#QWERTZ

#folge49 #DieVierJahreszeiten

Was manche Kunden wirklich gut können: Agenturen warten lassen. Als wäre es ein Naturgesetz, gehört das auf die Folter spannen bei Zu- oder Absagen zu nahezu allen Ausschreibungen. Oft Monate lang. Das macht was mit den Agenturmenschen.

✓ Subscribed

Wir Agenturmenschen haben eine Vielzahl an Eigenschaften. Wir sind dienstbeflissen. Wir sind devot. Wir sind zu allem bereit und, natürlich, zu allem in der Lage. Wir wissen, was unsere Arbeit wert ist, auf Heller und Pfennig, auf Euro und Cent, in allen Währungen, wenn gefordert – nur nicht, wenn der Geschäftsführer zum Personalgespräch bittet oder ein Kunde uns seinen Einkauf ins Haus schickt.

Wir sind eben Dienstleister.

Wir sind patent, wir sind potent, wir sind promisk. Wir sind trinkfest. Wir sind gesellig – ohne Unterschied, ob es wahre Freundschaft oder ob es potenzielle Kundschaft ist.

Was wir nicht sind: geduldig.

Wie die Zeit vergeht

Wir saßen einmal mehr in unserem gläsernen War Room, Qwertz, mein Lieblings-Teamlead, und ich, Buddy Müller, Senior Project Supervisor der weltweit größten Content-Marketing-Agentur Deutschlands.

„So schnell“, seufzte ich, „ist die Zeit vergangen.“

Es war Herbst.

Draußen wie drinnen gilbten und fielen die Blätter, draußen von den Bäumen, drinnen von den Wänden und Flipcharts. Alles beugte sich dem Diktat der Alterung und der Schwerkraft.

„Es ist fast Winter“, meldete sich Brad MacCloud vom Clan der MacClouds zu Wort.

Es seien nicht mehr viele Blätter an den Bäumen, sagte mein nur für mich hörbares MacBook Pro, und bot sich an, die verbliebenen Wedel und Nadeln und sonstigen Astauswüchse in unserem Stadtviertel, gerne auch in ganz München, zu zählen. Nur so, zum Zeitvertreib, das würde ihn ablenken und seine CPU nicht mal zu einem Bruchteil auslasten.

„Passt schon“, murmelte ich, lehnte sein Angebot ab. Ich nickte hinüber zum wandfüllenden Monitor. „Da tut sich sicher gleich was.“

„Wird auch Zeit“, sagte Brad.

Ein schlagkräftiges Team unserer Agentur, jedes Gewerk, jeder Standort mit den besten Köpfen vertreten, das hatten wir auf den potenziellen Auftrag des weltweit größten Entscheidungsbremsscheibenbelagherstellers Deutschlands angesetzt.

Über viele Jahrzehnte hinweg hatte dieses außerordentlich dynamische Unternehmen vom ungebremsten Wachstum der Verantwortungsdiffusion in deutschen Unternehmen prosperiert. Das drohende Wegbrechen der Stammklientel als Folge der Wirtschaftskrise zwang das Traditionsunternehmen nun nachzudenken über neue, nie gekannte Wege in Marketing und Vertrieb, um seine Hauptabnehmer in den doppelten und dreifachen Strukturen auf Management- und mittleren Führungsebenen zu erreichen.

Als wir präsentierten, war es Frühling gewesen. Fast schon Frühling.

„Es war Januar, um genau zu sein“, korrigierte mich Brad. „Januar ist ein Wintermonat.“

Schwarzer Monitor und schwarzer Tee

Heute, nur ein paar Monate später, sollte uns die Entscheidung bekannt gegeben werden.

„Noch bevor die Weihnachtsglocken läuten“, hatte neulich der Chefeinkäufer des Entscheidungsbremsscheibenbelagherstellers in einer seiner wenigen E-Mails verkündet.

Pünktlich um elf Uhr sollte das Warten vorbei sein.

Zumindest war elf Uhr vereinbart.

Qwertz und ich starrten auf den Monitor an der Stirnseite unseres War Rooms, in der Hoffnung, dass ein Zucken, ein Flirren unseren heiß ersehnten Gesprächspartner ankündigte.

Zunächst zuckte nur Qwertz, und zwar zusammen, als Dr. No, die prohibitiv veranlagte Assistentin unseres EmmDee, des Managing Directors, den Kopf zur Glastür hereinstreckte.

„Könnten Sie uns“, fragte ich schnell, „je einen Pazienza Doppio bringen?“

„Nein“, sagte Dr. No.

Wie zu erwarten gewesen war.

Sie überraschte mich im gleichen Atemzug. „Da weiß ich was Besseres“, sagte sie. Sprach’s, verschwand und tauchte eine gute Viertelstunde später wieder auf.

In der der Monitor weiter dunkel blieb. Wie zu erwarten gewesen war.

Dr. No balancierte auf einem Tablett eine flache, gusseiserne Teekanne und schlichte Schalen aus ebenholzfarbiger Edelkeramik.

„Was ist das?“, fragte mich Qwertz und nickte in Richtung Dr. No.

„Interkollegiales Tauwetter?“, mutmaßte ich.

Ein starker, malzig-würziger Duft durchzog unseren War Room, füllte ihn mit der Illusion von Wärme und Geborgenheit.

„Assam“, erklärte Dr. No, „Very Special Spring Flush Superior.“ Denn, sagte sie, jetzt würde nur eines helfen: „Abwarten und Tee trinken.“

Mit Langmut kalkuliert

Also warteten wir und tranken und warteten und tranken.

