Nö!
Ich habe keinen Fernseher. Kein Radio. Ich streame nicht. Und ich meide den ÖRR bewusst.
Nicht aus Pose. Nicht aus Überlegenheit. Sondern weil mein Takt nicht mehr kompatibel ist mit dem Takt der Beschallung.
Was mir fehlt, ist nicht „Unterhaltung“. Was mir fehlt, ist im System nicht vorgesehen: ein Ort für Werkstatt-Zeit.
Nicht Pause. Nicht Erholung, um danach wieder besser zu funktionieren. Sondern Zeit, in der Denken keinen Auftrag hat. Zeit, in der Wahrnehmung nicht gerahmt wird. Zeit, in der Bedeutung nicht vorformatiert ist.
Das „falsche Leben“ kennt zwei Modi: Konsum oder Funktion.
Entweder man lässt sich bespielen oder man spielt seine Rolle.
Ein dritter Modus – Verdichtung ohne Verwertung, Denken ohne Output-Zwang, Gegenwart ohne Programmschiene – kommt darin nicht vor.
Mit einem Behinderungsgrad von 25 % bin ich formal berücksichtigt. Praktisch aber bleibt der Takt derselbe: Sei pünktlich, sei verfügbar, sei anschlussfähig.
Abweichende Rhythmen sind vorgesehen nur als Abweichung vom Soll, nicht als legitime Eigenzeit.
Die Werkstatt, in die ich mich zurückziehe (nimmermehr.rip, Infologie, Dorfzwockel, Schreiben, Bilder, Modelle), ist keine Stille. Sie ist Aktivität in einer anderen Tonlage.
Nicht laut. Nicht hektisch. Nicht algorithmisch getaktet.
Eher dicht. Konzentriert. Ohne Jingle. Ohne Eilmeldung. Ohne die permanente Suggestion, dass das, was gerade blinkt, wichtiger sei als das, was sich langsam formt.
Ich verpasse damit den gemeinsamen Takt. Die kollektiven Erregungen des Abends. Die Themen, über die man morgen spricht, weil man sie gestern gemeinsam gesehen hat.
Das ist ein Preis. Aber es ist ein bewusster.
Denn die eigentliche Verwerfung liegt woanders: Das falsche Leben kennt Pausen – aber keine Werkstätten.
Es kennt Erholung, aber nur, um wieder funktionstüchtig zu sein.
Es kennt Inklusion, aber nur als Anpassung an denselben Takt.
Was darin fehlt, ist ein legitimer Ort für Eigenrhythmus. Für Denken ohne Sendeschluss. Für Wahrnehmung ohne Dramaturgie. Für Gegenwart ohne Dauerhype.
Vielleicht ist das unzeitgemäß. Vielleicht auch nur unpraktisch.
Aber es ist der Ort, an dem mir die Welt nicht entgleitet, sondern langsam wieder lesbar wird.
Und manchmal reicht das.
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