaBaur) June 5, 2024

Diese Übersicht kannte ich nicht – und da ich vermute, dass es vielen von euch auch so geht, ist sie mir einen eigenen Blogpost wert. Sie ist nicht nur für den Entscheid pro oder kontra Halbtax Plus nützlich, sondern je nachdem auch für die Steuererklärung oder für die Planung des Familienbudgets.

Zukünftige und vergangene Bestellungen

Früher musste man dafür seine Kartonbillette ins Album einkleben.

Also, die sogenannte Kaufübersicht ist nur über die Website zugänglich, nicht über die App¹. Sie findet sich nach dem Einloggen via Swisspass im Profil bei Bestellungen oder direkt unter diesem Link. Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass hier nur die bereits gekauften, aber bislang nicht verfahrenen Billetts auftauchen. Das liegt daran, dass bei Zeitraum wählen standardmässig nächste 90 Tage eingestellt ist. Hier kann auch eine Zeitdauer in der Vergangenheit gewählt werden: von einer Woche bis zu einem Jahr.

Auch eine individuelle Dauer ist möglich. Ich habe versucht, hier eine Periode einzustellen, die weiter zurückreicht, als ein Jahr. Aber das scheint nicht zu funktionieren.

Die Billette lassen sich einzeln oder insgesamt auswählen und via Schaltfläche PDF exportieren als Liste herunterladen. Diese Übersicht enthält dann auch eine Summe. In meinem Fall verrät die, dass ich in den letzten zwölf Monaten für 845 Franken Zug gefahren und damit der optimale Kandidat fürs Halbtax Plus bin.

Fazit: Gut zu wissen! Weitere Erläuterungen zur Kaufübersicht gibt es bei den SBB.

Der Rollkoffer, ein Fortschritt?

Und um uns in Erinnerung zu rufen, wie schnell sich auch der öffentliche Verkehr wandelt, hier dieses schöne Video aus dem SRF-Archiv über Berufe, die es nicht mehr gibt – Gepäckträger bei den SBB von 1972.

Fussnoten

1) Es gibt in der App eine Übersicht der letzten Billette, aber die reicht kein Jahr zurück. Um sie zu öffnen, tippen wir im Menüband unten auf Billette & Abos und schalten dann oben um von Gültig auf Abgelaufen. Bei mir tauchen hier die letzten fünf Tickets auf. ↩

Beitragsbild: Fürs Trainspotting brauchts kein Billett – Bahnsteigkarten waren in der Schweiz unüblich (csr_ch, Pixabay-Lizenz).

https://blog.clickomania.ch/2024/07/03/sbb-kaufuebersicht/

#Lesertipp #Reisen

Matthias SchüsslerMrClicko
2024-07-03

Eine Übersicht aller Billettkäufe bei den SBB
Prak­tisch, aber weit­ge­hend un­be­kannt: Die Mög­lich­keit, sich unter sbb.ch die ge­kauf­ten Tickets des letz­ten Jah­res an­zei­gen und auf­sum­mie­ren zu lassen.
blog.clickomania.ch/2024/07/03

Matthias SchüsslerMrClicko
2024-07-02

Sorry, irgendwie war der zu früh. Kommt im Lauf der Woche!

Matthias SchüsslerMrClicko
2024-07-02

Eine Übersicht aller Billettkäufe bei den SBB
Prak­tisch, aber weit­ge­hend un­be­kannt: Die Mög­lich­keit, sich unter sbb.ch die ge­kauf­ten Tickets des letz­ten Jah­res an­zei­gen und auf­sum­mie­ren zu lassen.
blog.clickomania.ch/?p=30391

Neulich habe ich Tipps dargeboten, wie wir das iPhone oder iPad effizient mit einer externen Tastatur verwenden. Markus hat daraufhin gefragt, wie die Sache mit Android aussehe. Und weil ich das nicht wusste, bin ich dieser Sache nachgegangen. Zu diesem Zweck habe ich meine Logitech MX Keys Plus mit dem Pixel 8 Pro von Google zusammengeschirrt.

Wie zu erwarten war, funktioniert das reibungslos: Beim Telefon betätigen wir in den Einstellungen bei Verbundene Geräte den Befehl Neues Gerät koppeln. An der Logi-Tastatur drücken wir eine der drei Verbindungstasten so lange, bis die LED schnell zu blinken beginnt. Dann muss an der Tastatur der Code eingetippt werden, den das Handy anzeigt. Das wars dann schon.

