#KURATIERT

DigitalNaiv = Stefan PfeifferDigitalNaiv
2026-01-26

Digitale Souveränität wird gern beschworen, doch "Souveräne Clouds“ der Hyperscaler bleiben dem US-Recht unterworfen. Bezahlen mit Wero statt US-Diensten, Open Source statt Lock-in. Persönliche Entscheidungen ersetzen keine Politik – aber sie zeigen, dass Alternativen existieren .

stefanpfeiffer.blog/2026/01/26

2026-01-22

Nicht jedes Stöckchen, aber klare Worte: Warum Schweigen keine Option ist

Wir lauschen fasziniert und erschreckt Trumps TV-Horror-Reality-Show. Gefühlt jeden Tag treibt er uns mit seinen Nachrichten vor sich her. Mein Blick auf einige Presseberichte und Blogbeiträge der vergangenen Tage, kuratiert und kommentiert.

  1. Die verharmlosende Sprache deutscher Medien
  2. Schweigen über die Zustände im Iran
  3. Über jedes Stöckchen von Trump springen?
  4. ICE: Die Revolutionsgarden von Trump
  5. Auch wegen 1933: Kein Rückzug ins Private
  6. Wo bleibt Europa?
  7. Widerstand auch bei uns in Eberstadt notwendig
  8. Artikel geclippt: Vom Berg-Molch und „populären“ Politikerinnen

Die verharmlosende Sprache deutscher Medien

Nicht nur das: Viele Medien übernehmen noch den Trump- und MAGA-Sprech, ob es um den vermeintlichen „Kampf gegen Drogenkriminalität“ in Venezuela oder um „Gebietsansprüche“ in Bezug auf Grönland geht. Nein, es sind eben keine Gebietsansprüche, sondern es ist die Drohung und Erpressung, Grönland so oder so besetzen zu wollen – gegen den Willen der Bevölkerung und gegen jedes Völkerrecht. „Das ist das Problem mit der Trump-Berichterstattung: Die Sprache passt sich dem Wahnsinn an, statt ihn zu benennen„, so Lorenz Meyer.

Presse und Politik müssen Klartext sprechen, laut und vernehmlich:

Trump ist nicht Hitler, aber auch er will mehr als nur Grönland. Er streckt seine Finger nach Venezuela, Panama und Gaza, will Kanada zum 51. Staat der USA machen, und er betreibt den Zerfall der Europäischen Union. 

Trump und Grönland: Der Widerstand muss klug, schnell und entschlossen sein. Konrad Schuller, FAZ, 17.1.2026

Schweigen über die Zustände im Iran

Über den Epstein-Skandal hören wir nichts mehr. Auch über den Iran wird kaum noch berichtet. Es wird ja nicht mehr demonstriert und Revolutionsgarden und Milizen erschießen ja zumindest öffentlich auf der Straße keine Menschen mehr. Dann schweigen die meisten Medien.

Weil der Eindruck entstanden war, die Proteste seien niedergeschlagen worden, nahm im Ausland das Interesse ab. Das wissen sie im Unterdrückungsapparat in Teheran: Die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit ist flüchtig, Iran ist nur ein Thema von vielen.

Ralph Geiger in der SZ (Abo), zitiert nach Altpapier vom 19.1.2026

Das Internet ist abgeschaltet. Die Journalisten, die noch vor Ort sind, müssen vorsichtig agieren. Es scheint, das sich das Mullah-Regime erneut an der Macht hält – trotz wohl über 4.000 ermordeter Menschen.

Über jedes Stöckchen von Trump springen?

Zurück zu Trump: Sollen wir wirklich über jedes Stöckchen hüpfen, das er uns hinhält? Sollten wir uns besser raushalten und nicht mehr über ihn reden, schreiben oder an ihn denken? Für mich ist das keine Möglichkeit, auch wenn ich nur zu oft gefrustet bin und nur den Kopf schüttele. Meiner Ansicht nach ist es gerade jetzt wichtig, die demokratische Flagge hochzuhalten, das auch laut und vernehmbar. Als Deutsche sollten wir aus 1933 gelernt haben und dürfen unsere Demokratie nicht leichtfertig den Demokratiefeinden und rechtsradikalen Menschenfeinden überlassen. Das ist unsere verdammte Pflicht, finde ich.