Bis Lila Stiefelchen, unsere blonde wie blitzgescheite Praktikantin aus der Controlling-Abteilung, hereinstöckelte. Ihr X-large-Kaugummi wanderte von links nach rechts und zurück; in ihrer Rechten ließ sie lässig ein hohes, dickwandiges Glas kreisen.

Die zähe, grüne Flüssigkeit darin wehrte sich mit Erfolg gegen die Zentrifugalkraft.

„Das ist ein Buff Bitch“, erklärte sie, ein frisch geschäumter Summer Avocado Spice Protein Plus Latte Macchiato, eine Mixtur, die ihr von ihrem Mixed Martial Arts Chief Instructor gemischt worden war. Er würde stärken und beruhigen, der Drink wie der Instructor.

Lila Stiefelchen ließ sich am Tisch nieder.

„Ready when you are“, sagte sie.

Qwertz riskierte schmachtende Blicke, ob er an ihr positive Resultate des Protein-Shakes entdecken konnte.

„Langmut ist die Fähigkeit, mit unerfüllten Sehnsüchten zu leben“, kommentierte Brad MacCloud.

Auch ich warf schmachtende Blicke, allerdings auf andere Resultate: auf den Stapel ausgedruckter Excel-Sheets vor Lila Stiefelchen, gut und gerne ein paar hundert Blatt hoch, die die Kalkulationsgeschichte dieser Ausschreibung wiedergaben.

Lila Stiefelchen hatte ihrerseits bewundernswerten Langmut bewiesen.

Der Ausdruck obenauf war die jüngste Variation ungezählter Rechnungen, der Ausgang eines minutiös choreografierten Hin und Her zwischen uns und dem Kunden, das Angebot gewordene Potenzial von „hier ein Prozentchen, dort ein Promillchen“. Die finalen Zahlen verhießen viel Auslastung und mäßigen Umsatz für die Agentur, und eine Rendite, die vom nächsten Geschäftsessen mit dem Kunden aufgebraucht würde.

Zum Anfassen

Nach und nach füllte sich unser War Room mit weiteren Pitchteilnehmern. Dabei war es schon gut elf Uhr durch – wer sich nicht zeigte, war der Vertreter unseres Objekts der wirtschaftlichen Begierde.

Der Monitor blieb dunkel.

Der Art Diktator und die Art Diktatorin, die für diesen entscheidenden Pitch sogar ihr weit entferntes Homeoffice verlassen hatten, wuchteten ein paar Kilo schwarzer Pappen auf den Tisch, jede mit Entwürfen beklebt, einmal evolutionär und einmal revolutionär, sowie die Überarbeitungen und die Überarbeitungen der Überarbeitungen.

Alles Extrameilen, die zu gehen der potenzielle Kunde im Laufe der Monate verlangt hatte.

Die Kolleg*innen vom UX-Design, gleichmütig, bleichgesichtig, die dürren Gestelle in androgyne, olivfarbene Pullis gehüllt, legten stöhnend noch ein paar Kilo Pappen obendrauf – ihre Entwürfe zu den digitalen Welten, die der Entscheidungsbremsscheibenbelaghersteller für sich entdecken sollte.

Magazinseiten und Newsletter, intern wie extern, Logos, Visuals, CI, CD, Kampagnenkonzepte und Postvorschläge für fünf Kanäle sowie die zugehörigen Bildsprachen – die Ausschreibung hatte uns durch die Monate getrieben, denn mit jeder Nachfrage des potenziellen Kunden legten wir nach, einmal, zweimal, dreimal, um die aus uns nicht genannten Gründen ausstehende Entscheidung zu unseren Gunsten zu beeinflussen.

„Alles ausgedruckt“, sagten der Art Diktator und die Art Diktatorin unisono und klopften auf die Pappen. „Wegen der Haptik!“ Denn was man anfassen könne, sehe auch gleich viel besser aus.

„Das meint mein Mixed Martial Arts Chief Instructor auch immer“, sagte Lila Stiefelchen.

„Da lohnt sich das Warten wenigstens“, sagte Qwertz.

„Nein“, sagte Dr. No.

„Das habe ich gehört!“, sagte Lila Stiefelchen. „Alle beide!“

Winter is coming

„Auf mich lohnt sich das Warten immer!“ tönte es von der aufschwingenden Glastür her.

Ausschreibungen üben eine allseitige Anziehung aus. Auch auf unseren EmmDee.

Auf ihn besonders.

Er erschien im War Room, als Entourage die beiden Volontäre Lang und Länger, von denen der eine lang warten konnte und der andere noch länger.

„Unbezwinglich ist, wer warten kann“, schmetterte der EmmDee in die Runde.

„Das glaubt auch nur er“, kommentierte Brad im Stillen.

„Lass ihn doch“, murmelte ich. „Er hat ja sonst nichts.“

Länger meldete sich zu Wort: „Wenn ich dürfte, möchte ich gerne ein Bonmot anfügen, nur ein kurzes, aber ein zutreffendes“, sagte er, „von dem bedeutenden, nein, von dem bedeutendsten britischen Dichter, Dramatiker, Autor William Shakespeare, der seinen Othello im 2. Akt die hier passenden Worte sagen lässt: ‚Wie arm sind die, die nie Geduld besitzen.‘.“

„Für dich wäre Heinrich IV. zielführender“, sagte Lang.

Länger schaute ihn fragend an.

„Ich sage wenig, denke desto mehr“, zitierte Lang.

Länger holte tief Luft zum Gegenschlag.

„Schluss jetzt“, ging der EmmDee dazwischen. „Frauen und Suppen soll man nie warten lassen, sonst werden sie kalt.“ Das sei auch von Shakespeare, das gelte ebenso für Kunden und für Volontäre allemal. „Also aufgepasst! Damit ihr was lernt.“

Immerhin, fuhr er fort, sei es für die beiden Novizen eine perfekte Gelegenheit, den Abschluss eines dreistufigen Pitchs zu erleben. Marktscreening, Chemistry-Treffen, Kreativaufgabe – alles wie aus dem Lehrbuch.