Nach der Koppelung lässt sich über die Tastatur Text eintippen. Es ist auch möglich, das Telefon per Keyboard zu steuern: Durch Drücken einer beliebigen Taste wird das Telefon aufgeweckt.

1) Das Telefon entsperren und navigieren

Mittels Pfeiltasten auf dem Homescreen Apps auswählen – Threema würde durch Drücken von «Enter» gestartet.

Falls das Gerät für die Gesichtserkennung eingerichtet ist und der Kopf des Besitzers oder der Besitzerin in Sichtweite der Kamera liegt, wird es sogleich entsperrt. Allerdings bleibt der Sperrbildschirm aktiv.

Um den zu beseitigen, machen wir uns mit der Tastatursteuerung vertraut: Mit den Pfeiltasten (, , , ) wählen wir die Elemente der Benutzerschnittstelle aus. Welches Objekt selektiert ist, erkennen wir an einer hellen Fläche, die ihm hinterlegt wird. Auf diese Weise wählen wir den Entsperrknopf aus und betätigen in mittels Enter-Taste, woraufhin der Homescreen oder die zuletzt verwendete App erscheint.

In meinem Fall muss ich dafür drei Tasten drücken, nämlich , und Enter. Das ist nicht sehr aufwendig, aber ich fände es dennoch besser, wenn der Entsperrknopf vorausgewählt wäre.

2) Apps wechseln und zum Homescreen zurückkehren

Die Bedienung des Homescreens per Tasten erschliesst sich sofort: Wir navigieren wiederum per Befehlstasten durch den Homescreen und Apps und lösen den markierten Befehl per Enter-Taste aus. Und erfreulich, dass Android auch das etablierte Tastaturkürzel zum App-Wechsel unterstützt: Mit Alt Tabulatur öffnen wir den App-Switcher und wechseln zu der gewünschten App.

Um auf den Homescreen zurückzukehren, betätigen wir die Tastenkombination Opt h. (Die Opt-Taste entspricht auf meiner Logitech-Tastatur dem Windows-Knopf; bei Verwendung mit einem Mac wäre das die Wahl– oder Weichen-Taste.)

Falls Objekte über die Pfeiltasten nicht zugänglich sind, lohnt sich ein Versuch mit Tabulatur:  Diese Taste aktiviert z.B. im Chrome-Browser Elemente einer Website. Und um uns rückwärts zu bewegen, verwenden wir Umschalttaste Tabulator.

3) Apps per Tastaturkürzel aktivieren

Es gibt einige nützliche Tastaturkürzel, die die Bedienung erleichtern:

  • Opt a aktiviert den Google Assistant.
  • Opt k startet den Kalender.
  • Opt l sperrt das Gerät.
  • Opt s holt Google Messages (SMS) zum Vorschein.
  • Opt e: E-Mail bzw. Gmail
  • Opt y: Natürlich Youtube
  • Opt c: Kontakte
  • Opt b: Browser (Chrome)
  • Opt n: Kontrollzentrum
  • Opt m: Maps
  • Opt i: Einstellungen
  • Opt u: Rechner

Die Alt-Taste (Cmd oder Blumenkohl bei der Mac-Belegung) bringt bei Eingabefeldern die virtuelle Tastatur zum Vorschein, über die sich z.B. Emojis auswählen lassen. Und auch erwähnenswert: Einige der Multimedia-Tasten der Logitech-Tastatur funktionieren, insbesondere Lauter und Leiser sowie der Screenshot-Knopf.

4) Surfen und Apps steuern

In vielen Apps gibt es App-spezifische Kürzel. Die werden jeweils über die Control-Taste (Ctrl) aufgerufen. Als Beispiel sei hier der Chrome-Browser genannt, in dem u.a. folgende Funktionen zugänglich sind:

  • Ctrl l: Adressfeld für URL-Eingaben
  • Ctrl h: Verlauf
  • Ctrl f: Suchen
  • Ctrl w: aktuellen Reiter schliessen
  • Ctrl t: neuen Reiter öffnen
  • Ctrl p: Drucken (!!!) und PDF-Export

Fazit: Die Steuerung eines Android-Telefons per Tastatur funktioniert ordentlich. Falls das Telefon auf einem Ständer auf dem Schreibtisch steht, können wir bei der Arbeit am Computer schnell etwas nachsehen oder eine Messenger-Nachricht beantworten – und zwar, ohne die Hände von der Tastatur zu nehmen.