Auch warne ich bei allem Unverständnis, dass es in den USA scheinbar so wenig, für mich deutlich zu wenig Widerstand gibt, davor, zu schnell in Antiamerikanismus nach dem Motto zu verfallen: „Die haben das schon immer gemacht.“ Ja, es gab und gibt das imperialistische US-Amerika, es gibt auch gerade jetzt noch viel zu viele Amerikanerinnen und Amerikaner, die weiterhin Trump unterstützen. Ungläubig frage ich mich, wie noch immer über 40 Prozent hinter Trump stehen können?

ICE: Die Revolutionsgarden von Trump

Die USA sind gespalten, waren sie wahrscheinlich immer. Besonders ins Auge sticht die ICE, Trumps Einwanderungspolizei. Martialisch, ein Machtinstrument des Präsidenten, verbreiten die Paramilitärs Angst statt rechtsstaatlich zu handeln. Eine Demokratie braucht keine Schlagtruppen zur politischen Durchsetzung. Das erinnert an die Mullahs im Iran mit ihren Revolutionsgarden und andere autoritäre Regime.

Doch es gibt (hoffentlich) weiterhin das humane, freundliche, demokratische Amerika, es gibt „den Mut ganz normaler Bürger„, wie es die taz formuliert, und ich hoffe sehr stark, dass die Vernunft wieder Oberhand gewinnt. Auch wenn ich nicht so optimistisch wie viele bezüglich der Midterms bin, da Trump und seine Ellisons und Musks in so hohem Maße die traditionellen und antisozialen Medien manipulieren und dominieren. Und Trump ist halt ein bewusst polarisierender „Showmaster“, der Politik als Reality Show, als „Great Television“ inszenieren weiß.

Trump kommt aus dem Reality-TV, das hat ihn gewaltig geprägt. Er weiß, dass es immer besser ist, gleich drei Säue statt einer durchs Dorf zu jagen. Dieses Spektakel beherrscht Trump perfekt. Damit überfordert er alle.

Politologe Stephan Bierling im Gespräch mit T-Online, 16.1.2026

Auch wegen 1933: Kein Rückzug ins Private

Auch warne ich vor der Aussage, dass die USA näher an einem „Weimar 1933“ sind als wir hier in Deutschland. „Ich mag das nicht glauben“, ist keine valide Aussage zum Thema. Zudem halte ich diesen Vergleich für unangemessen. In beiden Ländern stehen die demokratischen Werte und Grundfesten unter massivem Beschuss. Genau deshalb darf es keinen Rückzug ins Private geben mit dem Hinweis, dass es so schlimm nicht werde. Es ist in der deutschen Geschichte mindestens einmal sogar noch schlimmer gekommen.

Wie lange brauchen wir Europäerinnen und Europäer noch, um endlich in die Puschen zu kommen, politisch, militärisch, digital? Wir haben angesichts eines Trumps keine Wahl. We need to make Europe great again. Offizielle Pressemitteilungen und lauwarme Statements reichen angesichts des digitalen „Shit Production Systems“ von Trump nicht länger. Wenn jetzt EU-Abgeordnete ein europäisches soziales Netzwerk fordern, fange ich hysterisch an zu lachen. Wo wart ihr die vergangenen Jahre? Seid ihr etwa immer noch auf X? Ihr macht euch nur lächerlich.

Wo bleibt Europa?

Mir scheint, dass viele Politikerinnen und Politiker vor einer Stärkung Europas angesichts der rechtsnationalen Strömungen in ihren Ländern zurückweichen. Doch was ist die Alternative? Trumps oder Putins Wünschen gehorchen? Und ja, vielleicht muss es ein Kerneuropa geben, das vorangeht und Herrn Orbán sowie ähnliche Gesellen außen vor lässt, die immer wieder Fortschritte boykottieren. Mir fehlen – bei aller notwendigen Diplomatie – die wahrnehmbaren Führungspersönlichkeiten, die hier vorangehen. Es gab sie einmal nach dem Krieg in Europa.

Widerstand auch bei uns in Eberstadt notwendig

Dieser Text entsteht – zumindest in Teilen – am 21. Januar 2026 kurz bevor Trump in Davos einfällt und seine Obstrusitäten absondert. Er entsteht an einem Tag, an dem die AfD hier in meinem Heimatort in Darmstadt-Eberstadt ihren Neujahrsempfang im Ernst-Ludwig-Saal abhält. Der war wohl entgegen der Aussage im Artikel FR juristisch nicht zu verhindern.

