Des Winters joggen, ohne sich den Hals zu brechen
Dieser Beitrag nahm Anfang Januar seinen Lauf. Auf meiner Nordrunde – ich spreche vom Jogging – lag auf den Strassen an der Nordseite des Lindbergs ein bisschen Schnee. Und es gab fiese Eisflächen. Viele waren gut erkennbar. Aber einige tarnten sich geschickt.
Manche Läufer erkannten sie nicht. Oder erst in dem Moment, als sie flach auf ihren drauflagen. Und ja, ich spreche von mir – in meinem Fall schaffte das Klarheit. Ich erlebte das nicht nur einmal, sondern (und dieser Umstand trug mir die Bezeichnung «Dummkopf» ein) viermal. Zu meiner Verteidigung sei gesagt, dass ich vom zweiten bis letzten Mal langsam vorsichtig unterwegs war, doch mit den Laufschuhen dennoch zu wenig Halt auf dem vermaledeiten Untergrund fand.
Das Resultat war eine schmerzhafte Prellung, die keinen Zweifel daran liess, dass sich derlei Vorfälle nicht wiederholen sollten. Als sie so weit nachgelassen hatte, dass ich mich wieder nach draussen traute, war eine alternative Route gefragt: in der üblichen Länge, aber ohne die gefährlichen Waldpassagen.
Die Winter-Karte mit dem Expositions-Layer zeigt, wo es gefährlich werden könnte.
Eine Gelegenheit, die Routenfunktion von Strava auszuprobieren. Für die braucht es ein Abonnement, das ich aus Gründen seit letztem Jahr habe. In der Rubrik Karten stecken wir unsere Route manuell ab, wobei in der sogenannten Heatmap die für die jeweilige Sportart anzeigt, wie beliebt ein Segment (Streckenabschnitt) ist: Nach dem Prinzip der Schwarmintelligenz führen wir unseren Weg entlang der Strassen und Wege, die von den Sportlerinnen und Sportlern unter den Stravaianer:innen fleissig benutzt wurden.
Die blauen Bereiche meiden!
Über die Layer gibt es diverse Ansichten, die bei der Planung helfen: POI (Points of Interest oder Sehenswürdigkeiten), Lawinengefahr, Neigung und Exposition. Für eine Route ohne harte Landungen ist diese letzte Ebene die richtige: Sie zeigt in Rot und Blau die Süd- bzw. Nordhänge. Wir meiden die blauen Bereiche, weil dort vereiste Strassen zu befürchten sind.
Falls wir nicht händisch planen wollen, überlassen wir der Automatik die Arbeit. Wir markieren entweder einen Punkt auf der Karte und lassen uns eine Strecke von dort oder dorthin ermitteln. Oder wir geben nichts an: Dann entsteht ein Rundkurs mit unserem aktuellen Standort als Start- und Endpunkt. Uns stehen diese Einflussmöglichkeiten zur Verfügung:
- Wir geben die Sportart vor (Laufen, Trail, Spaziergang, Wandern, Radfahrt, Mountainbike oder Gravel).
- Wir wählen die ungefähre Länge (von beliebig bis 50 Kilometer fürs Joggen).
- Via Höhe geben wir an, ob die Strecke flach oder hügelig sein soll.
- Bei Belag wählen wir beliebig, asphaltiert oder Schotter.
- Und bei Schwierigkeitsgrad entscheiden wir uns für beliebig, leicht, mässig oder schwer.
Mit den beiden Optionen asphaltiert für Belag und leicht für Schwierigkeitsgrad ist das Resultat eine Route, bei der wir eine geringe Halsbruchgefahr annehmen dürfen. Und obwohl ich das Fazit vorwegnehme: Das klappte bei meiner Ausweichroute bestens. Es gab nur wenige Natursträsschen und keines davon war nur ansatzweise rutschig. Bei einem Abschnitt musste ich auf der Hauptstrasse laufen. Daran ist nicht Strava schuld, sondern die Gemeinde Stadel, die sich anscheinend keine Trottoirs leisten kann.
Eine Alternative zu Wikiloc und Komoot?
Über den Reiter am unteren Rand sind die Routen verfügbar. Sie lassen sich für die Offline-Nutzung herunterladen, bearbeiten und über den kleinen Teilen-Knopf exportieren. Über den wird nur ein Link auf die Strava-Website weitergereicht. Für zahlenden Mitglieder:innen lassen sich die Routen zum Glück (im GXP– oder TCX-Format) exportieren.
Wie gut ist diese Streckenplanung im Vergleich zu Wikiloc und Komoot? Ich wage kein abschliessendes Urteil, weil es je nach Region grosse Unterschiede gibt und es von den persönlichen Bedürfnissen abhängt. Um eine möglichst schöne Route zu finden, würde ich diesen beiden Communitys den Vorzug geben. Doch in diesem Fall hier kam ich mit der Automatikfunktion von Strava maximal schnell und unkompliziert zu meiner Route.
Die Navigation erfolgt ohne Ansage anhand der Kartenansicht.
Bleibt eine abschliessende Frage: Kann man sich mit der Strava-App navigieren lassen? Die Antwort ist ja: Wir drücken bei der fraglichen Route auf den Startknopf.
Zwei Probleme gibt es damit:
- Die App betreibt keine Turn-by-Turn-Navigation, d. h., zeigt die Route am Display zwar an, gibt aber keine Instruktionen fürs Abzweigen durch.
- Dabei wird die Aktivität aufgezeichnet. Das ist überflüssig, wenn wir fürs Tracking eine Sportuhr verwenden.
Ich nutze die Fenix von Garmin für die Aufzeichnung, die mit Strava verbunden ist. Das führt zu einer unerwünschten Verdoppelung der Route. Ich muss daher die Strava-Aufzeichnung hinterher löschen. Falls genügend Zeit vorhanden ist, lohnt es sich auf alle Fälle, die geplante Route zu exportieren und über eine Navigations-App oder die Sportuhr zu nutzen.
Beitragsbild: Am 11. Januar war die Strecke verschneit, teilweise mit Hindernissen versehen, aber noch nicht rutschig. Auf dem Arsch gelandet bin ich erst sechs Tage später.
#Karten #Sport