Gelegentlich landen wir auch in Sackgassen

Es ist jedoch nicht zu übersehen, dass das Betriebssystem in diesem Bedienmodus Schwächen aufweist: Bei meinem Test funktionierte die Escape-Taste nicht immer, wie erwartet. Beispiel Chrome: Dort lässt sich eine Seite wie oben erwähnt mittels Ctrl f durchsuchen. Doch aus diesem Suchmodus kommen wir mittels Escape nicht mehr heraus – und mir ist nicht klargeworden, wie das sonst zu bewerkstelligen wäre.

Es kann auch passieren, dass wir uns in eine Sackgasse manövrieren, aus der wir nur per Touch-Steuerung wieder herausfinden: In meiner Notiz-App Simplenote beispielsweise lässt sich der Vorschaumodus per Tastatur aktivieren, aber nicht mehr beenden.

Welche Tastaturkürzel wir zur Verfügung haben, ist im Benutzer-Interface nirgends ersichtlich: Das müssen wir mühsam herausfinden. Und falls wir die Kombination wieder vergessen, ist der Geschwindigkeits- und Komfortgewinn, der die externe Tastatur bieten könnte, sowieso dahin.

 

https://blog.clickomania.ch/2024/05/14/tipps-fuer-die-bluetooth-tastatur-an-android-smartphones/

#Lesertipp

Matthias SchüsslerMrClicko
2024-05-14

Wie gut (oder schlecht) Android mit Bluetooth-Tastaturen harmoniert
Wie weit kommen wir beim Versuch, unser Android-Telefon allein über ein ex­ter­nes Key­board zu steuern? Ein aus­führ­licher Test zeigt Stärken und Schwächen von Goog­les Betriebs­system.
blog.clickomania.ch/2024/05/14

Wieder eines dieser parapsychologischen Programme: Photo AI von Topaz verspricht, wir Nutzerinnen und Nutzer könnten auf «magische Weise» sowohl Bildqualität als auch Auflösung von Fotos verbessern. Der Schlüssel dazu ist, natürlich, die künstliche Intelligenz. Sie verschafft dem Programm, so behauptet es der Hersteller, ein «tiefen Verständnis vom Inhalt der Bilder».

Als Harry-Potter-Kenner lasse ich mich von angeblicher Hexerei nicht beeindrucken. Aber dass eine KI hilfreich bei der automatischen Bildkorrektur nützlich sein könnte, das kann ich mir gut vorstellen: Denn es macht einen Unterschied, ob ein Algorithmus dumpf anhand der Gradationskurve und anderer Bildparameter agiert oder ob die Korrekturen auf die abgebildete Szene angepasst werden können.

Aber natürlich machen wir am besten die Probe aufs Exempel.

1) Die Entwackelung

Als Erstes setze ich Topaz Photo AI jenes Foto vor, das ich für meinen Test der Unblur-Funktion des Google Pixel 8  benutzt habe.

Im direkten Vergleich liefert Google ein besseres Resultat. Google schafft es, die Verwackelung zumindest im Gesicht der beiden Frauen fast vollständig zum Verschwinden zu bringen. Bei Topaz ist sie zumindest bei der Frau links noch deutlich sichtbar.

Die Beseitigung der Bewegungsunschärfe gelingt Topaz Photo AI nicht so gut wie Google.

Gut gefällt an der Software von Topaz die Möglichkeit die Steuerungsmöglichkeiten. Zwar nimmt die Photo AI die Korrekturen automatisch vor. Doch wir können die Modifikationen steuern und anpassen. Die Arbeitsschritte sind am rechten Rand ersichtlich. Beim Anklicken erscheinen pro Modul einige Parameter:

  • Beim Entrauschen (Remove Noise) können wir aus drei Stärkestufen auswählen und über die Regler Strength, Minor Deblur und Original Detail Einfluss nehmen.
  • Bei der Option zur Wiederherstellung der Gesichter (Recover Faces), die in diesem Fall entscheidend fürs Ergebnis ist, stellen wir über den Schieberegler Strength die Stärke ein. Im Bereich Selection dürfen wir die Gesichter auswählen, die behandelt werden sollen.