Doch bleibt es wichtig, dass wir uns hier lokal vor Ort und global gegen Autokraten, Imperialisten, Rechtsradikale und Feinde unserer Demokratie stellen. Wir müssen, dürfen und sollen protestieren. Dabei ist es aber besonders wichtig, dass Demokratinnen und Demokraten bei aller notwendigen inhaltlichen Auseinandersetzung als demokratische Mitte zusammenstehen und sich nicht gegenseitig mit Dreck bewerfen oder in antidemokratische Ecken stellen. Die wirklichen Gegner sind die, die unsere freiheitliche Demokratie stürzen wollen. PUNKT!

Artikel geclippt: Vom Berg-Molch und „populären“ Politikerinnen

Die Welt am 6. Januar – welche eine Überschrift. Am 19. Januar hat dann Bärbel Bas Klöckner überholt.Ich kann mich eines Stirnrunzelns und Schmunzelns nicht erwehren: Klar, dass nach dem Protest der Aktivisten, den Darmstadts Oberbürgermeister Hans Benz klar kritisiert, jetzt plötzlich auch noch der Bergmolch auftauchen musste. Irgendwie so typisch Deutschland …

#1933 #Darmstadt #Demokratie #Ewwerscht #ICE #Iran #Journalismus #Kuratiert #Medien #NoAfD #Sprache #Trump #USA

Geometric, cubist representation of Europe as a simplified solid form standing at a forked path. One path structured, green and stable, the other grey, fragmented and fading. Cubist representation of Greenland on the upper left side. In the background: an abstract, non-caricatured silhouette suggesting Trump, not to dominant, combined with a crowd of ICE para soldiers . Calm but tense atmosphere.Klöckner ist jetzt beliebteste Politikerin Deutschlands
DigitalNaiv = Stefan PfeifferDigitalNaiv
2026-01-22

Trump dominiert die Schlagzeilen – und verändert dabei unsere Sprache. Medien übernehmen Begriffe, die Drohung verharmlosen und Völkerrecht verwischen. Wir brauchen Klartext, demokratische Wachsamkeit gegen den bequemen Rückzug ins Private. Denn Wegsehen war noch nie eine Lösung.

stefanpfeiffer.blog/2026/01/22

2026-01-16

Zwischen Teheran, Washington und Kiel: Notizen aus einer aus den Fugen geratenen Gegenwart

Zeit, einige politische und gesellschaftliche Themen und Ereignisse kurz zu dokumentieren und zu kommentieren.

  1. Iran: Der wievielte Aufstand ist das?
  2. Trump und Grönland
  3. Hetze gegen Günther
  4. Kurz notiert
    1. USA: Energiewende gestoppt
    2. EU bleibt auf X – trotz allem
    3. 25 Jahre Wikipedia
    4. Dilbert-Erfinder gestorben
    5. Einer meiner “Heroes”: David Bowie

Iran: Der wievielte Aufstand ist das?

Mit Entsetzen schaue und lese ich die Nachrichten aus dem Iran. Es sieht so, dass das iranische Mullah-Regime erneut den Aufstand seiner Bevölkerung nieder schiesst und Hunderte Iranerinnen und Iraner ermordet. Momentan (Stand: 15.1.2025 abends) scheinen sich die Protestierenden aus Angst vor den mörderischen Revolutionsgarden und den ihnen hörigen Basidsch-Milizen zurückzuziehen.

Das wievielte Mal ist das nun? Ich erinnere mich nur zu gut an 2022/23. eine der größten Protestbewegungen der letzten Jahrzehnte nach dem Tod von Mahsa Amini in Polizeigewahrsam. Kann sich die Bevölkerung irgendwann aus eigener Kraft befreien? Zu wünschen ist es den Menschen im Iran, selbst wenn natürlich vollkommen offen ist, was danach käme. Vielleicht ein blutiger Bürgerkrieg? Und nein, ich glaube nicht, dass Donald Trump die Lösung für den Iran ins den Händen hält.