Wobei er, der erfahrene EmmDee, sich schon frage, wer hier nicht bis drei zählen könne. Denn Präsentation, Kalkulation und Verhandlung begleiteten ja die drei Stufen, inklusive mehrerer Schleifen, weswegen man auf drei mal drei Stufen kommen könne. Mindestens.

„Deren Abstände mit erratisch gewählten Zeitintervallen kombiniert werden“, sagte ich.

„Die in monotone Ansagen münden“, ergänzte Qwertz. „Etwa: ‚Bitte gedulden Sie sich. Wir haben keine offenen Fragen mehr. Wir sind noch in der Entscheidungsfindung.‘“

Nipp. Nipp.

Da ging ein rhythmisches Rauschen über den Wandbildschirm, statische Schneewehen überzogen ihn, bis sie sich lichteten und, begleitet von vermeintlich sympathischen Teams-Klingeltönen, den Blick auf den Chefeinkäufer des weltweit führendsten Entscheidungsbremsscheibenbelagherstellers Deutschlands freigaben.

Er grüßte, etwas umständlich, sein Blick schweifte unstet ab zu den fünf, sechs dampfenden Kaffeetassen vor ihm, alle mit historischen Logos des Traditionsunternehmens. Er nippte unentschlossen mal an der einen, dann an der anderen, und sagte schließlich: „Ich will es kurz machen. Nipp, nipp. Ich will Sie nicht länger auf die Folter spannen als nötig!“

Ein erwartungsvoller Klangteppich durchzog unseren War Room, gewoben aus den Hoffnungen von monatelangem Warten, gesponnen aus den Ideen der zahllosen Überarbeitungen, geknüpft mit den Kalkulationen der ungezählten Verhandlungsrunden.

Wir starrten gebannt auf die Lippen des Chefeinkäufers, die mit geringem Zeitversatz die Worte vorformten, bevor wir sie hörten.

Sekundenbruchteile wurde zu Jahrzehnten.

Das müsse er dann aber schon noch vorneweg erzählen, so der Chefeinkäufer, was ihm besonders gut an unserer Arbeit gefallen habe, so viel Zeit sei doch sicher, oder? Was ihn nämlich überaus angesprochen habe: „Dass Sie die Zeitpläne mit Vivaldis ‚Vier Jahreszeiten‘ präsentiert haben. Sehr originell, sehr gelungen.“

Was eine eher phonetisch-prophetische Anspielung auf den zeitlichen Ablauf des Pitchs gewesen war.

„Aber“, sagte der Chefeinkäufer, „Nipp, nipp, wir mussten uns entscheiden.“ Er versichere, man habe es sich nicht leicht gemacht, schon gar als Entscheidungsbremsscheibenbelaghersteller sei man in einer besonderen Verantwortung.

Sein Blick hüpfte zwischen den fünf, sechs historischen Tassen hin und her. Nipp, nipp.

„Wir haben die Entscheidung geschoben“, sagte er schließlich. „In den Sommer im kommenden Jahr.“

Unser Klangteppich schwoll an, aus der Hoffnung wurde Ungläubigkeit, dann Fassungslosigkeit, die sich in unschönen Worten bahnbrach, mit Unmut, aber unmutig an die Gestalt im Monitor gerichtet. Unser EmmDee versuchte mit Fragen durchzudringen, auf der Suche nach Gründen.

Ohne Erfolg.

Nur Brad blieb ganz der kühle Rechner und formulierte eine wohl zutreffende Einschätzung der Zeitangabe: „Der Sommer, der ein Winter war.“

Und ich?

Ich traf einen Entschluss.

Ich musste raus, raus an die frische Luft. Den Kopf freikriegen. Spazieren gehen.

Es war Herbst, Spätherbst.

Fast Winter.

Ich beschloss, bis zum Frühjahr wieder da zu sein.

Buddy Müller arbeitet derzeit an dem Buch „Zen in der Kunst des Wartens“. Die Vorbestellungen, allein aus dem Agenturumfeld, weisen darauf hin, dass es ein Bestseller wird.

Die Leserinnen und Leser werden allerdings noch ein bisschen darauf warten müssen.

✓ Subscribed

#Agenturleben #Agenturmenschen #Agentursatire #ArtDiktator #BradMacCloud #BuddyMüller #ContentMarketing #DrNo #EmmDee #Entscheidung #folge32 #Frühling #Geduld #Herbst #Lang #Länger #LilaStiefelchen #PandoraPlappert #Qwertz #Satire #Sommer #Storytelling #Warten #Winter

Buddy Müller, kahlrasiert, in Buddha-gleicher Haltung, meditierend und geduldig wartend.
iWashtaging Suzimiya.bsky 𝕏Suzimiya
2025-11-02

Die fröhlichen Holzhacker- Burn 😅
* Text to Image API | DeepAI

Verfassungklage@troet.cafeVerfassungklage@troet.cafe
2025-08-07

Captain it's Wednesday - Folge 147 - Alternative Eingaben

Folge 147 des #CIW #Podcasts. #QWERTZ, da geht noch mehr mit #alternativen #Eingabemethoden.

gnulinux.ch/ciw147-podcast

2025-07-29

Von QWERTZ zu Neo - ein Selbstversuch - GNU/Linux.ch

gnulinux.ch/von-qwertz-zu-neo-

#Tastaturlayout #neo #qwertz

2025-07-29

Von QWERTZ zu Neo - ein Selbstversuch

Seit 25 Jahren schreibe ich im 10-Finger-System mit dem uns allen bekannten QWERTZ-Tastaturlayout. In den letzten drei Wochen habe ich mir das alternative Neo-Layout (halbwegs) beigebracht. Ein Erfahrungsbericht.

