Buchtipp: Frech und frei
50 Jahre Kämpfe der Behindertenbewegung
»Behindertsein ist schön!«, »Lieber lebendig als normal!« oder »Nichts über uns – ohne uns!« – diese Ausrufe sind kennzeichnend für ein starkes #Selbstbewusstsein behinderter Menschen. Doch der Aufbruch vom dankbaren Objekt der #Fürsorge zum Ziel der #Autonomie und #Selbstbestimmung erforderte Kämpfe, die in Vergessenheit zu geraten drohen. Die übliche Perspektive der »#Sonderkarriere« von der #Sonderschule bis zum #Sonderfriedhof zu durchbrechen, erforderte Mut und einen langen Atem. Denn festgefügte Strukturen der #Aussonderung, vielfältige #Diskriminierungen und alltägliche #Entrechtung gehörten zur unhinterfragten #Tradition im Umgang mit behinderten Menschen.
»Frech und frei« erzählt vom #Widerstand einer sich entwickelnden Selbstbestimmt-Leben-Bewegung seit der Mitte der 1970er-Jahre. Es berichtet von der permanenten Auseinandersetzung mit gängigen #Normen, #Werten und #Körperidealen, die noch oft die Prägungen der nationalsozialistischen Vergangenheit aufwiesen. Es erinnert an #Demonstrationen gegen behindertenfeindliche #Gerichtsurteile und an Bühnen- und #Rathausbesetzungen. Es dokumentiert #Proteste für die barrierefreie Nutzung von Bus und B#ahn und zeichnet die Gegenwehr gegen neue »#Euthanasie«-Forderungen und die #Selektion durch humangenetische Techniken nach. Es skizziert den steinigen Weg, bis die #Behindertenrechte Eingang in das #Grundgesetz fanden, und warnt vor einem drohenden #Rollback durch das Erstarken rechtsradikaler Denkweisen.
Das mit Plakaten, Flugblättern und Zeitungsartikeln bebilderte Buch unterstreicht die Erkenntnis: Ohne die bewusste Verletzung von Regeln und Gesetzen wären die Erfolge der emanzipatorischen #Behindertenbewegung undenkbar gewesen.
Erschienen bei Assoziation A