Trump und Grönland

Man meint, es ist eine Kasperle-Theater. Ist es aber nicht: Die Drohungen von Donald Trump, Grönland wenn nötig militärisch zu besetzen. Er will Territorium eines NATO-Landes besetzen? Undenkbar so etwas vor Jahren. Offenen Auges gefährdet er die nordatlantische Allianz. Aber ihm ist das egal, so lange er einen guten Deal macht – Imperialismus pur. Trump zeigt nicht nur den Ford-Arbeitern den Mittelfinger, er zeigt ihn uns allen in Europa und Grönland.

Wieder einmal sind die meisten Politikerinnen und Politiker sprachlos und wissen nicht, was sie tun können und sollen. Mir bleibt nur der Wunsch, dass die Europäer in allen relevanten Themen und Bereichen zusammenrücken und nationale Egoismen hintanstellen. Angesichts eines Orbán oder des polnischen Präsidenten, angesichts immer stärker werdender rechtsextremer Parteien in allen Ländern der EU bin ich nicht besonders optimistisch.

Angesichts solcher Nachrichten erscheinen einige unserer deutschen Diskussionen klein und belanglos.

Hetze gegen Günther

Die Diskussion, besser die Beschuldigungen, dass Schleswig Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther die Pressefreiheit abschaffen wolle, sind einfach nur abstrus. Auch wenn ich dazu stehe, dass er sich hätte noch klarer äußern können. Dass Nius als betroffener Köter bellt, war klar.

Die Grafik haben ich nach einer Tiefenrecherche mit ChatGPT und Prüfung der verwendeten und zugrunde liegenden Quellen von der KI erstellen lassen.

Dass zudem die Springer-Presse auf den Zug aufspringt, war auch zu erwarten. Meiner Ansicht ist nicht Nius das eigentliche Problem unserer Demokratie – das Portal und seine “Journalisten” hat Günther treffend beschrieben -, sondern es sind die Journalisten von BILD und Welt. Die treiben seit Jahrzehnten ihr Unwesen. Angesichts der braunen Bedrohung ist dies aber nun noch gefährlicher, denn sie scheinen vor Allianzen mit ganz rechts nicht zurückzuschrecken..

Nur mal so bemerkt: Nur auf Threads – Grüße an Herrn Zuckerberg – kamen jene rechten “Denker” aus ihren Löchern, als ich die Infografik dort veröffentlichte. Ich gewinne immer mehr den Eindruck, dass dies nicht mein sozialer Kanal ist. Und solange ich da bin, nutze ich die Blockieren-Funktion.

Kurz notiert

USA: Energiewende gestoppt

Nochmals ein Blick in die USA und die Folgen der Politik von Trump. Die Energiewende in den USA ist praktisch gestoppt. Gestoppte und verzögerte Projekte für Wind- und Solarenergie lassen die USA im Vergleich zu China oder Deutschland um ein Jahrhundert zurückfallen. Es lebe das Öl aus Venezuela – und möglichen anderen Quellen “abroad”.

EU bleibt auf X – trotz allem

Eine “never ending Story” Trotz aller aktuellen Kritik an X: EU-Spitzenpolitikerinnen und -Politiker und Institutionen bleiben ebenso wie ihre deutschen Pendants weiterhin auf der rechten Hetzplattform von Musk. Auf die Idee, das Fediverse zu stärken, kommen sie nicht. Wie so oft zweifele ich an der Digitalkompetenz unserer Politikerkaste. Aber das Thema ist ja auch nicht neu.

25 Jahre Wikipedia

Wikipedia, der neue Brockhaus, ist 25 Jahre alt geworden. Gut, das mit dem neuen Brockhaus ist natürlich bewusst zugespitzt, aber es ist schon Tatsache, dass viele Nutzerinnen und Nutzer heute nicht mehr im Lexikon nachschlagen, sondern dafür Wikipedia nutzen. Ja, es gibt Mängel, aber es ist immer noch ein tolles Projekt, ein Leuchtturm der Generation Internet. Dass Elon Murks eine Dreckschleuder namens Grokipedia auf den Markt gebracht hat, um das “woke” Wikipedia abzulösen, spricht nur für die Plattform. Gerade sind einige lesenswerte Beiträge zu Wikipedia erschienen – natürlich meist aus der l..versifften und überhaupt. Besonders empfehlen möchte ich “Die offene Gesellschaft und ihre Feinde II” von Ralf Heimann im Altpapier vom 15. Januar 2026 – sicher nicht nur wegen des Bezugs auf Popper.

