#winterlied

2026-01-29

Gefaltete Zeit

Vier Frauen aus Belarus, der Ukraine und Russland erzählen vom Leben im Krieg. Ihre Stimmen verknüpft Jochen Langner in seinem Hörspiel „Winterlied“ mit der eigenen Familiengeschichte und der Frage, wie Vergangenheit und Gegenwart ineinandergreifen.

Jochen Langner: Winterlied

DLF, Sa, 24.01.2026, 20.05 bis 21.35 Uhr
DLF Kultur, So, 25.01.2026, 18.30 bis 20.00 Uhr

2017 beschäftigte sich der Kölner Schauspieler und Regisseur Jochen Langner zusammen mit Andreas von Westphalen im Hörspiel „Horchposten 1941 – Ja slyshu wojnu“ (Ich höre den Krieg) für WDR, DLF und das unabhängige Moskauer „Radio Echo“ mit der 900-tägigen Belagerung von Leningrad im Zweiten Weltkrieg. Für sein neues Stück „Winterlied“ hat er jetzt mit zwei Belarussinnen, einer Ukrainerin und einer Russin über ihre Erfahrungen mit dem gegenwärtigen Krieg in der Ukraine gesprochen. Parallel dazu macht er sich auf die Suche nach der Geschichte seines Vaters, der zwei Tage vor Beginn des Zweiten Weltkriegs seinen Dienst als Soldat antrat und erst nach acht Jahren in russischer Kriegsgefangenschaft zurückkehrte.

„Die Zeit faltet sich und berührt die Gegenwart. Der Erinnerungsraum zwischen den beiden Kriegen ist prall gefüllt“, ist das Leitmotiv, unter das Langner seine Geschichte gestellt hat. Langner, der sich schon seit längerer Zeit mit theatralen und radiophonen Projekten in Osteuropa beschäftigt, hat für sein „Winterlied“ mit den vier Frauen gesprochen, von denen drei anonym bleiben wollten.

Körper als Heimat

Eine Belarussin, im Hörspiel Cynthia genannt, lebt in Warschau im Exil, nachdem sie nach der Niederschlagung der Proteste fürchten musste, verhaftet zu werden und in einem Straflager für politische Gefangene zu verschwinden. Geboren nach der Explosion des Atomkraftwerks in Tschernobyl an der ukrainisch-belarusischen Grenze, die ein Viertel von Belarus verstrahlt hat, erzählt sie, dass ihr Vater Liquidator am Bahnhof von Tschernobyl war. Sie leidet unter einem deformiertem Magen und einer deformierten Schilddrüse und fürchtete, die Haft nicht zu überleben. Heimat ist für sie ihr Körper.

Langners zweite Gesprächspartnerin wird im Hörspiel Lydia genannt, kommt aus der Ukraine und ist vor dem Krieg erst nach Ungarn und dann nach Warschau geflohen. Zum Zeitpunkt ihrer Flucht war ihr Sohn 17 Jahre alt, also im wehrfähigen Alter, und er hätte mit 18 die Ukraine nicht mehr verlassen dürfen. Auch die Russin K. Hat einen Sohn und fürchtet, dass er eingezogen werden könnte. Sie hat ihre Teilnahme an Langers Hörspielprojekt zurückgezogen und gebeten, keine ihrer Aufnahmen zu verwenden.

So kommt sie nicht im O-Ton vor und man erfährt von ihr nur, dass sie den Krieg für eine Tragödie für die Ukraine wie für Russland hält, ukrainische Flüchtlinge aufnahm und Angst hat, dass ihr Sohn eingezogen werden könnte. Alle drei sind mit der russischen Sprache aufgewachsen, sprechen im Hörspiel Englisch und werden per Voice-over (Hanna Werth) ins Deutsche übersetzt. Die vierte Gesprächspartnerin ist Marina, eine belarussische Journalistin, die seit 2011 in Berlin lebt und auf Deutsch zu hören ist. Alle Interviews wurden unabhänigig voneinander geführt. Die vier Frauen hatten keinen Kontakt zueinander.

