Die Lichtfalterin tritt aus der Dunkelheit der Seitenstraße, ihre Schritte hallen auf dem Pflaster.
Vor ihr liegen Häuser, halb verlassen, halb belebt, Menschen tauchen auf und verschwinden wieder, unmerklich, wie Fliegen im Licht.
Die Luft ist schwer von Stimmen, ein Wirbel aus Worten, Gelächter, Beschwerden.Jeder ruft etwas, das sie nicht hören will:
„Schau mal, wie krank ich war!“
„Hast du gesehen, was ich gestern getan habe?“
„Komm, umarme mich, wir teilen unsere Lasten!“
Sie spürt, wie diese Stimmen kleben,
wie sie sich um ihre Beine wickeln,
wie bunte Fäden aus Sorgen; Eifersucht und Lärm versuchen, sie festzuhalten.
Ihre Augen brennen, ihr Herz pocht,
doch sie lässt sich nicht greifen.
Sie tritt einen Schritt zur Seite, dann noch einen, zieht die Linie ihres Weges durch das Chaos, und alles, was klebt und kriecht, zerfällt in glitzernde Splitter,
die von den Wänden abperlen, wie Regen von dunklem Glas.
Manche Hände strecken sich nach ihr, zerren, klammern an einem Wort, das sie gesprochen hat, das ihnen nicht passt oder aber besonders.
Sie hört es, nickt nicht, greift nicht zurück,
nur ein Lächeln, kalt wie Morgennebel,
das die Fäden abschneidet, ohne die Welt zu verletzen.
Und in der Stille, die ihr Schritt zurücklässt, glitzert ein leiser Funke: Die Freiheit, die in jedem Atemzug brennt,
die Farbe ihrer eigenen Linie, die niemand sonst malen kann.
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