Dilbert-Erfinder gestorben

Der Erfinder von Dilbert ist gestorben. Seine Comics über das moderne Büroleben haben meine Generation jahrelang begleitet. Leider ist Scott Adams im Alter politisch abgedriftet.

Einer meiner “Heroes”: David Bowie

“Ground control to Major Tom”: Vor 10 Jahren ist David Bowie gestorben. Für jemanden, dessen Lieblingsmusikgenre Rockmusik ist und der Baby Boomer ist, gehört Bowie auf jede Playlist, vor allem, auch weil er seinen ganz eigenen Stil hat. Da spielen nicht die von mir so geliebten Gitarren-Riffs die Hauptrolle, aber trotzdem oder vielleicht genau deswegen ist seine Musik einzigartig – und das ist ein Lob, das man wenigen Künstlern machen kann. Unvergessen für mich auch “Heroes” und “Wir Kinder vom Bahnhof Zoo”: “Dann sind wir Helden, für einen Tag!” R. i. P. und danke für die tolle Musik.

#Dilbert #Energiewende #EU #Fediverse #Freiheit #Iran #Klimapolitik #Kuratiert #Pressefreiheit #Springer #Trump #USA #Wikipedia #X #Zensur

Symbolisches Titelbild im Stil einer journalistischen Editorial-Illustration: Abstrahierte Silhouetten, eine blockierte Sprechblase und fragmentierte Kartenformen stehen für Repression, geopolitische Spannungen und mediale Konflikte. Rote Warnmarkierungen und grüne Orientierungslinien visualisieren Druck, Gegenwehr und mögliche Handlungsspielräume.
DigitalNaiv = Stefan PfeifferDigitalNaiv
2026-01-16

Brutale Gewalt im Iran, Drohgebärden aus den USA Richtung Grönland, mediale Eskalationen in Deutschland befeuert von Springer. Wieder Tage, die nicht unbedingt gute Laune machen.

stefanpfeiffer.blog/2026/01/16

2026-01-15

Aleph Alpha, Apple, Microsoft, Doc Sam: Ernüchternde Momente in IT und KI

Meine wichtigsten IT- und KI-Themen der vergangenen Tage – von Aleph Alpha bis Apple, von Microsoft bis Doc Sam, also ChatGPT Health. Dazu ein bissiger Kommentar zum Mythos KI als Heilsbringer. Diese Ausgabe von Kuratiert. konzentriert sich bewusst nur auf IT und KI. Die Kolumne soll künftig wenn möglich mit Artikeln zu einem Schwerpunkt-Komplex erscheinen.

  1. Aleph Alpha: Es war einmal ein Hoffnungsträger
  2. KI-Blamage: Apple muss sich für Gemini entscheiden
    1. News rund um Apple Home
  3. Unverzichtbar? Mal wieder die Mär rund um Microsoft
  4. Doc Sam löst Doc Google ab – News rund um ChatGPT
    1. Wer bin ich eigentlich und warum
  5. KI macht alles billiger und produktiver ? Von wegen. 💸 – Ein lesenswerter Kommentar

Aleph Alpha: Es war einmal ein Hoffnungsträger

Aleph Alpha, das Unternehmen war der Hoffnungsträger der deutschen KI-Industrie. Noch gut habe ich die Bilder von Robert Habeck unddem Aleph Alpha-Gründer Jonas Andrulis vor Augen. 2023 haben wir angesichts der damaligen Finanzierungsrunde bei #9vor9 die Frage gestellt, ob das Unternehmen mit seinem Large Language Model (LLM) mit den Großen mithalten kann.

Heute wissen wir, dass es im Bereich LLM nicht mithalten kann. Das Unternehmen strukturiert um. Gründer Jonas Andrulis zieht sich zurück und baut Stellen ab. Man halte – so das typische Sprech offiziöser Pressemitteilung -weiter an dem Ziel fest, KI‑Lösungen für europäische Unternehmen und Institutionen zu entwickeln. Ich interpretiere so, dass man mehr in das Lösungs- und Beratunsgeschäft gehen will und die Produktentwicklung abgehakt hat.

Mit Andrulis tritt ein, wenn nicht der Kopf der deutschen KI-Szene erst einmal ab.