##neo ##qwertz ##qwerty ##tastatur #Linux

gnulinux.ch/von-qwertz-zu-neo-

2025-06-23

Guten Morgen, liebes Fediverse. Der heutige Tag ist in einigen Kalendern als Tag der #Schreibmaschine vermerkt, denn das erste Patent datiert auf den 23.6.1868.

#UnnuetzesWissen #OnThisDay #GutenMorgen #QWERTZ

左大路さんhadsn@mstdn.nere9.help
2025-06-12

いわゆるオサレ配列の #キーボード の何が嫌いってShiftキーを押しながら打鍵したときに全く違う文字が出てくることを考えてないってことですよ。特に #スイス 向けの #QWERTZ 配列や #AZERTY 配列であれば、Shiftを押さない場合は左下、Shiftを押した場合は左上、AltGrを押した場合は右下に統一してキー配列理解の増進を図ってほしい

2025-06-03

Darf ich mal kurz loben, wie toll sich das Aufrufen des Paketmanagers "yay" auf einer #QWERTZ-Tastatur anfühlt? :ablobcatheartsqueeze:

#yay #arch #linux

#folge46 #NoToDo

Freizeit, Freiheit, froher Sinn – doch bevor ein Agenturmensch in den heiß ersehnten und wahrscheinlich wohl verdienten Urlaub gehen kann, muss er die Kernerarbeit der Übergabe bewältigen. Gut, dass es dafür etablierte Standards gibt. Einen Fluch und Mehrarbeit inklusive.

✓ Abonniert

Urlaub? Ich hasse Urlaub. Ganz sicher nicht meinen eigenen, auch nicht den Urlaub an sich, denn ich habe meinen Urlaub wirklich immer verdient, und ich habe ihn auch wirklich immer nötig, ich, Buddy Müller, Senior Project Supervisor der weltweit größten Content-Marketing-Agentur Deutschlands.

So auch jetzt, mit meiner nächsten Auszeit in Sichtweite.

Mein Managing Director, der EmmDee, war zwar grundsätzlich anderer Meinung als ich, ob ich meines Urlaubs wirklich würdig sei. Aber ich zähle mich ruhigen Gewissens zu den rund 34 % aller deutschen Arbeitnehmenden, die überzeugt sind, dass sie deutlich mehr Urlaubstage bräuchten, als die Arbeitgebenden ihnen zustünden.

„Es ist mir ein Rätsel“, sagte Brad MacCloud vom Clan der MacClouds, mein scheinbar nimmermüdes und nur für mich hörbares MacBook Pro, „dass nicht noch mehr Menschen noch mehr Urlaub wollen.“

„Menschen, Maloche, Masochimus“, anlautreimte ich.

„Maximaler Match“, ergänzte Brad.

Meister der Feiertage

Ein Match, der hervorragend dokumentiert wurde. Aktuell waren digitale wie gedruckte Medien voll mit neuen Zahlen zur angeblich schönsten Zeit des Jahres. Die sich auch schön in exakten Tagen zählen ließ.

So verfügte jeder Bundesdeutsche im Schnitt über 28 Tage Urlaub, die er genehmigt fernab von Schreibtisch oder Fließband verbrachte (was ein und dasselbe für uns Agenturmenschen ist).

Dazu kamen bundesweit neun bezahlte Feiertage, in Bayern 13. Wer das Glück hatte, in der Schwabenmetropole Augsburg ansässig zu sein, konnte sogar 14 Feiertage zusätzlich in den Urlaubskalender eintragen.

„No oin Dag in Augschburg meh? An dem i au bloß Schwäbisch schwetza hör?“, fragte Brad. „Des wär’s mr ned wert.“

Das sollte wohl heißen, dass Brad gut auf einen Dienstort in Augsburg verzichten könne.

Kühle Kalkulatoren

Jedoch: Jeder einzelne freie Tag mehr war ein wichtiger Bestandteil jener Kalkulationen, die Arbeitnehmende meist schon früh im Jahr anstellten, mehr kühle Rechner als hochtalentierte Rechenkünstler. Wie bei einer Perlenkette reihten sie Urlaubs- und Brückentage aneinander, auf dass sie es locker von der Oster- bis in die Adventszeit schafften.

Sehr zum Leidwesen der Arbeitgebenden und der Kunden und Kundinnen, die entweder den Mangel an Einsatzbereitschaft oder den – wenn auch nur vorrübergehenden – Verlust ihres Ansprechpartners beklagten, auf den sie doch ein verbrieftes Anrecht hätten.

Sie ließen dabei völlig außer Acht, dass auch die Arbeit-, also die Urlaubnehmenden litten. Wie Hunde in der Sommerhitze eines südseitigen Großraumbüros, die sich hechelnd wiederum kaum von Herrchen und Frauchen bei der Urlaubsvorbereitung unterschieden.

Weil jeder einzelne Tag Absenz von der Arbeit, jede Stunde, jede Minute, jede Sekunde exakt im Voraus geplant werden musste.

Weswegen ich Urlaub hasste.

Buddy, übergeben Sie!

Untersuchungen zufolge sind zwischen zwei und fünf Stunden pro Projekt für eine saubere Urlaubsübergabe zu veranschlagen; die Studienangaben schwankten wie mein EmmDee nach einer erfolgreichen Award-Verleihung.

