Digitaler analfabetentag…
Hach ja, wenn sich digitale analfabeten treffen, um ihre lustigen und undurchführbaren ideen aus der hirndunkelkammer an die öffentlichkeit zu tragen!
Wenn sich Ende Januar Juristen, Gutachter und Verbände zum 64. Verkehrsgerichtstag in Goslar treffen, steht die Debatte über das Ziel von null Verkehrstoten („Vision Zero“) in einer zunehmend digitalen Welt im Vordergrund
Mit verlaub, die autos, mit denen ich im verkehr vermutlich eines tages mal totgefahren werde, werden aber immer noch von fahrerys gesteuert. Und einige von ihnen (zum glück noch nicht alle, die meisten sind halbwegs vernünftig, sonst könnte ich diesen text auch nicht mehr in meinen editor klappern) gucken lieber auf irgendwas anderes als auf die verdammte straße — und fahren hier blind durch den stadtverkehr. Das hat nix mit digitaltechnik zu tun. Die würden mich und alle meine motorlosen zeitgenossen mit ihren immer fetter werdenden pimmelkarren auch totfahren, wenn da kein einziges digitalgerät drin verbaut wäre, nicht einmal eine digitale motorsteuerung. (Nein, ich bin kein kampfradler, ich bin preußischer anarchist der STVO-sonderklasse. Ich halte sogar an roten ampeln, im gegensatz zu so manchem idjoten mit motor.) Vielleicht sogar viel häufiger, denn viel verbaute digitaltechnik ist ja sicherheitskram, der unfälle vermeiden helfen soll. Ist auch besser so, bei den vielen tausend øre kosten, die fachwerkstätten schon bei kleinen remplern abrechnen, weil man endlich auch die autos so baut, dass sie leicht richtig kaputtgehen können.
Aber für diese honks im PResseerkärungsmodus endet die „digitale welt“ am tellerrand des händis. Der rest läuft mit feenstaub und einhornpisse.
Für den Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) steht vorab bereits fest: Prävention muss tiefer im Gesetz verankert werden. Ein zentraler Streitpunkt wird dabei der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) zur Überwachung des fließenden Verkehrs sein
Aha, also anlasslose dauerüberwachung aus kameras und drohnen mithilfe angelernter neuronaler netzwerke. Tolle idee. Vor allem, weil angelernte neuronale netzwerke so irre zuverlässig sind. Aber für diese digitalen analfabeten, die vermutlich nicht einmal ruckelfrei erklären könnten, was eine matrixmultiplikation ist und wie hoch der rechenaufwand dabei wird (grob N hoch 2,5 multiplikazjonen für matrixgröße N, und das ist dann weiß g’tt kein trivialer algoritmus mehr, aber man kann beim teilen und herrschen auch etwas parallelisieren, um die rechnung zu beschleunigen), so dass sie den erforderlichen rechenaufwand und stromverbrauch für massenhafte automatisierte überwachungsstazjonen…
Der DVR empfiehlt den Bundesländern nachdrücklich den flächendeckenden Einsatz von Monocams. Solche KI-gestützten Systeme, die an Brücken oder Straßenrändern platziert werden, sollen vollautomatisch erkennen können, ob eine Person am Steuer ein Smartphone in der Hand hält und so gegen das Handy-Verbot verstößt
…an einigen zehntausend brücken und straßenrändern nicht einmal grob abschätzen können. In einem land, wohlgemerkt, in dem es eine bundesfunklochmeldeäpp gibt. Und die wurde nicht von Loriot ersonnen. 😂️
Davon, dass diese form der anlasslosen verhaltensüberwachung beliebig ausbaubar wäre und sicher schon gegen geltendes recht verstößt, einmal ganz abgesehen. Spätestens der EGMR wird das kassieren, wenn die von der BRD-parteienoligarchie besetzte karlshure zu gefügig und gleichgültig sein sollte.
Was die digitaltechnischen analfabeten in ihrer besoffenheit von der „künstlichen intellidingsda“ überhaupt nicht zu sehen scheinen, ist der arbeitsaufwand, den das verursacht. Angelernte neuronale netzwerke sind als technik eine heuristik, die nicht nur fehler machen kann, sondern in der praxis auch fehler macht. Manchmal würde einer mit scheißhändi am steuer nicht erkannt, was an sich keine probleme bereitet, dann hat einer halt mal glück gehabt. Das kommt eben vor. Aber manchmal würde eben auch jemand, der auf die straße guckt und das mit der gegenseitigen rücksicht und ständigen vorsicht halbwegs ernst nimmt, aus nicht analysierbaren und noch weniger korrigierbaren gründen als händifahrer erkannt. Da kann nicht einfach die softwäjhr einen strafzettel ausdrucken. Nur mal angenommen, diese falschpositiven erkennungen würden nur völlig illusorische 0,3 prozent des aufkommens ausmachen. Wie viel autos sind das wohl an einem ganz normalen tag auf den straßen der BRD?
