Das Thema im Raum
Es war ein verregneter Freitagmorgen, als Herr Ambrosius das Thema in die Mitte des Raumes stellte. Es war kein besonders schweres Thema, aber auch kein leichtes. Genau richtig, wie er es sich dachte. Er nahm es behutsam aus seiner Aktentasche, die ein wenig nach altem Leder und Neuanfängen roch, und platzierte es auf den runden Tisch, als wäre es eine Topfpflanze, die dringend Licht und Aufmerksamkeit brauchte.
Da saß es nun, das Thema. Mitten im Raum, mitten im Leben. Es wog vielleicht ein paar Kilo in Gedanken, ein wenig mehr in Schuldgefühlen, und es schimmerte in einer Farbe, die niemand so recht benennen konnte. Ein seltsames Etwas, das sich gleichzeitig wie eine Einladung und wie ein Vorwurf anfühlte.
„Da ist es,“ sagte Ambrosius zufrieden und setzte sich auf den nächsten Stuhl, als hätte er gerade einen langen Weg zurückgelegt. Niemand im Raum wusste, wohin sie mit ihrem Blick sollten. War es unhöflich, das Thema direkt anzusehen? Oder noch schlimmer: es zu ignorieren?
Frau Wendelin räusperte sich als Erste. „Das… ist also das Thema?“ fragte sie, während ihre Hände unruhig über das Holz des Tisches wanderten, als suchten sie dort nach einer Lösung.
„Ja,“ sagte Ambrosius und lehnte sich zurück. „Es ist ein Thema, das gedacht werden will.„
Die anderen nickten, wie man es eben tut, wenn man keine Ahnung hat, was gesagt wurde, aber nicht unhöflich erscheinen möchte.
Doch das Thema blieb still. Es saß dort mit einer Geduld, die nur Themen haben können, die von jemandem schicksalsschwer in den Raum geworfen wurden. Es war das äquivalente eines unaufgeblasenen Ballons, der trotzdem die Aufmerksamkeit aller auf sich zog.
Der Versuch, das Thema zu greifen
Herr Bruns nahm all seinen Mut zusammen. Er erhob sich, griff mit der Hand nach dem Thema, aber es war wie der Versuch, einen Regenbogen zu fangen. Seine Hand fuhr einfach durch die Idee hindurch. „Es… bewegt sich nicht“, flüsterte er.
„Natürlich nicht,“ erklärte Ambrosius, mit der Gelassenheit eines Mannes, der schon viele Themen in viele Räume gestellt hatte. „Das Thema will nicht bewegt werden. Es will uns bewegen.“
Ein Murmeln ging durch die Runde. Frau Wendelin, die sich inzwischen wie ein Stein auf ihrem Stuhl fühlte, stieß ihren Nachbarn an. „Und was passiert, wenn wir es einfach… nicht beachten?“ fragte sie mit einem Hauch von Panik.
Ambrosius lächelte. „Das wäre wie ein offenes Fenster im Winter. Ihr könnt es ignorieren, aber irgendwann wird es euch auffallen. Entweder, weil es kalt wird, oder weil die Rechnung am Ende des Monats kommt.“
„Ich glaube, ich hasse dieses Thema,“ murmelte Bruns und setzte sich wieder.
Als das Thema zu wachsen begann
Doch das Thema schien größer zu werden. Es streckte sich langsam wie ein Katzenjunges, das gerade erst entdeckt hatte, dass es Krallen hat. Plötzlich hatte es Ecken, Kanten, und einen seltsamen Geruch, der niemandem bekannt war, aber allen unangenehm.
„Es wächst,“ sagte Frau Wendelin, die sich nun völlig unfähig fühlte, ihre Gedanken in eine geradlinige Richtung zu lenken.
„Natürlich wächst es,“ sagte Ambrosius. „Themen tun das. Sie füllen den Raum, bis nichts anderes mehr bleibt. Aber habt keine Angst. Sie platzen nicht.“
„Nicht?“ fragte Bruns mit zitternder Stimme.
„Nein,“ sagte Ambrosius und lehnte sich wieder zurück. „Sie setzen sich irgendwann. Und wenn sie sich setzen, werden sie zu einem Teil des Bodens, auf dem wir stehen.“
Das unausweichliche Ende
Und so saßen sie alle dort, während das Thema langsam seinen Platz einnahm. Es breitete sich aus, wie ein Teppich, der viel zu groß für das Zimmer war, und doch schien es, als würde es bald ganz natürlich dazugehören.
Am Ende, als alle ihre Jacken anzogen und den Raum verließen, schien es, als hätte niemand das Thema wirklich verstanden, aber alle hatten es irgendwie gespürt. Und das war vielleicht genau das, was es wollte.
„Gut gemacht,“ murmelte Ambrosius leise zu sich selbst, als er das Licht ausschaltete. Da saß es noch immer, das Thema, still, geduldig, und doch lauter als Worte.
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