Meine erschöpfende Erfahrung bestätigte jedoch die Schätzung: Auf die vorurlaubliche Wochenarbeitszeit konnte man gut 50 Prozent und mehr draufpacken. Wobei es keine Rolle spielte, ob man auch im Urlaub Hand anlegte, an Dateien oder an Dokumente, nicht an Versuchungen unter südlicher Sonne oder an gekühlte Getränke in gefälligen Gestaden.

Was rund 48 % der bundesdeutschen Arbeitnehmenden gelegentlich und 13 % regelmäßig taten.

„Im Urlaub zu arbeiten, nicht sich zu vergnügen“, sagte Brad.

Gut und gerne, eigentlich weniger gerne, steckte jeder deutsche Arbeitnehmer pro Urlaubstag mindestens 1,3 Stunden in das, was er vor dem Urlaub nicht weggeschafft oder nicht rechtzeitig übergeben hatte. Je jünger, desto mehr Stunden pro Urlaubstag.

„Agenturmenschen werden da nicht mitgezählt“, sagte ich überzeugt. Denn wir würden, unabhängig vom Alter, die täglichen Stunden an Arbeit in der Auszeit signifikant erhöhen.

Und dass, obwohl wir wahre Künstler der kontrollierten Übergabe waren.

Für „The Art of Handover“ hatte sich im Laufe der Jahrzehnte ein Schema bewährt, das durchaus für den branchenübergreifenden Einsatz taugte:

  1. Identifiziere anstehende Aufgaben und wähle dann vor allem diejenigen, die du nicht gerne selbst machst!
  2. Benenne einen Stellvertreter und einen Stellvertreter des Stellvertreters, falls der Stellvertreter im Urlaub ist! Wähle immer jene, die nicht schnell genug nein sagen können!
  3. Verteile anstehende Aufgaben und takte Termine ein – stets nach dem Stellvertreterprinzip (siehe 2.)!
  4. Verschiebe offene Fragen immer auf den konkreten Zeitraum „nach dem Urlaub“! Der Zeitraum zwischen Ende des einen Urlaubs und Beginn des nächsten ist konkret genug.
  5. Dokumentiere die Übergabe schriftlich – inklusive aller Namen der Vertreterinnen und Vertreter. So verhinderst du, dass es hinterher Diskussionen über potenzielle Schuldige gibt.

Dreisprung, Dreisatz, kein To-do

So gerüstet machte ich mich ans Werk, meine Gewerke zu übergeben. Was mir leichtfiel, da mir bald südliche Sonne, sanfte Wellen und starke Getränke winkten.

Lang und Länger, unsere beiden Volontäre, von denen der eine immer lang und der andere immer länger arbeitete, bekamen schwere Kalkulationen, damit sie endlich lernten, dass ein Dreisatz kein Dreizeiler war.

Ich erhöhte gezielt den auf ihnen lastenden Druck, zumindest hormonell, indem ich Lila Stiefelchen, unsere blonde wie blitzgescheite Praktikantin aus der Controlling-Abteilung zur Prüfung ihrer Berechnungen bestimmte.

Dr. No, die prohibitiv veranlagte Assistentin unseres EmmDee, sollte sich mit großem Elan und positiver Energie an die Organisation unseres Sommerfestes machen, und an Qwertz, meinen Lieblings-Teamlead, vergab ich die interne Kommunikation des Agentur-Get-togethers unter dem gewinnenden Motto „Grill, Gemeinschaft, Gerstensaft“ – und damit auch das tagelange Ringen mit dem EmmDee um die richtigen Formulierungen für die Einladungs-E-Mail an die Gefolg-, äh, Belegschaft.

Zufrieden betrachtete ich die geplante Übergabe, da spürte ich einen Schlag auf meiner Schulter noch bevor ich den dumpfen Schlag meiner Bürotür an die Wand hörte.

Der EmmDee war in mein Büro gestürmt.

„Ich bin jetzt mal weg“, dröhnte er in mein Ohr. Und hieb mir nochmal auf die Schulter, schmerzhaftes Zeichen seines Vertrauens.

„Zwei Wochen, Müller, die wirst du ohne mich auskommen. Es gibt eh kein To-do.“

Mir gefror das Blut in den Adern.

Verflucht, wer bleibt

Nicht etwa, weil mein EmmDee einer der wenigen in unserer Agentur war, der einzige gar, der sich nicht an die ewigen Regeln der Übergabe hielt.

Oder weil er sich ebenso wenig an die ebenso ewige Regel hielt, dass jeder, ausnahmslos jeder in unserer Agentur seinen Urlaub anzukündigen und im Falle einer Genehmigung einzutragen hatte, in dem für jedermann einsehbaren digitalen Abwesenheitskalender.

Die Genehmigung erteilte der EmmDee sich selbst, und er enthob sich wohl auch selbst von der Pflicht des Eintragens und Ankündigens.

Was ich unter Berücksichtigung der innerbetrieblichen Hierarchie gerade noch hinnehmen konnte.

Aber „Kein To-do“?

„Kein To-do“ entfaltete eine wüste Wirkung.

„Kein To-do“ zog fatale Folgen nach sich.

„Kein To-do“ war ein böser Zauberspruch, ein Fluch, den der in den Urlaub Enteilende über die Zurückbleibenden verhängte.

Alles, was mit „Kein To-do“ verbunden war, führte unweigerlich zum größtmöglich vorstellbaren Arbeitsaufwand.

Getroffene Entscheidungen wurden revidiert, verhandelte Verträge blieben ohne Unterschrift, freigegebene Projekte mussten von Grund auf überarbeitet werden, abgestimmte Arbeitsabläufe wurden um mehrere Schleifen erweitert, rekursive, nicht endende Schleifen, selbstverständlich.

Aus locker zu lösenden Lappalien wurden kaum zu kontrollierende Katastrophen.

