Outlaws wieder da
3. Staffel vom ZDF nachts versenkt – immer noch originell?
Extradienst-Leser*innen wissen, dass ich längst Fan von “The Outlaws” bin, ein künstlerisches Originalzeugnis von Brexit-Britannien. Das ZDF hat uns jetzt bei Trump-Fan Jeff Bezos die dritte Staffel angeschafft, linear nachts zwischen 2 und 6 Uhr versenkt, aber bitte schön hier entlang, für das Altersheim-Publikum ist die Sache wohl nicht gedacht.
Begeisterung kann ich von mir nicht mehr vermelden, sondern eher ein Gefühl angenehmer Gewohnheit. Das sympathische Ensemble habe ich liebgewonnen, wie es gewöhnlich das Ziel von harmlosen Vorabendserien ist. Mann fühlt sich im abgerockten Bristol schon ein wenig wie zuhause.
Die Story (Stephen Merchant) wandelte sich von der Sozialkomödie (1. Staffel) über den Drogenkrimi (2. Staffel) zur Krimikmödie, die das ZDF statt nachts auch um 18 h zeigen könnte. Aber die sind eben feige.
Warnung vor “Mozart/Mozart”
Vor der aktuellen “ARD-Weihnachtsserie” warnt Johanna Adorján in der SZ-Paywall. “Die Tragik deutscher Fernsehproduktionen liegt darin, dass die Macher die Zuschauer für dümmer halten als sich selbst. […] Die ARD bringt das womöglich Schlechteste, was das deutsche Fernsehen jemals hervorgebracht hat, und zwar zur schönsten Vorweihnachts-Primetime als Serienhighlight.”
Ihren ersten Satz kann ich bestätigen. Ob der zweite Satz dieses Zitats stimmt, müssen Sie selbst herausfinden – auf eigene Gefahr.
Wie kommichdrauf? ARD-Bossin Strobl betont bei jeder Interviewgelegenheit, dass ihr Apparat weniger Trash in der Breite produzieren, und sich stattdessen mehr auf Spitzen-/“Premium”-Produktuonen konzentrieren wolle. Ich fürchte, dass es sich hier um ein konkretes Beispiel handelt. Produzent*inn*en sind die hier.
Was ist besonders?
Die geschätzte Doris Akrap/taz meint, das hier sei das “Interview des Jahres”. Geht es noch absurder? Ihre Branchenkolleg*inn*en stehen ihr in ihrer Erregung in nichts nach. Und verraten damit mehr über sich selbst, als über dieses grundsolide und seriöse Produkt schlichten aber ernsthaften journalistischen Handwerks.
Nun mag es ja sein, dass Siham El-Maimouni, eine schöne Frau und dann noch mit so einem Namen, viele Leute damit überrascht, dass sie Journalismus macht. Und in diesem Interview einen Politiker als den Windbeutel kenntlich macht, der er ist. Alle Arbeitenden in der Kulturbranche wussten das schon vorher.
Zweifellos kann mann das als Überraschung angesichts der ARD-Casting-Gewohnheiten auffassen. Aber müssen wir als Publikum uns die gefallen lassen? Frau El-Maimouni hatte sich vorbereitet. Und den Kerl aus keinem intellektuellen Schwitzkasten vorzeitig und fahrlässig entlassen. Das ist keine Kunst, das ist Handwerk.
Was sagt es über die Nutzung der Überreste von Meinungs- und Pressefreiheit hierzulande, wenn das zur Sensation aufgeblasen wird? Gab es nicht Zeiten, in denen diese Arbeit Alltag war? Ich meine mich daran zu erinnern.