Lasst uns ein Experiment machen: Du brauchst zwei Hände, einen Stift und ein Blatt Papier. Lege deine linke Hand auf deine Brust oder an die Halsschlagader, nimm den Stift in die rechte Hand und ziehe ihn gleichmäßig über das Papier, während du die Schläge und Pausen aufzeichnest. Dabei entsteht eine Art EKG – aber wichtiger ist: Du hast mechanische Schwingungen in eine digitale Form übertragen. Diese können in Zahlen übersetzt, in einen Computer eingespeist und mit spezieller Software in Klang umgewandelt werden. So entsteht der Klang deines Herzschlags.
Was ist Klang aus physikalischer Sicht? Es sind mechanische Schwingungen, die sich in einem Medium ausbreiten. Je dichter das Medium, desto schneller der Schall: in Luft ca. 343 m/s, in Wasser etwa 1500 m/s, in festen Stoffen noch schneller. Da im Weltraum ein Vakuum herrscht – der Raum zwischen den Himmelskörpern (Sterne, Planeten usw.) nahezu leer ist und die Dichte sehr gering – ist es unmöglich, im Weltall den Schall zu hören.
Was also ist „𝐃𝐞𝐫 𝐊𝐥𝐚𝐧𝐠 𝐝𝐞𝐬 𝐔𝐧𝐢𝐯𝐞𝐫𝐬𝐮𝐦𝐬“? Er lässt sich am besten mit Pulsaren erklären. Eine Aufnahme eines Pulsars stellt eine Reihe periodischer Impulse dar (genauso wie bei deinem Herzschlag), die digitalisiert und in Klang umgewandelt werden können. Die Peaks auf der Aufnahme kennzeichnen Zeitpunkte, an denen der Pulsar in Richtung des Beobachters strahlt, die Pausen entsprechen den Momenten, in denen die Radiostrahlung in eine andere Richtung geht.
Diese Aufzeichnungen haben nichts mit den tatsächlichen Geräuschen der Objekte zu tun. Trotzdem können wir so in gewisser Weise das Weltall hörbar machen.
©Animation & Collage: A. Kazantsev | MPIfR
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