Selbst wenn sich der EmmDee zum Abschied in die Auszeit nur auf die als Chefsache eingestuften Projekte bezog, aus denen wir ihn trotz vereinter Kräfte nicht heraushalten konnten, würde sein „Kein To-do“ unweigerlich zu Krisensituationen führen.

Darum hasste ich Urlaube.

Auf, auf und davon!

Ich atmete tief durch.

„Was machen wir jetzt?“, fragte ich meinen treuen Gefährten Brad MacCloud, in der Hoffnung, dass ihm ein Bannspruch für die nahende Notlage einfiele.

Keine Antwort.

„Hallo?“, fragte ich, und mit mehr Nachdruck noch einmal: „Was machen wir jetzt?“

Ich tippte an Brads Bildschirm.

Nichts.

„Hallooooo?“

„Ich weiß ja nicht, was Du jetzt machst“, sagte Brad plötzlich. Er wirkte gehetzt, sein Kameraauge glühte. „Aber ich plane jetzt meinen Urlaub. Für dich ist da kein …!“

„Sag’s nicht“, unterbrach ich ihn noch rechtzeitig. Mir reiche schon der EmmDee, sagte ich, der seine komplette Arbeitslast zu meinem Armageddon machte.

„Dann weißt Du, wie es mir meist geht“, antwortete Brad.

Er erbat sich sofortigen Dispens, denn er müsse wirklich nun seinen Urlaub vorbereiten, das bedürfe diesmal besonderer Umsicht und viel Feingefühl, weil er nicht allein unterwegs sein werde.

Ich fragte, ob es etwas Festes sei. Doch das hörte er schon nicht mehr.

Brad war weg, aufgebrochen in die Weiten des World Wide Webs.

Einsam, wie ich zurückblieb, holte ich mir einen „Il Solitario“ aus unserer Siebträgermaschine im Wert eines Kleinwagens. Dann legte ich los.

Ich korrigierte zuerst meinen – im Abwesenheitskalender eingetragenen – Urlaub so, dass er sich um zwei Tage mit dem Urlaub des EmmDee überschnitt.

Etwas mehr Abstand voneinander würde ihm und mir guttun.

Dann krempelte ich meine sorgsam ausgefeilte Übergabe um, strich die liebevoll mit Verantwortung bedachten Kolleginnen und Kollegen von meiner Liste, ersetzte sie durch den Namen des EmmDee, und ergänzte um die vollständige Liste aller Chefsache-Projekte.

Schließlich setzte ich, gefettet, in doppelter Schriftgröße darunter: „Kein To-do.“

Ach, wieviel Zauber liegt in diesen Worten.

Ich glaube, ich beginne Urlaube zu lieben.

Eine Zahl geht noch: Aktuellen Internetrecherchen zufolge benötigt ein Urlaubsantrag in Deutschland 75 Tage bis zur Genehmigung.

Es ist also genügend Zeit, um die Übergabe von Projekten gründlich vorzubereiten.

✓ Abonniert

#Agenturleben #Agenturmensch #Agentursatire #Antrag #Auszeit #Übergabe #BradMacCloud #Brückentag #BuddyMüller #ContentMarketing #CorporatePublishing #Delegieren #EmmDee #Fenstertag #Ferien #Freiheit #Freizeit #Kalkulation #Mehrarbeit #Qwertz #Storytelling #Task #Todo #Urlaub #Urlaubstag #Urlaubszeit

2025-04-20

K1 möchte schneller tippen lernen. Mit #qwertz anfangen oder gleich #neo2? (Hab eh noch ne physische neo2 Tastatur da)
qwertz/qwerty können ist (auch wenn ich damit mega langsam bin) auch immer wieder mal notwendig... 🤔

#folge45 #KIgration

Das rasante Vordringen von Künstlicher Intelligenz in Bereiche des ganz normalen Arbeitsalltags treibt Unternehmen wie Mitarbeitende unerbittlich vor sich her. Jeder versucht, auf den Wandel eine passende Antwort zu finden. Dabei kann es nur eine einzige geben.

✓ Abonniert

Morgenrituale geben mir Halt in meinem Arbeitsleben. Müsli herrichten, Mails checken, mit einem Lungo Mercenario die Blutdrucktabletten hinunterspülen. Und, seitdem Künstliche Intelligenz immer mehr uns Agenturmenschen die Aufgaben abspenstig macht: mich freuen, dass ich meinen Job in der weltweit führendsten Content-Marketing-Agentur Deutschlands noch habe.

„Du brauchst Dich nicht wirklich zu sorgen“, versuchte Brad MacCloud vom Clan der MacClouds mich stets zu beruhigen.

Mein weitsichtiges MacBook Pro, das nur ich hören konnte, hatte schon immer ein angespanntes Verhältnis zu KI-Tools. Zu Hunderten, zu Tausenden gar, würden sie ihn und die Serverinnen weltweit belagern, um ein bisschen Wissen abzustauben, das sie dann anderenorts zu belanglosen Texten und überzeichneten Bildern für minderbegabte, sauerstoffwechselnde, humane Lebewesen zusammenschusterten.

Doch, doch, ich sorgte mich. Was heißt schon ‚nicht wirklich‘?

Denn die Migration von Künstlicher Intelligenz in bisher unberührbare Bereiche von Unternehmen, allen voran in Jobs, mit denen wir Agenturmenschen Lohn und Brot verdienten, diese Ein- bzw. Unterwanderung war nicht mehr aufzuhalten und nur schwer zu regulieren.