In der BRD sind rd. 47,7 milljonen PKW zugelassen. Angenommen, davon sind rd. 35 milljonen jeden tag unterwegs und werden auf dem weg zur arbeit, zum einkauf, nach hause, zum skatverein, in den schönen grünen garten oder bei der ablieferung des kindes an die BRD-zwangsschule nur fünfmal von so einem system erfasst. Dann wären das bei einer illusorisch guten falschpositivkwote von 0,3 prozent jeden scheißtag rd. 5,2 milljonen falsche erkennungen, die dokumentiert und bearbeitet werden müssen. In wirklichkeit wird das aufkommen viel höher werden. Aber schon fünf milljonen vorgänge sind eine verdammt große zahl.
Jede einzelne dieser fehlerhaften erkennungen erfordert nacharbeit durch menschen, die entscheiden, ob es sich um fehler oder korrekte erkennungen handelt. Und die wollen dafür bezahlt werden, die machen das ja nicht zum vergnügen. Na, wie viele überprüfungen schafft ein mensch pro tag bei einer derart monotonen tätigkeit, und wie viel geld sollen die dafür bekommen? Das würde sogar noch teuer, wenn man es nach indien auslagerte, aber ich hoffe mal, dass das im mutterland der hochnotabsurden kennzeichenverpixelungspflicht rechtlich noch nicht möglich wäre. (Passt mal auf: demnäxt heißt es wieder, dass datenschutz kein menschenschutz, sondern täterschutz ist. Der trend geht zur staatskamera auf dem klo.) Die relativ monströsen rechenzentren müssen natürlich auch bezahlt werden, im moment wären sie wegen des noch laufenden KI-heips sogar besonders teuer, und in der BRD-korrupzjon werden sie nochmal um den faktor zehn teurer. Mindestens. Sicher, t-systems freute sich sehr über den saftigen auftrag und würde in einer bananistan-ausschreibung sicher über den angebotsstand des mitbewerbes informiert, damit das unterboten werden kann. Guten freunden gibt man ein küsschen. Oder auch zwei. Und bei diesen bananigen staatsaufträgen sind nach dem unterschreiben preis und ablieferungskwalität beliebig dehnbar. Grüße auch an den tiefergelegten stuttgarter bahnhof, den tiefergelegten münchener bahnhof und den berliner fluchhafen! Aber trotzdem bedürfte es noch einer menge nacharbeit durch fürs arbeiten bezahlte menschen, und dieser personelle aufwand…
Während Verstöße aktuell mit 100 Euro und einem Punkt in Flensburg geahndet werden, scheitert die Durchsetzung oft am personellen Aufwand herkömmlicher Methoden
…wird bei dieser nullvisjon von Dunning-Kruger im der-kompjuter-kann-alles-rausch ganz schön teuer. Denn die leute braucht man trotzdem. Und sogar mehr davon, wenn man nicht den größten teil der eingesammelten daten wieder unbesehen wegschmeißen will. Aber dann könnte man sich das ja gleich sparen.
Die sächsische Initiative sieht daher vor, die Nutzung technischer Mittel an Unfallschwerpunkten oder Verkehrsknotenpunkten auszuweiten. Dies umfasst unbemannte Luftfahrtsysteme wie Drohnen. Weitreichend ist dabei der Plan, Bildaufnahmen von Fahrzeugen und Fahrern bereits präventiv zu erlauben, noch bevor ein konkreter Regelverstoß vorliegt
Das ist die wirkliche idee dahinter: anlasslose totalüberwachung aller menschen in der BRD. Mit zehntausenden kameras, mit zehntausenden drohnen und *fanfaretröt!* künstlicher intellidingsda. Die biometrie wird einfach nachgerüstet, wenn sich die leute dran gewöhnt haben. Lecker salami! Und ein toller folgeauftrag für t-systems. Oder für siemens. Oder für sonst eine steuergeldverbrennungsanstalt der BRD, die in den dunkelkammern der parlamente rumlümmelt. Ja, das mit der biometrie wollen diese verkehrtsicherheitsleute auch, denn man muss ja den fahrer irgendwie identifizieren. Da sind doch juristen dabei, so richtig mit zwei staatsexamen, die wissen das genau. Warum gehen die nicht einfach nach china, wenns ihnen in deutschland nicht mehr gefällt?