Auf sich selbst zurückgeworfen

Und da ist natürlich noch der Autor selbst, Jochen Langner, der auch Regie geführt hat, und der von seinen Recherchen zur Kriegsgeschichte seines Vaters erzählt. Selbst kann er ihn nicht mehr fragen, denn er ist gestorben, als sein Sohn gerade acht Jahre alt war. Als Bildaufklärer habe er vom Flugzeug aus Aufnahmen gemacht und ausgewertet, wird in der Familie erzählt. Er sei an der „Operation Barbarossa“ beteiligt gewesen, wie die Nazis den Überfall auf die Sowjetunion genannt haben, erfährt Langner vom Bundesarchiv.

Vieles bleibt im Nebel des Krieges, aber möglicherweise war er im belarussischen Babrujsk stationiert, als dort „nahe eines Rollfelds“ Massenerschießungen von Juden stattgefunden haben. Das Schweigen der Väter ist ein gemeinsamer Nenner, auf den Langner mit seinen Gesprächspartnerinnen kommt. Ob der Vater beim KGB gewesen war, wollte man dann vielleicht doch lieber nicht wissen. Doch hat dieses Schweigen unterschiedliche Ursachen. In den sowjetischen und postsowjetischen Diktaturen hatte und hat man Angst, dass jemand mithört. Eine erfahrungsgesättigte Paranoia, die nach Jahrzehnten der Propaganda nicht ganz unverständlich ist. Umso höher einzuschätzen ist, dass sich die Belarussin Cynthia, wie sie selbst sagt, „zur Offenheit zwingt“.

Diese Offenheit ist zugleich die Stärke und die Schwäche von Langners „Winterlied“. Aus den Recherchen nach seinem Vater nimmt er die Erkenntnis mit, dass sie letztendlich auf ihn selbst verweist und nicht auf seinen Vater. Das trifft auch auf seine Gesprächspartnerinnen zu, die eher für sich selbst stehen, denn als Zeuginnen des Epochenumbruchs, der sich gerade vollzieht.

Jochen Meißner, KNA Mediendienst, 23.01.2026

 

#DLF #JochenLangner #Winterlied
Kreuzung Ulitsa Grabiszynska. Bild: Jochen Langner.
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2026-01-24

Kurzfristiger #Programmtipp

Für heute Abend ist das Hörspiel Winterlied von Jochen #Langner angekündigt, das sich mit den Folgen des Angriffskriegs Russlands in der Ukraine beschäftigt, dort werden vier Frauen portraitiert.

Interessant vermutlich für @afelia, @TommyKrappweis und weitere.

Heute, 24. Januar 2026, 20.05 Uhr, Deutschlandfunk, Hörspiel

Guten Empfang wünscht
Sascha

#Hörspiel #Winterlied #Angriffskrieg #Ukraine #Russland #DLF

2025-12-25

Ich wünsche auch allen Menschen, die nicht "Johnny" heißen, eine schöne Weihnachtszeit mit meinem Weihnachtslied "Merry Christmas, dear Johnny"! :-)

Martin G. auf Hubzillamarting@hub.hubzilla.de
2025-12-25
Es ist schon verrückt, was so alles unter „Weihnachtslied“ läuft. Vielfach halten die Leute ja knallhart daran fest: „Ja, das sind Weihnachtslieder, Punkt, Ende der Diskussion. Weil, is’ so.“

Aber viele davon sind gar keine Weihnachtslieder. Das sollte man in den meisten Fällen mit einem gewissen Mindestgrad an Textverständnis bemerken. Nur wer versteht heutzutage Liedtexte?

„Have Yourself A Merry Little Christmas“: kommt aus einem Film und wird da von Judy Garland gesungen – ihr kennt sie vielleicht auch als Dorothy in „Der Zauberer von Oz“. Weder im Filmkontext noch in dem Lied selbst geht es um Weihnachten, sondern ums Wiedersehen irgendwann mal. Zu so etwas wie einem Weihnachtslied wurde es erst nach einer Textänderung. Ja, Textänderung. Man höre sich mal das Original von Judy Garland an und lese parallel den Songtext.

„Stop The Cavalry“ (Jona Lewie): kein Weihnachtslied, sondern ein Antikriegslied. Es erwähnt nur eben „Christmas“ im Text und enthält an zwei Stellen danach Schlittenglocken – wobei, wie ich weiter unten schreiben werde, auch Schlittenglocken nichts rein Weihnachtliches sind.

„Last Christmas“ (Wham!): auch kein Weihnachtslied. Nein, wirklich nicht. Sondern ein Liebeslied.

Wenn es danach ginge, wäre auch Stevie Wonders „I Just Called To Say I Love You“ ein Weihnachtslied, weil „Christmas“ im Text einer Strophe vorkommt.