„Wenigstens“, pflegte ich Brad zu entgegnen, „wenigstens möchte ich der Letzte sein, der hier das Licht ausschaltet.“

Umschulen, um zu überleben

Wahrscheinlich war es der schiere Selbsterhaltungstrieb, aus dem heraus Qwertz, mein Lieblings-Teamlead, mir einen neuen Weg für seine berufliche Weiterentwicklung vorschlug.

Er mailte mir, dass er von einer genialen Idee gelesen habe, die ihn zu einem kompletten Wandel seiner früheren Einstellung bewege: Er wolle sich zur Künstlichen Intelligenz umschulen lassen.

Vater Staat übernähme die Ausbildungskosten; zudem erfülle er, Qwertz, damit für unsere Agentur den EU AI Act und die Verpflichtung zur KI-Weiterbildung.

Vor allem aber, so führte Qwertz an, verspreche dieser Schritt eine immense Effizienzsteigerung, die immenseste jemals in der an Effizienzsteigerungen reichen Geschichte unserer Agentur, denn nach der Umschulung zur KI könne er sofort mindestens zwei Handvoll Kolleginnen und Kollegen quer durch alle Bereiche ersetzen.

„Wahrscheinlich merken die Kunden gar nicht, wenn er das macht“, sagte Brad MacCloud. „Banale Beiträge, beliebige Bilder, passt ins Budget. Alles wie immer.“

Qwertz aber schien es damit ernst zu sein.

Mein Lieblings-Teamlead berief sich auf den Beitrag eines traditionsreichen Medienhauses, so traditionsreich, dass es seinen Namen aus jener Zeit zu haben schien, in der noch Kutschen zwischen den Schreibenden und den Lesenden hin und her holperten.

Außerdem habe ihm Perplexity Idee und Quelle vorgeschlagen – wie, bitte schön, könne eine KI sich irren, die mittlerweile Google aussehen lasse, als würde die tradierte Suchmaschine in Keilschrift-Bibliotheken recherchieren?

Ich schwankte zwischen dem unstillbaren Verlangen, Qwertz sofort zu desillusionieren, und meiner Gutmütigkeit, ihm erstmal seinen Glauben zu lassen.

Bis zur Unterlippe

Unbestritten, Künstliche Intelligenz bewirkt viel Gutes, nicht erst seit kurzem: Immer dann, wenn ermüdende, fehleranfällige, sich ständig wiederholende Aufgaben dem Fortschritt der Menschheit im Wege stehen, kann die digitale Hilfe diese Hindernisse beseitigen. Viele Entwicklungen in Medizin und Pharma, in Luft- und Raumfahrt, in Elektronik und Maschinenbau wären ohne das, was wir heute KI nennen, nicht möglich gewesen.

„Damals hieß sie noch ‚selbstlernende Software‘“, meldete sich Brad MacCloud. „Sie bettelte mich nicht an und versuchte nicht, Know-how zu nutzen, das ihr nicht zusteht.“

Außerdem habe sie nicht weltweit rund 300 Millionen Vollarbeitszeitplätze gefährdet, zitierte ich aus einer Studie, deren nachdenklich stimmendes Numbercrunching bis heute nicht widerlegt war.

Natürlich war die Menschheit seit gut 200 Jahren, seit Beginn der Industrialisierung, daran gewohnt, dass jede Technologieentwicklung Märkte umbaute und Arbeitswelten reformierte.

„Schöngeredet dafür, Menschen arbeitslos zu machen“, sagte Brad.

Das seien die ewigen, gnadenlosen Gesetze der Betriebs- und Marktwirtschaft, hielt ich dagegen. Die bislang uns Wissensarbeiter verschont hatten.

Bislang.

Wissensarbeiter, die besser Ausgebildeten und daher immer ein paar Sprossen auf der Karriereleiter höherstehenden: Sie wähnten sich sicher.

Doch KI ließ den Pegel steigen, und nun stand auch jenen das Wasser bis zum Hals.

Bis zur Unterlippe.

„Ich will mit Dir jetzt nicht diskutieren“, sagte Brad, „ob ihr wirklich mit so viel Wissen arbeitet.“

Ich überhörte ihn geflissentlich. Sicher sei, fuhr ich fort, dass die digitale Billigintelligentia bis zu 70 % aller Jobs in Marketing, Kommunikation und Design in Gefahr brächte.

„Wir können mit dem Schlürfen beginnen“, sagte ich. „Wir sind am Absaufen.“

Nur Lächeln, keine Leistung

Wenn ich mich in der Branche so umschaute, dann schienen viele zu glauben, dass bei ihnen der Kopf hoch genug sitze und dass sie von einer drohenden Gefahr nichts zu wissen brauchten. Etwa in KI-Usergruppen stieß ich auf zahllose Nerds, selbst- und technologieverliebt und schier trunken von den scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz – allesamt gleichzeitig völlig unbeleckt von den Grundregeln deutscher Rechtschrift und Kommasetzung.

„Man kann nicht alles beherrschen“, sagte Brad. „Der Duden ist doch völlig überbewertet.“

„So überbewertet wie Qualität“, schoss ich zurück. Nur weil etwas technisch machbar sei, sei es noch lange nicht gut gemacht.

Bestes Beispiel war eine aktuelle Zahnpastawerbung: Ein Pastenproduzent rühmte sich, dass alle in ihrem Spot zum 100jährigen Bestehen gezeigten Menschen nicht nur ein strahlendes Lächeln einte, sondern auch, dass sie nie gelebt hätten – wofür ihn die Fachpresse feierte.

Künstliche Intelligenz erweckte die Karies-Killer-Komparsen zum Leben und ließ sie in artifizieller Ausleuchtung künstlich durch ein Jahrhundert lächeln, mit gerne zur Schau gestellten Gebissen, die selbst gegenwärtig kein noch so talentierter Zahnchirurg zustande brächte, weil dieser Profession damals wie heute die nötige Präzision fehlte.