KI-Blamage: Apple muss sich für Gemini entscheiden

Eher vernichtende Kommentare und Berichte muss gerade auch Apple über sich ergehen lassen, nachdem nun offiziell ist, dass man Google’s Gemini als KI-Modell verwenden wird – ob erst einmal oder „für immer“, das ist dahingestellt. Die Nachricht ist aber klar das Eingeständnis, dass Cupertino mit seiner eigenen „Apple Intelligence“ krachend gescheitert ist: „Apple kapituliert: Siri bekommt ein Gehirn von Google“ und „Lieber einen Deal mit dem Erzrivalen eingehen als weiter hinterherhinken.“ schreibt beispielsweise Jörg Schieb.

Google bzw. der Mutter-Konzern Alphabet dagegen können jubeln. Jahrelang war die Google-Suche die präferierte Suchmaschine, nun ist Google Gemini die Basis der Künstlichen Intelligenz, die auf Apple iPhone’s, iPad’s und Mac’s läuft – sicher nicht zum Nachteil der Werbeeinnahmen von Google. Vor allem aber muss Google nicht mehr 20 Milliarden US $ für die Bevorzugung seiner Suchmaschine zahlen, sondern bekommt sogar noch Geld von Apple – angeblich eine Milliarde US $ pro Jahr.

„Auf Dauer wird sich Apple diese Abhängigkeit nicht leisten wollen“, schreibt Holger Schmidt im FAZ Newsletter Digitalwirtschaft (€). Wollen und können sind aber wohl verschiedene Dinge, wenn es um Apple und Künstliche Intelligenz geht. Zu befürchten ist, dass man die vollmundigen Data Privacy-Versprechungen, die rund Apple Intelligence gemacht wurden, in die Tonne treten kann. „AI for the rest of us ist eine fette Aussage und daran wird sich Apple messen lassen müssen. Kann Apple insbesondere mit Google und Microsoft mithalten oder sogar mehr?“, habe ich nach unserem Podcast #9vor am 11. Juni geschrieben. „Das war ein hohles Versprechen, das nie eingelöst wurde.“

News rund um Apple Home

Aus dem Apple-Universum gibt es noch einige Nachrichten, die ich für erwähnenswert halte, vor allem weil ich im Apple-Ökosystem verhaftet bin. Sir Apfelot schreibt über Verbesserungen der KI-Funktionen mit iOS 26.4, macOS 26.4 und Co. Siri werde persönlicher. Na ja, angesichts der Gemini-Ankündigung verblassen die etwas.

Relevanter für mich sind Änderungen im Bereich Smart Home von Apple. Die alte Home-App bzw. die alte Apple-Home-Architektur wird wohl abgeschaltet. Das sollte aber für mich keinen Einfluss haben. Meine Apple TV und die HomePods sind auf aktuellem Stand. Abkassieren könnte Apple dagegen, wenn es einen HomePod mit Monitor auf den Markt bringt. Das würde die Steuerung meiner Eve-Heizungsthermostate erleichtern, gerade auch für meine Mutter, die öfters zu Besuch ist. Die Soft-Tasten der Theromostate sind doch sehr „touchy“, so dass man auf die App angewiesen ist. Aber auch beim neuen HomePod scheint das bisherige Siri ein Hinderungsgrund zu sein, dass die Auslieferung verzögert.

Ein Grund, warum ich nicht aus dem Apple-Ökosystem weg komme sind die Smart Home-Komponenten. Darüber hinaus steuere ich PV-Anlage und Wallbox über entsprechende Apps. All das und warum mich all die separaten Zusatz-Apps tierisch stören, die ich für meinen Dyson Cooler und mein Xiaomi-Ventilator so stören, ist vielleicht einmal Thema eines gesonderten Beitrags.

Unverzichtbar? Mal wieder die Mär rund um Microsoft

Weiterhin nicht verstehen kann ich, dass angesichts der aktuellen Lage und des Verhaltens von Microsoft (z.B. Sperrung von E-Mail-Konten) jemand hingehen kann und hämisch darüber „berichtet“, dass Airbus nicht dem Umstieg von Microsoft Office auf Google Workspace schafft. Es wird kolportiert, dass Microsoft Office halt einfach unverzichtbar sei. Natürlich ist der Verfasser in seinem Beruf mit Microsoft und deren Technologie verflochten.

