@
jeSuisatire neindochohh ᘛ⁐̤ᕐᐷ Deinen Worten liegen jede Menge Fehlannahmen zugrunde.
Erstens die Fehlannahme, daß es bei ausnahmslos jedem Bild etwas gibt, das im Kontext wichtig ist, und sehr viel mehr, das im Kontext unwichtig ist. Daß das Unwichtige dann beim Beschreiben des Bildes völlig ignoriert werden kann.
Das stimmt so nicht. Es gibt durchaus Bilder, bei denen auch im Kontext nichts wichtiger ist als irgendetwas anderes, bei denen alles gleichermaßen wichtig ist. Kannst du dir nicht vorstellen? Landschaftspanoramen beispielsweise. Und sei es von Stadtlandschaften.
Ich selbst habe einige Bilder gepostet, auf denen nichts im Kontext wichtiger ist als irgendetwas anderes.
Das hier oder
https://hub.netzgemeinde.eu/photo/4dbbe1c0-e25d-4ff1-8b99-9d23126f377a-0.png das hier oder
(CW: Augenkontakt) das hier oder
(CW: Augenkontakt) das hier oder
(CW: Augenkontakt) das hier. Jedes Mal ging es um die Bilder als Ganze und nicht um einzelne spezifische Elemente darin.
Zweitens die Fehlannahme, daß, wenn es einen Fokus auf bestimmte Elemente im Kontext gibt, jeder, aber auch wirklich jeder da draußen definitiv nur an diesen bestimmten Elementen interessiert ist. 100% garantiert. Da ist es wirklich unvorstellbar, daß das irgendwie auch anders sein könnte.
Das kann es aber durchaus. Bei meinen eigenen Bildern muß ich genau davon ausgehen, daß das passieren kann.
Meine Bilder sind keine Real-Life-Fotos. Meine Bilder sind keine Screenshots von sozialen Medien. Also nichts von dem, was 99% des Bilderaufkommens im Fediverse ausmacht. Meine Bilder sind Renderings aus virtuellen Welten. Noch dazu aus sehr obskuren virtuellen Welten, von denen annähernd niemand je gehört hat.
Die allermeisten Menschen glauben ja, das Thema "virtuelle Welten" und "Metaverse" hat sich ein für allemal erledigt. Das war eine Totgeburt. Das ist nicht passiert, das wird nie passieren. Während es den allermeisten komplett am Arsch vorbeigeht, dir wahrscheinlich auch, gibt es aber auch diejenigen, die darüber traurig sind, die aber trotzdem nicht wissen, daß es tatsächlich existierende virtuelle Welten gibt.
Dann komme ich daher mit Bildern aus virtuellen Welten. Nicht KI-erzeugt, sondern tatsächlich in wirklichen virtuellen Welten gerendert. Noch dazu mit dem Hashtag
#Metaverse, denn die Welten, in denen ich mich bewege, verwenden den Begriff "Metaverse" nicht nur im täglichen Sprachgebrauch, sondern nachweislich schon seit 2007, 14 Jahre länger als Zuckerberg.
Da hängen dann doch solche Leute vor Aufregung ganz vorne auf der Stuhlkante. Was machen die dann, angenommen, auf den Bildern sind im Kontext nur ein paar Dinge wichtig? Gucken die sich nur die wichtigen Dinge an? Überfliegen sie die Bilder nur?
Nein, tun sie nicht. Statt dessen gucken sie sich all die ganzen Details im Bild an. Wichtig oder nicht. Immerhin haben sie gerade eine ganz neue Welt entdeckt. Ach was, ein ganz neues Universum! Ein virtuelles 3-D-Universum. Etwas, was sie so sehnsüchtig erwartet hatten, wovon sie aber bis vor fünf Sekunden annahmen, so etwas würde es nie geben. Und wie sich herausgestellt hat, gibt es das tatsächlich! Und jetzt gehen sie mit ihren Augen in diesem neuen Universum auf spannende Entdeckungsreise.
Aber was, wenn so eine Person blind oder sehgeschädigt ist? Dann kann sie das Bild nicht sehen. Dann kann sie nicht auf Entdeckungsreise in diesem neu entdeckten Universum gehen. Aber vielleicht will sie das trotzdem. Und Inklusion und Barrierefreiheit bedeuten, daß sie dazu dieselben Chancen haben muß wie sehende Personen.
