@linuxnews_de wagt sich über die eigene Expertise hinaus und veröffentlicht einen merkwürdigen Meinungsbeitrag zu geschlechter sensibler Sprache.
Von Hauptautor @linuxnews (Ferdinand) ist man seit Jahren solide Nachrichten über den Bereich Linux, freie Software und dem drum herum gewohnt, ein Engagement das vermutlich hauptsächlich in der interessierten Bubble Anerkennung findet (und verdient). Ab und an gibt es hinweise in eigener Sache, sonst bleibt Linuxnews.de beim gewohnten und liefert häufig interessante Einblicke. Da man dort anscheinend nicht mehr kommentieren kann ohne sich anzumelden nun hier mein Senf dazu, an dem ich euch mal teilhaben lasse, vermutlich ist es für das Publikum hier ohnehin interessanter.
Co-Autor Stefan wagte sich nun auf das dünne Eis der Gesellschaftskritik und hat dabei gleich selbst beheizte Schuhsolen mitgebracht. Ich verlinke den Artikel absichtlich nicht, weil ich ihn furchtbar schlecht finde, wer will findet den selbst auf Linuxnews.de
Ich finde es gar nicht falsch, dass hier eine Meinung geäußert wird. Zwar passt es für mich nicht so richtig ins Konzept der Seite, aber warum nicht eine Seite mit einem persönlich Anstrich und Meinung weiter entwickeln.
Problematisch ist besonders die Art wie die Stammtischthesen (mehr ist es leider nicht) vorgetragen werden.
Es beginnt schon damit, dass der Titel des Beitrag: "Umfrage: inklusive Sprache" heißt, es kann an meinem Werbeblocker liegen, aber ich hab keine Umfrage gesehen, sondern einen Meinungsbeitrag.
Hier so ein paar Dinge warum der Beitrag problematisch ist: Gleich zu Beginn wird das sprachliche gendern zur am heißesten diskutierten Sachen unserer aktuellen Zeit stilisiert. Wer auf eine beliebige Nachrichtenseite klickt, wird schnell sehen, dass das vielleicht "etwas" übertrieben ist. Oder mal kurz nachdenkt worüber ihr die letzten Jahre so nachgedacht habt.
Neben kurzer Relativierungen der Skalverei, weil ist ja Techsprache, kommt es schließlich dazu dass das schreckliche gendern sogar in normalen (!) Gesprächen verwendet wird (wirklich schrecklich! ;) ). Um nicht selbst beleidigend zu werden lässt er einen Geschäftspartner das ganze „hirnverbrannte Schei*e“ nennen, wozu das Zitat da sein soll wenn man es selbst anders sieht bleibt unklar und wirkt eher wie ein Feigenblatt, um nicht ganz zu krass rüber zu kommen. Dann werden noch verschiedene Möglichkeiten aufgezeigt wie man gendern könnte in der Schrift, um sich schließlich mit einem Hubschrauber Meme "ich identifiziere mich als Hubschrauber" über nicht binäre Personen implizit lustig zu machen, was für mich nach einer transphoben Dogwhistle aussieht. Da bin ich jedoch nicht 100% sicher, wirkt aber so.
Das ganze wird natürlich hoch wissenschaftlich gestützt durch Stefans eigene Privatevidenz und einer vorgeschoben wirkenden Betroffenheit, dass er ja selbst zu einder MInderheit gehört. Die er anscheinend lieber nicht verraten möchte. Vielleicht um nicht diskriminiert zu werden? Eine Freiheit die er anderen Menschen abspricht...
Am Ende wird dann noch völlig kontextlos ein kurzer ARD Beitrag über einen eigenwilligen Sprachvorschlag mit "ens" gepostet und die (nach diesem Text) scheinheilige Frage gestellt wie es denn die Community mit dem gendern halte. Gefolgt nur noch von einem Edit, dass linuxnews.de nicht gendern wird.
Da denke ich mir ok, macht dass doch so, warum aber müssen Leute die das machen von euch gecancelled werden, wieso als "Extrawurst" diffamieren, wenn man doch einfach allen die Freiheit lassen könnte es zu tun oder zu lassen. Wieso aber dieser Meinungsbeitrag mit so klarem Einschlag? Man kann unterschiedlicher Auffassung sein oder Dinge verschieden betrachten, hier findet jedoch keine faire oder inhaltlich wertvolle Debatte statt, es ist nur Polemik. Es findet keinerlei differenzierte Auseinandersetzung statt. Stefan findet das halt einfach doof, weil...?, ja so genau weiß man das nicht. Es findet auch keine Einordnung mit wirklichem pro/contra statt. Dabei gäbe es valide Argumente durch das Machtmittel Sprache (vgl. z.B. Staub-Bernasconi dazu) die Gesellschaft gerechter für alle zu machen. Oder wie die Machtgefälle denen "nicht-Männer" ausgesetzt sind thematisieren. Mit der Einkommensungleichheit, der strukturellen Diskriminierung oder mit Gewalt die stattfindet. Man könnte sich auch Wissenschaft dazu anschauen (wie z.B. hier beschrieben www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.… um nur mal eins zu nennen das mir zuletzt über den Weg gelaufen ist).
Passend dazu die Kommentare, nur wenige bewegen sich in dieser Würstchenparty die ein abweichende Meinung haben, wenn dann wird diese sehr defensiv formuliert. Stattdessen findet man diesen (auch handwerklich) schlechten Text klasse und nebenbei wird sich von einem Kommentator noch über die Amadeu Antonio Stiftung lustig gemacht. Sowas kenne ich sonst nur von Rechtsextremen.
Ich würde mir eine Stellungnahme von @linuxnews dazu wünschen, in meinem Ansehen ist die Seite krass gesunken, ein -ganz besonders im dem Stil- unnötiger Beitrag, der einen faden Beigeschmack hinterlasst.
Wo ist der Zusammenhang mit Linux?
Wieso so polemisch? Wieso so totalitär? Wieso so wenig ausbalanciert? Wieso so schlecht geschrieben?
#Linuxnews #Linux de
/enthält teilweise Sarkasmus, weil so bitter...
Der fade Beigeschmack will gar nicht mehr weggehen, jetzt nachdem ich den Artikel nochmal gelesen habe :/