Via Add Enhancement lassen sich manuell weitere Verbesserungsmodule dazuschalten. Zur Auswahl stehen:

  • Entrauschen (Remove Noise)
  • Schärfen (Sharpen)
  • Belichtungskorrektur (Adjust Lightning)
  • Farbkorrektur (Balance Color)
  • Generatives Retuschieren (Remove)
  • Text erhalten (Preserve Text)
  • Upscale (Hochrechnen)
Zum Vergleich: Das holt die «Unblur»-Funktion von Google aus dem gleichen Bild heraus.

2) Farb- und Belichtungskorrektur

Einen zweiten Testlauf nehme ich mit einer Nachtaufnahme vor. Ich füge manuell Korrekturen für Farbe und die Belichtung hinzu. Das Resultat mit Standard-Einstellungen gefällt mir gut. Die Software eliminiert den extremen Rotstich und bringt auch den Lichtkegel eines Autos in dieser Langzeitbelichtung schön zur Geltung.

Bei dieser nächtlichen Langzeitbelichtung erzielt Topaz Photo AI beträchtliche Verbesserungen.

3) Farbstimmung

Im dritten Beispiel geht es um eine Gegenlichtaufnahme, in der es darum geht, die Abendstimmung zu verstärken. Dazu soll der Hintergrund etwas dunkler werden, aber, ohne dass die Person im Vordergrund in der Dämmerung versinkt. Das lässt sich nur erzielen, indem Subjekt und Hintergrund getrennt behandelt werden.

Das ist mit Topaz Photo AI unkompliziert möglich: Im Modul Adjust Lighting schalten wir auf die Rubrik Selection um. Dann haben wir bei Auto Mask die Möglichkeit, den Hintergrund auszuwählen (Background). Nebenbei bemerkt: Als weitere automatische Auswahlbereiche stehen auch Sujet (Subject), Portrait, Landsape, Sky und None zur Auswahl.

Photo AI erzielt bei dieser Gegenlichtaufnahme eine Verbesserung, doch das Resultat ist längst nicht perfekt.

Das erspart es uns, die Hauptperson von Hand zu maskieren. Die automatische Freistellung überzeugt mich aber nicht. Um die Person entsteht eine unschöne weisse Kante.

Die Person im Vordergrund wird automatisch freigestellt; aber der weisse Saum ist störend.

Ausserdem ist es unbefriedigend, nur den Hintergrund abzudunkeln, ohne Person im Vordergrund nicht auch anzupassen. Es gibt zwar die Möglichkeit, bei Topaz Photo AI das Modul Adjust Lighting zweimal zu platzieren und bei Auto Mask in der einen Instanz Background und in der anderen Subject auszuwählen. Da unter Controls aber nur die Stärke der automatischen Korrektur reguliert werden kann, bringt das letztlich nichts.

Dieses Resultat überzeugt nicht. Aber ich erlaube mir einen Vergleich mit der Arbeit von Photolemur. Diese Software hat vor sechs Jahren das genau gleiche Versprechen gemacht; nämlich eine vollautomatische Bildkorrektur.  Photolemur hat mich damals nicht überzeugt. Im Vergleich stellt Topaz Photo AI ein deutlicher Schritt nach dar. Wenn wir nochmals sechs Jahre warten – wer weiss, vielleicht sind diese Autopiloten dann perfekt.

Für die Software legen wir 199 US-Dollar hin. Das finde ich zu teuer. Ich fände einen Preis unter hundert Dollar angemessen.

Übrigens, noch ein Dankeschön für den Tippgeber: Rolf, der Topaz als Kommentar zu meinen Tipps zur Foto-Entwackelung genannt hat.

Beitragsbild: Statt uns mit Foto-Rettungsversuche abzumühen, können wir auch einfach behaupten, das müsse so sein (Alex Gruber, Unsplash-Lizenz).

https://blog.clickomania.ch/2024/05/06/topaz-photo-ai-review/

#KI #Lesertipp

Matthias SchüsslerMrClicko
2024-05-06

Bei der Bildbearbeitung bekommt die KI eine Vier
Photo AI von Topaz will Fotos auf «ma­gi­sche Weise» per­fek­tio­nieren. Ich habe getestet, ob sie wirk­lich der Harry Pot­ter unter den Bild­bear­bei­tungen ist – oder doch eher der Gil­de­roy Lock­hart.
blog.clickomania.ch/2024/05/06

Neulich hat mir Sven geschrieben und gesagt, ich müsse mir unbedingt turfgame.com ansehen: Er hat auf meinen Beitrag zu Strut Bezug genommen. Das ist eine Outdoor-App, die den Entdeckergeist wecken will.