Damit diese blinde oder sehgeschädigte Person diese Chancen hat, muß ich also jedes Bild bis in alle Details beschreiben. Übrigens kann ich deshalb nur noch relativ einfache Bilder posten, die keinen großen Beschreibungsaufwand mit sich bringen, weil sie kaum Details enthalten. Bilder wie
(CW: Augenkontakt) dieses kann ich heute nicht mehr posten.
Drittens die Fehlannahme, daß es nur um visuelle Beschreibungen geht.Ich kann nur insofern zustimmen, daß
Alt-Text niemals Erklärungen enthalten darf, weil nicht jeder auf Alt-Texte zugreifen kann.
Damit komme ich auch zur
vierten Fehlannahme, die auf Mastodon extrem weit verbreitet ist: Bildbeschreibung ist immer gleich Alt-Text. Tatsächlich ist es nur dann ein Alt-Text, wenn es
hinter dem Bild liegt als Ersatz für das Bild. Wenn es hingegen im Post über oder unter dem Bild steht,
ist es kein Alt-Text. Dann ist es einfach nur eine Bildbeschreibung.
Ich lese immer wieder von Mastodon, daß Alt-Texte nicht nur nützlich für Blinde oder Sehbehinderte sind. Daß sie auch erklären können, was das Bild zeigt, damit diejenigen, die von dem, was auf dem Bild ist, keine Ahnung haben, es verstehen. Noch einmal: Das gehört nicht in den Alt-Text.
Wenn man allerdings eine zusätzliche lange Bildbeschreibung im Post selbst hat, dann sind darin Erklärungen durchaus nicht nur erlaubt, sondern erwünscht. Genau diese Erklärungen fordert Mastodon ein.
Natürlich muß man dann auch zusehen, daß die Erklärungen verständlich sind. Eine der Regeln der Bildbeschreibungen ist ja, keine Fachsprache und keinen Fachjargon zu verwenden oder, falls das absolut unausweichlich ist, die Fach- oder Jargonbegriffe an Ort und Stelle sofort zu erläutern. Je nischiger und obskurer der Bildinhalt und/oder das Thema des Bildes ist, kann das durchaus dazu führen, daß man auf drei, vier, fünf Ebenen erklären muß, bis man beim Wissensstand des Publikums angelangt ist, auf dem man aufbauen kann.
Das widerlegt auch
die fünfte Fehlannahme, die hier meines Erachtens zumindest impliziert ist und ihrerseits auch weit verbreitet ist:
Die Leute können doch fragen, wenn sie etwas wissen wollen.Sie wollen aber nicht fragen. Sie wollen nicht fragen müssen. Selbst googlen wollen sie auch nicht. Ach ja, und Links zu Erklärungen wollen sie auch nicht, denn dann geht ihr Browser auf (weil ja heutzutage jeder nur Apps benutzt), und Websites hinter Links sind nicht garantiert barrierefrei, und sie mißtrauen Links generell und so weiter und so fort. Nein, statt dessen hat alles bitteschön an Ort und Stelle im Post erklärt zu werden. Und zwar so, daß jeder es versteht, ohne noch einmal nachhaken zu müssen.
Den Leuten zuzumuten, sich fehlende Informationen eigenmächtig zu beschaffen, ist anmaßend und, wenn es besonders auch Menschen mit Behinderungen trifft, ableistisch. Mag sein, daß einige wenige das anders sehen und durchaus bereit sind, wegen einzelner Details oder Erklärungen nachzufragen. Aber diese Attitüde existiert, zumal viele Mastodon-Nutzer erwarten, auf Mastodon in jeglicher Hinsicht in Watte gepackt zu werden, und diese Erwartungen auch vollumfänglich erfüllt sehen wollen.
Sechstens die implizierte Fehlannahme, daß Mastodons Alt-Text-Polizei eine homogene, in sich geschlossene, koordiniert agierende Gruppe ist, siebtens die implizierte Fehlannahme, daß Mastodons Alt-Text-Polizei im Auftrag der Blinden und Sehgeschädigten handelt, um die Erfüllung derer konkreten Bedürfnisse einzufordern, und achtens die implizierte Fehlannahme, daß Mastodons Alt-Text-Polizei selbst blind oder sehbehindert ist.Auch das ist alles falsch. Die Alt-Text-Polizei ist samt und sonders sehend. "Alt-Text-Polizei" ist nämlich nicht, wenn man sich einfach nur wünscht, daß Bilder beschrieben werden. "Alt-Text-Polizei" ist, wenn man nicht nur Bildbeschreibungen und Alt-Texte mit aller Härte einfordert, sondern deren Fehlen nach eigenem Ermessen sanktioniert und inzwischen auch im eigenen Ermessen Mindestanforderungen an ausreichende Alt-Texte und Bildbeschreibungen stellt und auch deren Nichteinhalten sanktioniert.