Ist Microsoft Office unverzichtbar? Ich glaube nicht, aber man muss sicher einen nennenswerten Aufwand betreiben, um seine Excel-Tabellen mit Verbindungen und Formeln, seine Word-Vorlagen mit Makros und seine Managementpräsentationen auf Basis Powerpoint zu ersetzen. Doch ist das meiner nach angesichts des konkreten Verhaltens von Microsoft und des Ziels einer höheren digitalen Souveränität absolut anstrebenswert. Entstehen durch einen solchen Umstieg umkalkulierbare Kosten?

Es scheint mit aller Vorsicht so zu sein, dass enorme Lizenzkosten beim Umstieg auf Open Source-basierte Lösungen eingespart werden können – siehe die derzeit vorliegenden Zahlen aus Schleswig Holstein. Und diese Einsparungen sollten die Entwicklung einer analogen Funktionalität zu besagten Makros und Formeln querfinanzierten können – wobei sich insbesondere bei den beliebten Management-Präsentationen auf Basis Powerpoint auch die Frage gestellt werden sollte, ob diese wirklich notwendig sind.

Gerade die öffentliche Hand könnte bei den viel zitierten Fachverfahren, die wohl vor allem mit Word und Excel integriert sind, genügend Druck ausüben, damit ein Wechsel zu Libre Office und vergleichbaren Tools möglich wäre. Das ist aus meiner Sicht nur eine Frage des politischen Wollens, wo gerade auch die SPD kläglich versagt und lieber mit Microsoft ins Bett geht. Da kann die SPD-Justizministerin Stefanie Hubig noch sei sehr europäische KI-Lösungen fordern, um die Abhängigkeit von Microsoft & Co. zu verringern.

Doc Sam löst Doc Google ab – News rund um ChatGPT

Zum Abschluss geht es um Nachrichten und Anwendungen rund um ChatGPT. Mit ChatGPT beziehungsweise dem Bildgernator erstelle ich derzeit die Titelbilder meines Blogs auf der Basis einer Style- und Prompt-Library, die ich im Dialog mit ChatGPT erstellt habe. Interessant ist, das mit identischen Prompts sehr unterschiedliche Bilder bei ideogram.ai, Gemini (das immer noch mit dem Generieren von Bildern im 16:9 Format zu kämpfen hat) und eben ChatGPT erzeugt werden.

Eine gute Freundin hat seit langer Zeit mit ihrem Knie Probleme. Es wurde operiert, was aber den Zustand nicht verbessert hat. Im Gegenteil. Sie zweifelt unterdessen an den oft sich widersprechenden Diagnosen vieler Ärzte. ChatGPT liefere ihn oft bessere Aussagen als die Ärzte. Zuerst einmal in den USA treibt Open AI diese Entwicklung weiter. Dort ist in einigen Regionen unterdessen ChatGPT Health verfügbar. Dr. Google wird durch Dr. ChatGPT oder besser Doc Sam abgelöst.

In ChatGPT Health soll all das zusammentragen kann, was sonst in Dutzenden Apps und Portalen verteilt ist: Laborwerte, Arztberichte oder Schritt- und Schlafdaten aus Apple Health & Co. Einmal verbunden, soll die KI auf einmal verständliche Antworten liefern und sogar individuelle Tipps zu Ernährung, Training und Arztgesprächen ableiten – oder zumindest so tun.

ChatGPT Health soll keine Diagnosen stellen oder Ärzte ersetzen. Daten werden, so Open AI, separat und mit hoher Sicherheit behandelt – und sollen nicht zum Training der KI genutzt werden. Trotzdem bleibt die Frage: Wollen wir wirklich sensibelste Gesundheitsdaten mit einer profitgetriebenen KI teilen? Und was ist den Halluzinationen, den Märchengeschichten und falschen Fakten, die fast alle KI’s derzeit noch liefern?

Wer bin ich eigentlich und warum

So findest du heraus, was ChatGPT alles über dich weiß : Dafür kannst du im Chat einfach Fragen wie „Was weißt du über mich?“ oder „Wie heiße ich und wo arbeite ich?“ eingeben. Ruhig mal ausprobieren. Auch in den anderen Large Language Models.