«Turf» seinerseits ist ein Multiplayer-Spiel, mit dem wir virtuelle Revierkämpfe ausfechten. Wir sammeln Punkte, indem wir Zonen einnehmen und gegen andere Spieler verteidigen. Das tun wir mittels App für iPhone und für Android.

«Turf» wird in Runden gespielt, so verrät es Wikipedia. Eine Runde dauert ungefähr einen Monat, was für mich impliziert, dass das ein Spiel für geduldige Personen ist. Nach einem Monat werden Punkte und die Besitzverhältnisse zurückgesetzt, sodass die Schlacht von Neuem losgeht – nur die Punktzahl dürfen Spielerinnen und Spieler behalten, damit vergangene Ruhmestaten nicht komplett der Vergessenheit anheimfallen.

Die Schweden kommen! (Vielleicht.)

An dieser Stelle kann ich leider kein wirkliches Fazit zu der App abliefern: Ich habe mich die App installiert und mich angemeldet, aber bisher nicht viel bewegen können. In meiner Umgebung gibt es nur wenige Zonen und nur eine Handvoll Spielerinnen und Spieler. Denn wie wir auf der Karte sehen können, ist das Spiel in Grossbritannien, Norwegen, Dänemark, Finnland und seinem Heimatland Schweden populär. Ausserdem hat es sich im Norden Deutschlands breitgemacht, aber in der Schweiz sind die Punkte der Zonen dünn gesät. Hier in Winterthur sehe ich über die Stadt verteilt etwa ein Dutzend. Ich könnte auf die Idee kommen, einige neue Zonen anzulegen – dafür ist jedoch, wie der Beitrag aus dem Wiki erläutert, jedoch Handarbeit nötig.

Sieben Zonen in Winterthur, zweitausend in Berlin

Darum ist dieser Blogpost hier vor allem der Versuch, ein paar Mitspielerinnen und Mitspieler in der Umgebung zu gewinnen. Ich kann nicht versprechen, selbst zu einer treibenden Kraft zu werden – aber wenn ich den eingangs erwähnten Sven zitieren darf, dann hat das «Turf» das Potenzial, zu einem Spass für die ganze Familie zu werden. Er schreibt:

In Berlin gibt es aktuell etwa dreissig dieser Denkmal-Zonen. Insgesamt hat Berlin aber über zweitausend Zonen. So konnten mein Sohn (vor Kurzem elf geworden) und ich Berlin auf kennenlernen. Super spannend, denn es gibt immer wieder neue Zonen. Heute waren wir z.B.: in Hannover (Niedersachsen) und haben einige Zonen besucht. Wir arbeiten gerade an der Germany-Explorer-Medal. Dafür müssen in jedem Bundesland mindestens eine Zone besucht werden.

Wir sehen also, dass das Spiel auch den Ehrgeiz anstacheln und zu einem intensiven Hobby ausarten kann. Falls das bei euch passiert, lehne ich jede Verantwortung dafür ab!

Für die ehemaligen Mafiosi unter euch

Und klar, die Idee hinter «Turf» erinnert an Foursquare/Swarm: Bei dieser App können (konnten) wir uns in Restaurants, öffentliche Gebäude und andere Versammlungsorte virtuell einbuchen, die die Bürgermeisterschaft erringen und Badges sowie Punkte sammeln.

2010 waren diese Geospiele, auch mixed reality games genannt, total im Aufschwung. «Turf» stammt aus dieser Zeit; das Spiel wurde im Juli 2010 von den zwei schwedischen Entwicklern Andreas Pantesjö und Simon Sikström lanciert. Was mich angeht, war ich anfangs der Zehnerjahre intensiver Foursquare-Nutzer und ein Fan von «Gbanga Famiglia» und Ingress. Auch der Megahype von 2016, Pokémon Go, kann man in diese Kategorie zählen. Eine unaufgeregte Variante ist übrigens Munzee. Auf Dauer hat mich die nicht so gepackt, aber mit kleineren Kindern funktioniert sie gut. Und klar, Geocaching ist nach wie vor eine Möglichkeit, sich draussen mithilfe des Handys zu vergnügen.