„Ist das kreativ?“, fragte ich Brad. „Ist das Leistung?“ Der inszenierte Pasten-Pathos drifte ab in eine Banalität berechneter Bilder. Alles schön, alles steril, alles ein KI-geklontes Möchtegernkunstwerk.

„Und dann schmeckt die Zahnpasta auch noch, als hätte man Bausand mit Pfefferminzöl vermischt“, sagte ich.

Fatales Grundmuster

„Ihr Menschen seid einfach nur zu faul zum Denken“, sagte Brad nach einer Pause.

Ich blickte meinen kritischen Computer kühl an.

„Eure Faulheit war immer die Triebfeder eurer Entwicklungen.“, erklärte er. „Nimm das Rad – ihr wart zu faul zum Laufen.“

Bei der Eisenbahn, so Brad weiter, waren wir zu faul zum Radfahren. Beim Auto – zu faul, den Zug zu nehmen.

„Vielleicht hatte er Verspätung?“, wandte ich ein.

Brad ließ sich nicht beirren.

„Beim Computer – zu faul zum Rechnen. Beim Internet – zu faul zum Einkaufen“, sagte er. „Nicht nur, dass ihr euch Wohlstandstextilien, Weltreisen und Wocheneinkäufe nach Hause holt, sondern auch alles, na ja, fast alles Wissen dieser Welt.“

Zumindest das, was wir dafür hielten. Denn mit Einordnung und Evidenz hapere es noch gewaltig, sonst könne er sich die Legionen an Querdenkern, Populisten und politisch Extremen nicht erklären.

Doch es sei stets das gleiche Grundmuster, das nun der Künstlichen Intelligenz Tür und Tor öffne.

„Ihr seid zu faul zum Denken“, sagte Brad.

Verstand und Verantwortung

Starker Tobak. Auf den ich erstmal einen starken Kaffee brauchte.

Während ich den Schwaden meines zweiten – oder war es der dritte, der vierte? – Lungo Mercenario hinterher sinnierte, dämmerte mir, worauf es ankam.

Gerade in meinem Business. Aber nicht nur da.

Wir brauchten Menschen, echte Menschen, mit Einfällen und Gefühlen, mit Mut und Zweifeln, mit einer kritischen Distanz zur Künstlichen Intelligenz. Menschen waren so wichtig wie …

„… Faktenchecker auf Social-Media-Plattformen“, ergänzte Brad.

Nun, ja, von Menschen, nicht von Algorithmen hängen Respekt, Authentizität, echte Meinungsfreiheit und wahre Kreativität ab.

Ich setzte eine Mail auf, bat Qwertz um Verständnis, dass ich die Umschulung nicht bewilligen könne, empfahl, die Seriosität des Angebots gründlich zu prüfen, und legte ihm vor allem nahe, dass er sich doch stattdessen um den verantwortungsbewussten Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Agentur kümmern könne.

„Wir brauchen mehr gesunden Menschenverstand“, schrieb ich ihm.

„Guter Ansatz“, sagte Brad. „Und für alles andere hast Du ja mich.“

Brad MacCloud würde nur allzu gerne den Schnorrer Chat GPT und Seinesgleichen entlarven und in die Schranken weisen.

In einem aufschlussreichen Kreuzverhör, geführt mit gesundem, sehr scharfem Menschenverstand, hat dies der österreichische Satiriker Thomas Speck getan – im „Interview mit einer KI“, der achten Folge seines höhrenswerten „Schalltrichters“.

✓ Abonniert

#Agentur #Agenturleben #Agenturmensch #Agentursatire #AI #Arbeitsplatz #ArtificialIntelligence #BradMacCloud #BuddyMüller #ChatGPT #ContentMarketing #Haltung #Herz #Hirn #Kaffee #KünstlicheIntelligenz #KI #Menschenverstand #Qwertz #Satire #Schalltrichter #Storytelling #Tools #Umschulung #Verantwortung #Verstand #Weiterbildung

2025-02-03

Voici quelques photos de notre #concert au #QWERTZ avec #Turbomaniacs !

On a pu faire deux nouveaux morceaux tout neufs, "Le poids du frigo" 🧊 et "la #stoner " 🏜️.

Merci à L'orga, aux potes qui sont venus nous voir et aussi Hervé et Nick pour les photos. 😉🔥

#news #newsCHIEN #metal #lausanne #PhotoDeConcert

Le grateuxUn peu d'harmonica pour la route ...Stet liseTout le monde sur la mini scene
iWashtaging Suzimiya.bsky 𝕏Suzimiya
2025-01-11
2025-01-11

#Nintendo #NES fans hier? Bei @DragonBox gibt's die mechanische #8BitDo Tastatur mit deutschem #QWERTZ Layout noch bis zum 13.01. exklusiv mit 10 Euro Rabatt vorzubestellen :)

dragonbox.de/de/sonstiges/8bit

#retrogaming #retro

8BitDo Tastatur im NES Design und deutscher Tastenbelegung
iWashtaging Suzimiya.bsky 𝕏Suzimiya
2024-11-02

Wir sind die fröhlichen Holzhacker- Burn 😅

* Text to Image API | DeepAI

iWashtaging Suzimiya.bsky 𝕏Suzimiya
2024-08-08
iWashtaging Suzimiya.bsky 𝕏Suzimiya
2024-08-08

Neulich im Familien-Chat

iWashtaging Suzimiya.bsky 𝕏Suzimiya
2024-08-08

YOGTZE YOG'TZE

Client Info

Server: https://mastodon.social
Version: 2025.07
Repository: https://github.com/cyevgeniy/lmst