Wie der Linux‑Kernel seine Zukunft absichert!
Die Linux‑Kernel‑Community hat nach über 30 Jahren Projektgeschichte erstmals einen formalen Project Continuity Plan verabschiedet. Ziel dieses Dokuments ist es, verbindlich zu regeln, wie die technische Gesamtverantwortung für den Linux‑Kernel neu organisiert wird, falls der derzeitige Haupt‑Maintainer Linus Torvalds unerwartet ausfällt oder sich planmäßig aus seiner Rolle zurückzieht. Damit reagiert das Projekt auf ein bislang bestehendes strukturelles Risiko, da nahezu alle finalen Merge‑Entscheidungen zentral bei einer einzelnen Person liegen.
Der Continuity Plan verzichtet bewusst auf die Benennung eines festen Nachfolgers. Stattdessen definiert er einen prozessorientierten Ansatz zur Bestimmung der künftigen Projektleitung. Im Ereignisfall ist ein Organizer üblicherweise der Organisator des zuletzt abgehaltenen Linux Maintainer Summit, ersatzweise der Vorsitzende des Technical Advisory Board (TAB) der Linux Foundation verpflichtet, innerhalb von 72 Stunden ein Entscheidungsgremium einzuberufen. Dieses Gremium setzt sich aus den eingeladenen Teilnehmern des letzten Maintainer Summit sowie Mitgliedern des Technical Advisory Board zusammen.
Das einberufene Gremium hat einen Zeitraum von bis zu zwei Wochen, um über die zukünftige Struktur der Kernel‑Leitung zu beraten und eine Entscheidung herbeizuführen. Der Plan lässt dabei mehrere Organisationsmodelle ausdrücklich zu. Neben der Ernennung eines einzelnen neuen Haupt‑Maintainers sind auch kollektive Führungsmodelle oder alternative Governance Strukturen möglich. Die getroffene Entscheidung ist der Kernel‑Community anschließend transparent und öffentlich zu kommunizieren.
Mit diesem Verfahren soll insbesondere das sogenannte Bus‑Factor‑1‑Risiko reduziert werden, das sich aus der bisherigen Konzentration der finalen Verantwortung auf Linus Torvalds ergibt. Der Artikel weist darauf hin, dass in der aktuellen Maintainer‑Struktur Greg Kroah‑Hartman, langjähriger Maintainer der stabilen Kernel‑Releases, faktisch als naheliegender Kandidat gelten könnte. Der Continuity Plan vermeidet jedoch bewusst eine solche Festlegung, um im Bedarfsfall flexibel auf personelle, organisatorische und technische Rahmenbedingungen reagieren zu können.
Der Plan ist nicht als Hinweis auf einen unmittelbar bevorstehenden Führungswechsel zu verstehen. Linus Torvalds ist derzeit 56 Jahre alt, weiterhin aktiv als Haupt Maintainer tätig und hat nach Angaben des Artikels keine Absicht, sich in absehbarer Zeit aus dem Projekt zurückzuziehen. Vielmehr stellt der Project Continuity Plan eine präventive Maßnahme dar, die der langfristigen Stabilität eines zentralen Open‑Source‑Infrastrukturprojekts dient. Vor dem Hintergrund einer alternden Maintainer Basis und zunehmender Schwierigkeiten bei der Gewinnung neuer Kernel Maintainer schafft der Plan einen klar definierten Rahmen für den Umgang mit einem möglichen Führungsvakuum.
Quelle: https://www.zdnet.com/article/linux-community-project-continuity-plan-for-replacing-linus-torvalds/
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