PS: Der Titel ist natürlich eine Anspielung an First We Take Manhattan.

Beitragsbild: Er ist kurz davor, die nächste Zone zu erobern (Kamaji Ogino, Pexels-Lizenz).

https://blog.clickomania.ch/2024/02/28/turfgame-review/

#Karten #Lesertipp

Matthias SchüsslerMrClicko
2024-02-28

Erst nehmen wir Stockholm, dann Berlin
Es hat das Poten­zial zu einem Out­door-Spiel für die ganze Familie – und wo­mög­lich artet es aus: Das «Turf­game» schafft es viel­leicht genau jetzt zu uns.
blog.clickomania.ch/2024/02/28

Matthias SchüsslerMrClicko
2024-01-10

Per Prompt in die Cloud
Das klingt ana­chro­nis­tisch, er­öff­net aber un­ge­ahn­te Mö­glich­kei­ten: Der Zugriff per Ein­gabe­auf­for­de­rung auf Cloud-Ablagen wie One­drive, Drop­box und Google Drive.
blog.clickomania.ch/2024/01/10

Matthias SchüsslerMrClicko
2024-01-10

Per Prompt in die Cloud
Das klingt ana­chro­nis­tisch, er­öff­net aber un­ge­ahn­te Mö­glich­kei­ten: Der Zugriff per Ein­gabe­auf­for­de­rung auf Cloud-Ablagen wie One­drive, Drop­box und Google Drive.
blog.clickomania.ch/2024/01/10

Wie wir die Nase in alte Schweizer Zeitungen stecken

Neulich ging es hier im Blog um die Frage, wann in den Schweizer Medien zum ersten Mal von der künstlichen Intelligenz die Rede gewesen war. Daraufhin habe ich auf Linkedin einen heissen Tipp bekommen – notabene von jemandem, der sich mit digitalen Datenbeständen auskennt. Diego ist nämlich Wikipedia-Experte.

Diego hat mich auf eine Website verwiesen, auf der digitalisierte Zeitungen abrufbar sind:  e-newspaperarchives.ch. Die Plattform wird, wie hier nachzulesen ist, von der Schweizerischen Nationalbibliothek und ihren Partnern betrieben.

Meine hochfliegende Hoffnung, hier alle Ausgaben aller Schweizer Zeitungen zu finden, wurde leider zerstreut. In der Rubrik Blättern nach Titeln stellen wir fest, dass einige bekannte Titel vorhanden sind, sowie diverse unbekannte – doch bedauerlicherweise viele meiner Lieblingsblätter durch Abwesenheit glänzen. Der Winterthurer «Landbote» zum Beispiel, oder auch der «Tagesanzeiger». Als Erklärung dafür heisst es, dass «Zeitungen, die von Institutionen mit eigener Zugangslösung» nicht vorhanden seien. Es gibt eine Liste mit den «anderen Plattformen», wo ich die gesuchten Publikationen aber auch nicht gefunden habe.

Unbedingt ein Lesezeichen wert!

Der OCR-Text mit dem Faksimile in der Archivansicht.

Trotzdem ist dieses digitale Zeitungsarchiv natürlich ein Lesezeichen im Browser wert – und auch eine Besprechung hier im Blog. Dank Diego habe ich herausgefunden, dass die NZZ nicht der erste Titel war, der in der Schweiz über die künstliche Intelligenz berichtet hat.

Diese Ehre kommt gemäss der Quellenlage der Zeitschrift «Aktiv» zu, die als gemeinsames Gewerkschaftsmagazin zwischen 1930 und 1998 von diversen Gewerkschaften herausgegeben worden ist. Hier hiess es am 5. Dezember 1957:

Ingenieur Garcin führte in seinem von Lichtbildern begleiteten Vortrag aus: Die Automation, der Mechanismus der Roboter wolle die menschliche Intelligenz nicht verdrängen, sondern in die Tätigkeit der Roboter einbauen. Er vertrat die Ansicht, dass die Automation dahin ziele, einen Gegenstand ohne menschliches und manuelles Eingreifen herzustellen. In der Uhrenindustrie sei sie vollkommen anwendbar. Ingenieur Garcin erklärte das Funktionieren der Roboter, die in der Lage seien, jede auch noch so komplizierte Tätigkeit auszuführen, wie es das Kopiersystem der Cybernetik auf Grund der Formologie und der Morphocinetik erlaube. Er erblickt darin eine künstliche Intelligenz, die dem Roboter allerdings zuerst vom Menschen eingegeben werden müsse.