„The Power Of Love“ (Frankie Goes To Hollywood): noch sehr viel weniger ein Weihnachtslied, sondern auch ein Liebeslied. Ein etwaiger Weihnachtsbezug wurde durch die Darstellung der Geburt Jesu im Musikvideo konstruiert. Gerade dieses Lied kann man tatsächlich das ganze Jahr hören. Doch, tatsächlich.

„Winter Wonderland“, „Frosty The Snowman“, „Suzy The Snowflake“ usw.: keine Weihnachtslieder, sondern Winterlieder. Selbst in den USA sind weiße Weihnachten eher die Ausnahme als die Regel – außer vielleicht in den Rocky Mountains, in der Sierra Nevada oder in Bundesstaaten wie Minnesota, North Dakota und South Dakota, wo es der Folklore nach das Fehlen von Schnee ist, das eher die Ausnahme als die Regel ist.

„Jingle Bells“, „Sleigh Ride“, „Jingle Bell Rock“ usw.: auch keine Weihnachtslieder, sondern auch wieder Winterlieder, in denen es ums Schlittenfahren geht. Gerade im ach so populären „Jingle Bells“ hängen vor besagtem Schlitten obendrein nicht neun Rentiere, sondern ein einzelnes Pferd. Übrigens ist die Chance, mit einem Pferdeschlitten herumfahren zu können, im Februar sehr viel größer als um Weihnachten. Und auch im Februar kann man Schlittenglöckchen verwenden. Hat man früher tatsächlich als Warnsignal, weil ein Pferdeschlitten auf Pulverschnee annähernd lautlos ist, um den überhaupt hörbar zu machen.

„Baby, It’s Cold Outside“: auch kein Weihnachtslied. Es glorifiziert nicht mal den Winter. Statt dessen nutzt ein Mann die tatsächliche oder vielleicht auch nur implizierte Winterkälte, um eine Frau am Gehen zu hindern.

„Let It Snow! Let It Snow! Let It Snow!“: auch kein Weihnachtslied. Es glorifiziert den Winter sogar noch viel weniger. Es stellt ihn auch nicht einfach nur als kalt und ungemütlich dar, sondern in Form eines handfesten Schneesturms. „The weather outside is frightful“ und so. Und dann geht dem Paar im Haus auch noch das Kaminfeuer aus, wahrscheinlich, weil das Feuerholz alle ist und keiner rausgehen will, um Nachschub zu holen. Sagen wir mal so: Ende 1978 hätte es nicht Weihnachten beschrieben, sondern die Schneekatastrophe, die direkt nach den Feiertagen losging. Weihnachten 1978 war übrigens auch nicht weiß.

Das neueste Ding scheint jetzt zu sein, Weihnachtssampler mit Gospel aufzufüllen. Wohlgemerkt, Gospel, der nichts, aber auch gar nichts mit Weihnachten zu tun hat.

#Weihnachten #Weihnachten 2025 #Weihnachtslied #Weihnachtslieder #Weihnachtsmusik #Stop The Cavalry #Last Christmas #Winter Wonderland #Jingle Bells #Winterlied #Winterlieder
2025-12-18

Ich wünsche auch allen Menschen, die nicht "Johnny" heißen, eine schöne Weihnachtszeit mit meinem Weihnachtslied "Merry Christmas, dear Johnny"! :-)

2025-12-11

Ich wünsche auch allen Menschen, die nicht "Johnny" heißen, eine schöne Weihnachtszeit mit meinem Weihnachtslied "Merry Christmas, dear Johnny"! :-)

2025-12-04

Ich wünsche auch allen Menschen, die nicht "Johnny" heißen, eine schöne Weihnachtszeit mit meinem Weihnachtslied "Merry Christmas, dear Johnny"! :-)

2023-12-05

Winterlied
 
Geduld, du kleine Knospe
Im lieben stillen Wald,
Es ist noch viel zu frostig,
Es ist noch viel zu bald.
Noch geh ich dich vorüber,
Doch merk ich mir den Platz,
Und kommt heran der Frühling,
So hol ich dich, mein Schatz.

 August von Platen
(eigentlich: Karl August Georg Maximilian Graf von Platen-Hallermünde)
Geboren am 24.10.1796 in Ansbach; gestorben am 05.12.1835 in Syrakus.

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