Einen ähnlichen Hype gibt es derzeit in der Blogosphäre. Da lassen viele Kolleginnen und Kollegen von ChatGPT oder einer anderen KI ihren Blog charakterisieren. Einfach das jeweilige LLM fragen: „Analysiere bitte diesen Blog unter [Adresse hier einsetzen].“

KI macht alles billiger und produktiver ? Von wegen. 💸 – Ein lesenswerter Kommentar

Schließlich noch zum Abschluss noch der Hinweis auf einen bemerkenswerten IMHO (In My Humble Opinion – Meiner bescheidenen Meinung nach) von Markus Feilner, der unter dem Titel „KI – Jetzt wird es teuer für alle“ leider nur noch kurz frei verfügbar sein wird (oder schon nicht mehr ist). Die KI-Euphorie war lange ein Spielplatz für Investoren, jetzt wird sie zum Alltagsproblem. Markus Feilner beschreibt nüchtern, wie aus dem vermeintlichen Innovationswunder eine gigantische Kostenmaschine wird: Strompreise explodieren, Steuergelder fließen in Rechenzentren, Atom- und Kohlekraft erleben ein schmutziges Comeback. Während Tech-Konzerne Sondertarife erhalten, zahlen Privathaushalte die Rechnung – direkt über die Stromrechnung oder indirekt über Subventionen.

Besonders bitter: Der versprochene Nutzen bleibt meist aus. 95 Prozent der KI-Projekte scheitern, Produktivität stellt sich kaum ein, dafür wachsen Sicherheitslücken, technischer Schuldenberg und Energiehunger. Feilners Text liest sich wie ein Abgesang auf ein Management, das einem Phantom hinterherläuft – und dabei Klima, Staatsfinanzen und digitale Souveränität riskiert. Sein Fazit ist unbequem, aber schwer zu ignorieren: Der KI-Hype wirkt weniger wie ein technologischer Durchbruch und mehr wie ein riskantes Finanzexperiment. Die Frage ist nicht mehr, ob es teuer wird – sondern für wen zuerst.

#9vor #9vor9 #AI #AlephAlpha #Apple #ChatGPT #Energieverbrauch #Gemini #Gesundheit #Google #Health #KI #Kuratiert #LLM #Microsoft

Die Illustration verdichtet zentrale Themen aus IT und Künstlicher Intelligenz zu einer klaren, symbolischen Komposition. Ein gesichtsloser KI-Arzt („Doc Sam“), ein von einer Suchlinse durchdrungener Apfel, eine energiehungrige Maschinenstruktur und ein angefressenes Tabellenblatt stehen für Vertrauensfragen, Abhängigkeiten, Kosten und den Mythos technologischer Alternativlosigkeit. Die reduzierte Farbgebung und die geometrische Formsprache unterstreichen den analytischen, journalistischen Blick auf aktuelle KI-Entwicklungen. Oben markieren „Kuratiert.“ und „IT & KI“ das Format und den thematischen Schwerpunkt.
DigitalNaiv = Stefan PfeifferDigitalNaiv
2026-01-15

Meine wichtigsten IT- und KI-Themen der vergangenen Tage – von Aleph Alpha bis Apple, von Microsoft bis Doc Sam, also ChatGPT Health. Dazu ein bissiger Kommentar zum Mythos KI als Heilsbringer. Diese Ausgabe von . kbehandelt nur Themen aus und .

stefanpfeiffer.blog/2026/01/15

DigitalNaiv = Stefan PfeifferDigitalNaiv
2026-01-14

KI macht alles billiger? Von wegen. 💸
Der von @mfeilner zeigt, warum der KI-Boom gerade dabei ist, zur Kostenfalle für Privathaushalte und Steuerzahler zu werden: explodierende Strompreise, Subventionen für Rechenzentren, fossile Energie als Comeback-Kid. Und der versprochene Produktivitätsschub? Bleibt meist aus.
👉 Der Artikel ist nur noch kurz frei verfügbar – - Golem.de golem.de/news/ki-jetzt-wird-es

DigitalNaiv = Stefan PfeifferDigitalNaiv
2026-01-12

Ein Tweet über X, der fassungslos macht, ein Kanzler, der Arbeit neu verstehen muss, KI, die doch nicht so produktiv macht, und ein Deutschland, das hoffentlich doch nicht so gespalten ist? Die vergangenen Tage rein persönlich
.

stefanpfeiffer.blog/2026/01/12

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2024-08-11

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2023-12-19

Was ist eigentlich #Flipboard und wieso sollte das wichtig fürs #Fediverse sein, ist doch einfach nur #kuratiertes #RSS.

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