Es geht hier, wie vielleicht zu erahnen ist, um die Uhrenindustrie und um die Anwendung von Robotern in der Fertigung und eher um manuelle Geschicklichkeit denn universelle Problemlösung, wie wir sie heute von der KI und dem maschinellen Lernen erwarten. Darum ergibt sich kein Erkenntnisgewinn. Wir erfahren im Artikel noch nicht einmal den Vornamen von Ingenieur Garcin. Im Artikel wird er als Gründer des Centre de Cybérnetique Horlogère eingeführt, das uns aber keinen einzigen Google-Treffer liefert.

Hey SRF: Suchauftrag für euer Archiv!

Doch wir stossen auf einen weiteren Ansatzpunkt: In den «Freiburger Nachrichten» wird am 20. April 1960 aufs Programm des Schweizer Fernsehens verwiesen, wo um 21:15 Uhr der Film «Maschinen, welche denken können» lief, der sich mit der «künstlichen Intelligenz von elektronischen Automaten» beschäftigte. Tipp für die Kollegen beim SRF: Grabt die Filmrolle doch mal aus und stellt sie digitalisiert in den tollen SRF-Archiv-Youtube-Kanal.

Aber wie sieht es mit anderen Themen aus? Im Beitrag Die Steinzeit der Computerberichterstattung hatte ich mich darüber beklagt, dass 1984 die Geburt des Macintosh hierzulande medial nicht angemessen gewürdigt worden ist. Kann e-newspaperarchives.ch die Reputation wiederherstellen?

«Der Bund» zeigt der NZZ den Meister

Leserinnen von «Der Bund» sind notorisch gut informiert.

Antwort: Ja! Am 3. November 1983 hat «Der Bund» einen Bericht vom Korrespondent in Washington veröffentlicht, in dem es um den IBM-PC Junior (IBM PCjr) ging:

Mit dem Peanut ist auch die Konkurrenz herausgefordert worden: Japanische Firmen (Panasonwic; sic!) werden in den nächsten Monaten gleichartige Modelle auf den Markt bringen und Apple, bisher führend in der Herstellung von Personalcomputern, will im Januar den Heimcomputer Macintosh vorstellen. Nach einem turbulenten Jahr mit ersten Konkursen (Osborne), hohen Verlusten (Atari) und dem Produktionsverzicht (Texas Instruments) soll der auf 2 Mrd Dollar geschätzte Heimcomputermarkt zur Ruhe kommen. IBM setzt mit dem PC Junior, während der Entwicklung bekannt geworden unter dem Codenamen «Peanut» (Erdnüsschen), neue Massstäbe für den jungen Industriezweig.

Und wie sieht es mit Windows aus, wo ich mit der Berichterstattung seinerzeit auch nicht zufrieden war (Als Windows erst für eine Randbemerkung gut war)? Hier bleibt es dabei: Microsoft hat die Schweizer Medien damals keinen Deut interessiert.

Übrigens: Nach einer Anmeldung haben wir die Möglichkeit, Faksimiles der Zeitungen im PDF-Format herunterzuladen – praktischerweise immer gleich eine Ausgabe als ganzes. Für Zeitungsfans und Archivmäuschen grossartig!

Beitragsbild: In Papierform haben sie längst verflüchtigt, aber als digitale Faksimiles leben sie weiter (Congerdesign, Pixabay-Lizenz).

#Lesertipp #TechPremiere

Matthias SchüsslerMrClicko
2023-08-24

Wie wir die Nase in alte Schweizer Zeitungen stecken
Auf e-news­paper­archives.ch sind alte Schwei­zer Zei­tungen in digitaler Form archiviert. Der Bestand ist zwar nicht voll­stän­dig, aber gross genug für span­nen­de Recher­chen.
blog.clickomania.ch/2023/08/24

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