Allein deswegen kann die Alt-Text-Polizei nur sehend sein: Um die Einhaltung der Mindestanforderungen zu überprüfen, müssen Alt-Text-Polizisten ihrerseits in der Lage sein, die beschriebenen Bilder einwandfrei zu sehen, um sie dann mit den Beschreibungen abgleichen zu können.
Außerdem sprechen sich Alt-Text-Polizisten untereinander nicht ab. Die kennen sich gegenseitig vielfach überhaupt nicht. Das sind alles einsame Wölfe, die auf eigene Faust agieren.
Sie glauben auch nur zu wissen, was die Blinden und Sehgeschädigten wollen. Mit denen sprechen sie sich nämlich auch nicht ab. Weil die Blinden und Sehgeschädigten fast ausnahmslos und die Alt-Text-Polizei tatsächlich ausnahmslos auf Mastodon ist, haben sie gar nicht die Möglichkeit, sich effektiv auszutauschen, weil puristisches Mikroblogging dafür völlig ungeeignet ist.
Und so stellt jeder Alt-Text-Polizist andere Mindestanforderungen an tolerable Alt-Texte und Bildbeschreibungen. Häufig sind diese um einiges höher als das, was den allermeisten Blinden oder Sehgeschädigten nach deren eigenen Aussagen tatsächlich genügen würde.
Es geht längst nicht mehr nur darum, daß es überhaupt einen Alt-Text gibt. Nein, dieser Alt-Text muß garantiert zu 100% handgeschrieben sein, er muß 100% akkurat sein (im Gegensatz zu KI-Slop, weshalb KI-Beschreibungen nicht toleriert werden), alle Texte im Bild müssen im Alt-Text Wort für Wort, Zeichen für Zeichen haargenau transkribiert sein, und er muß einen gewissen Mindestdetailgrad erreichen. Wo dieser Mindestdetailgrad liegt, liegt im Ermessen jedes einzelnen Alt-Text-Polizisten.
Ich schreibe meine Bildbeschreibungen auch für die Alt-Text-Polizei. Zum einen möchte ich ihr signalisieren: Ja, ich gebe mir Mühe. Ich mache mir Gedanken darüber, was eine gute Bildbeschreibung braucht, und ich setze das dann auch um. Und ich betreibe hier keine nachlässige Schlamperei und lasse keine Details aus, die vielleicht irgendjemanden interessieren könnten.
Zum anderen ist damit weitestgehend garantiert, daß ich bis auf weiteres die Mindestanforderungen wirklich aller Alt-Text-Polizisten erfülle. Daß idealerweise die Bildposts, die ich heute schreibe, auch noch die Anforderungen erfüllen werden, die die Alt-Text-Polizisten in fünf Jahren haben werden, wenn sie ihre Mindestanforderungen noch weiter nach oben geschraubt haben.
Die einzige Anforderung, die ich meistens nicht erfüllen kann, ist, alle Texte im Bild im Alt-Text zu transkribieren. Wenn ich Texte habe, sind die meistens so zahlreich, daß ich nicht alle Transkripte in 1.500 Zeichen untergebracht bekomme, schon gar nicht mit den notwendigen begleitenden visuellen Beschreibungen. Daher weisen meine Alt-Texte auf die Langbeschreibungen hin und darauf, daß alle Texte im Bild in der Langbeschreibung transkribiert sind. Aber ich rechne damit, daß das schon heute nicht mehr ausreichend ist und eigentlich sanktioniert gehört und ich nur deshalb damit davonkomme, weil die Reichweite meiner Bildposts so minimal ist.
CC: @
bommel#
Long #
LongPost #
CWLong #
CWLongPost #
LangerPost #
CWLangerPost #
FediMeta #
FediverseMeta #
CWFediMeta #
CWFediverseMeta #
AltText #
AltTextMeta #
CWAltTextMeta #
Bildbeschreibung #
Bildbeschreibungen #
BildbeschreibungenMeta #
CWBildbeschreibungenMeta #
AltTextPolizei #
Barrierefreiheit #
Inklusion #
Ableismus #
AbleismusMeta