Parallel verlangt der Verband eine personelle Stärkung der Ordnungshüter. Polizei, Bußgeldstellen und Justiz benötigten dringend mehr Kapazitäten, um Verstöße konsequent zu ahnden
Au ja! Dass es zu wenig bullen gibt, wurde schon in den siebziger jahren tematisiert, dass die justiz völlig überlastet ist, war schon in den siebziger jahren so ein riesenproblem, dass richtig üblen verbrechern (also nicht den schwarzfahrern oder kiffern) der knast erspart blieb, weil die staatsanwaltschaft die anklage nicht rechtzeitig fertigkriegte. Beides ist seitdem nicht besser geworden. Aber es kostet halt geld, die leute zu besolden, und das geld gibt die p’litische klasse der BRD lieber für prachtentfaltung, korrupzjon und günstlingspämperung aus. Oder für kriegsmassenmordwaffen.
Ich habe da eine viel bessere und billigere idee, wie man der vision zero dieser kwietschenddummen digitalhonks ein kleines bisschen näher kommen könnte: durch die einführung und durchsetzung eines generellen tempolimits innerorts von 30 km/h. Schneller kommt man tagsüber eh nicht durch die städte. Stadtverkehr nervt eben. Kann ich auch ein lied von singen. Und die autobahnen sind bei weitem nicht so ein riesenproblem wie die städte, wenn man mal von idjoten absieht, für die vermutlich alles zum problem wird. Die zweite, bessere und billigere idee haben diese lobbyisten des versicherungsgewerbes zum glück selbst gehabt:
Ein weiteres Schwergewicht der Diskussion in Goslar ist der Arbeitskreis zum Thema Alkohol im Straßenverkehr. Hier prangert der DVR eine Rechtslücke an: Bisher dürfen Radfahrer und Nutzer von Pedelecs mit bis zu 1,6 Promille unterwegs sein, sofern sie keine Ausfallerscheinungen zeigen. Der Rat fordert stattdessen die Einführung einer Ordnungswidrigkeit bereits ab einer Grenze von 1,1 Promille. Für Kraftfahrzeugführer geht er noch einen Schritt weiter und plädiert für ein absolutes Alkoholverbot
Volle zustimmung. Bei den null-promille fürs autofahren. Aber nicht bei den viel zu hoch angesetzten 1,1 ‰ für radfahrer, wozu dann auch elektrofahrräder mit 25 km/h zählen würden. Klar, die gefährden vor allem sich selbst, aber eben auch fußgänger und andere radfahrer. Nicht, dass noch jemand denkt, ich wolle nur rummäkeln, wenn digital ungebildete leute plakative, populistische und dumme ideen ausbrüten. Und den mitmenschen, die sich im auto mit ihrem scheißhändi beschäftigen, statt auf die verdammte straße zu gucken, gehört der lappen weggenommen, mindestens für einige monate. Und das auto beschlagnahmt und erst nach bestandendem idjotentest zurückgegeben, denn das rumfahren ohne lappen ist auch so eine kleine epidemie geworden. Das ist leider die einzige sprache, die so ein händisüchtiger senkkopfzombie in seinen weitreichenden realitätsverlusten noch verstehen wird. In diesem sinne gebe ich mal weiter an Androgene im heiseforum. Gruselig.
Aber hej, hier in hannover ist die ratskoalizjon zwischen scheiß-SPD (abk. für super, penzin, diesel) und scheißgrünen zerbrochen, weil die SPD nicht einmal ein langfristig angelegtes projekt einer autofreien innenstadt mittragen wollte — dann lieber die innenfreie autostadt. Und scheißhannover ist nicht scheißberlin. Hier funkzjoniert der nahverkehr halbwegs zuverlässig und ist in den letzten zwanzig jahren sogar deutlich besser geworden… mann, wie ungern ich die üstra lobe! Nur die schneeflocke darf hier nicht vom himmel fallen.
#Überwachung #BRD #Datensammlung #Heise #Link #Verkehrssicherheitsrat